{"id":2388,"date":"2015-01-09T21:57:22","date_gmt":"2015-01-09T20:57:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2388"},"modified":"2015-01-10T15:23:44","modified_gmt":"2015-01-10T14:23:44","slug":"gylfaginning-gylfis-verblendung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2388","title":{"rendered":"Gylfaginn\u00eeng (Gylfis Verblendung)"},"content":{"rendered":"<p>K\u00f6nig Gylfi beherschte das Land, das nun Swithiod (Schweden) hei\u00dft. Von ihm wird gesagt, da\u00df er einer fahrenden Frau zum Lohn der Ergetzung durch ihren Gesang ein Pflugland in seinem Reiche gab, so gro\u00df als vier Ochsen pfl\u00fcgen k\u00f6nnten Tag und Nacht. Aber diese Frau war vom Asengeschlecht; ihr Name war Gefion. Sie nahm aus J\u00f6tunheim vier Ochsen, die sie mit einem J\u00f6tunen erzeugt hatte, und spannte sie vor den Pflug. Da ging der Pflug so m\u00e4chtig und tief, da\u00df sich das Land l\u00f6ste, und die Ochsen es westw\u00e4rts ins Meer zogen bis sie in einem Sunde still stehen blieben. Da setzte Gefion das Land dahin, gab ihm Namen und nannte es Selund (Seeland). Und da wo das Land weggenommen worden, entstand ein See, den man in Schweden nun L\u00f6ger (M\u00e4lar) hei\u00dft. Und im L\u00f6ger liegen die Buchten so wie die Vorgebirge in Seeland. So sagt Bragi der alte:<\/p>\n<p>Gefion nahm von Gylfi   fr\u00f6hlich, dem goldreichen,<br \/>\nDie rennenden Rinder   rauchten, den Zuwachs D\u00e4nemarks.<br \/>\nVier H\u00e4upter, acht Augen   hatten die Ochsen,<br \/>\nDie das Erdst\u00fcck schleppten   zu dem sch\u00f6nen Eiland.<\/p>\n<p>K\u00f6nig Gylfi war ein weiser Mann und zauberkundig. Er wunderte sich sehr, da\u00df der Asen Volk so vielkundig sei, da\u00df Alles nach ihrem Willen erginge. Er dachte nach, ob die\u00df von ihrer eigenen Kraft geschehen m\u00f6ge, oder ob da die Macht der G\u00f6tter walte, welchen sie opferten. Er unternahm eine Reise nach Asgard, fuhr aber heimlich, indem er die Gestalt eines alten Mannes annahm und so sich hehlte. Aber die Weisheit der Asen, die in die Zukunft blicken, \u00fcberwog und da sie um seine Fahrt wusten bevor er kam, empfingen sie ihn mit einem Blendwerk. Als er in die Burg kam, sah er eine hohe Halle, da\u00df er kaum dar\u00fcber wegsehen mochte. Das Dach war mit goldenen Schildern belegt wie mit Schindeln. So sagt Thiodolf von Hwin, da\u00df Walhall mit Schilden gedeckt sei:<\/p>\n<p>Das Dach deckten   denkende K\u00fcnstler,<br \/>\nSteinschilde schimmerten   \u00fcber dem Saale Odhins.<\/p>\n<p>Am Thor der Halle sah Gylfi einen Mann, der mit Me\u00dfern spielte, da\u00df sieben zugleich in der Luft waren. Dieser fragte ihn nach seinem Namen. Er nannte sich Gangleri, und sagte, er komme aus unwegsamer Ferne und bitte um Nachtherberge; auch fragte er, wem die Halle geh\u00f6re. Jener antwortete, sie geh\u00f6re ihrem K\u00f6nige: \u201eich will dich zu ihm begleiten: da magst du ihn selbst um seinen Namen fragen.\u201c Alsbald ging der Mann ihm voraus in die Halle: er folgte ihm nach und dicht hinter seinen Fersen schlug die Th\u00fcre zu. Da sah er viele Gem\u00e4cher und eine Menge Volks: einige spielten, einige zechten, andere \u00fcbten sich in den Waffen. Er sah sich um, und Vieles von dem was er sah, dauchte ihn unglaublich. Da sprach er:<\/p>\n<p>Ehe du eingehst   des Ausgangs halber<br \/>\nStelle dich sicher.<br \/>\nDu weist nicht gewiss,   ob Widersacher<br \/>\nNicht im Hause halten.<\/p>\n<p>Er sah drei Hochsitze, einen \u00fcber dem andern, und auf jedem sa\u00df ein Mann. Er fragte, wie die Namen dieser H\u00e4uptlinge w\u00e4ren. Sein F\u00fchrer antwortete: der in dem untersten Hochsitz sitze, sei ein K\u00f6nig und hei\u00dfe Har (der Hohe); der im n\u00e4chsten hei\u00dfe Jafnhar (der Ebenhohe), und der im obersten hei\u00dfe Thridi (der dritte). Da fragte Har den Ank\u00f6mmling, was er zu werben komme, und f\u00fcgte hinzu, E\u00dfen und Trinken stehe f\u00fcr ihn bereit wie f\u00fcr alle in Hars Halle. Er sagte aber, zuvor wolle er fragen, ob es da wohl einen weisen Mann gebe. Har sagte, er komme nicht heil heraus, wenn Er nicht weiser sei.<\/p>\n<p>\u201eSteh Du,   indem du fragst;<br \/>\nDer Antwort sagt,   soll sitzen.\u201c<\/p>\n<p>Da hub Gangleri an zu sprechen: Wer ist der h\u00f6chste und \u00e4lteste aller G\u00f6tter? Har sagte: Allvater hei\u00dft er in unserer Sprache und im alten Asgard hatte er zw\u00f6lf Namen. Der erste ist Allvater, der andere Herran oder Herian, der dritte Nikar oder Hnikar, der vierte ist Nikuz oder Hnikudr, der f\u00fcnfte Fi\u00f6lnir, der sechste Oski, der siebente Omi, der achte Biflidi oder Biflindi, der neunte Swidar, der zehnte Swidrir, der eilfte Widrir, der zw\u00f6lfte Jalg oder Jalkr. Da fragte Gangleri: Wo ist dieser Gott, und was vermag er? oder was hat er Gro\u00dfes gethan? Har sagte: Er lebt durch alle Zeitalter und beherscht sein ganzes Reich und waltet aller Dinge, gro\u00dfer und kleiner. Da sprach Jafnhar: Er schuf Himmel und Erde und die Luft und Alles was darin ist. Da sprach Thridi: Das ist das Wichtigste, da\u00df er den Menschen schuf und gab ihm den Geist, der leben soll und nie vergehen, wenn auch der Leib in der Erde fault oder zu Asche verbrannt wird. Auch sollen alle Menschen leben, die wohlgesittet sind, und mit ihm sein an dem Orte, der Gimil hei\u00dft oder Wingolf. Aber b\u00f6se Menschen fahren zu Hel und darnach gen Niflhel; das ist unten in der neunten Welt. Da fragte Gangleri: Was that er bevor Himmel und Erde geschaffen waren? Har antwortete: Da war er bei den Hrimthursen (Frostriesen).<\/p>\n<p>Gangleri fragte: Wie ward die Welt, wie entstand sie, und was war zuvor? Har antwortete: So hei\u00dft es in der W\u00f6luspa:<\/p>\n<p>Einst war das Alter,   da Alles nicht war,<br \/>\nNicht Sand noch See   noch salzge Wellen,<br \/>\nNicht Erde fand sich   noch \u00dcberhimmel,<br \/>\nG\u00e4hnender Abgrund   und Gras nirgend.<\/p>\n<p>Da sprach Jafnhar: Manches Zeitalter vor der Erde Sch\u00f6pfung war Niflheim entstanden; in dessen Mitte liegt der Brunnen, Hwergelmir genannt. Daraus entspringen die Fl\u00fc\u00dfe mit Namen Sw\u00f6l, Gunnthra, Fiorm, Fimbul, Thul, Slidr und Hridr, Sylgr und Ylgr, Wid, Leiptr und Gi\u00f6ll, welcher der n\u00e4chste beim H\u00f6llenthor ist. Da sprach Thridi: Vorher aber war im S\u00fcden eine Welt, Muspel gehei\u00dfen: die ist hell und hei\u00df, so da\u00df sie flammt und brennt und allen unzug\u00e4nglich ist, die da nicht heimisch sind und keine Wohnung da haben. Surtur ist er gehei\u00dfen, der an der Grenze des Landes sitzt und es besch\u00fctzt: er hat ein flammendes Schwert und am Ende der Welt wird er kommen und heeren und alle G\u00f6tter besiegen und die ganze Welt in Flammen verbrennen. So hei\u00dft es in der W\u00f6luspa:<\/p>\n<p>Surtur f\u00e4hrt von S\u00fcden   mit flammendem Schwert,<br \/>\nVon seiner Klinge scheint   die Sonne der G\u00f6tter.<br \/>\nSteinberge st\u00fcrzen,   Riesinnen straucheln,<br \/>\nZu Hel fahren Helden,   der Himmel klafft.<\/p>\n<p>Gangleri fragte: Was begab sich, bevor die Geschlechter wurden und Menschenvolk sich ausbreitete? Har antwortete: Als die Fluten, welche Eliwagar hei\u00dfen, soweit von ihrem Ursprunge kamen, da\u00df der Giftstrom in ihnen erstarrte wie der Sinter, der aus dem Feuer f\u00e4llt, ward er in Eis verwandelt. Und da die\u00df Eis stille stand und stockte, da fiel der Dunst dar\u00fcber, der von dem Gifte kam und gefror zu Eis, und so legte eine Eislage sich \u00fcber die andere bis in Ginnungagap. Da sprach Jafnhar: Die Seite von Ginnungagap, welche nach Norden gerichtet ist, f\u00fcllte sich an mit einem schweren Haufen Eis und Schnee und darin herschte Sturm und Ungewitter; aber der s\u00fcdliche Theil von Ginnungagap war milde von den Feuerfunken, die aus Muspelheim her\u00fcberflogen. Da sprach Thridi: So wie die K\u00e4lte von Niflheim kam und alles Ungest\u00fcm, so war die Seite, die nach Muspelheim sah, warm und licht, und Ginnungagap dort so lau wie windlose Luft, und als die Glut auch dem Reif begegnete also da\u00df er schmolz und sich in Tropfen aufl\u00f6ste, da erhielten die Tropfen Leben durch die Kraft dessen, der die Hitze sandte. Da entstand ein Menschengebild, das Ymir genannt ward; aber die Hrimthursen (Frostriesen) nennen ihn \u00d6rgelmir, und von ihm kommt das Geschlecht der Hrimthursen, wie es in der kleinen W\u00f6luspa hei\u00dft:<\/p>\n<p>Von Widolf stammen   die Walen alle,<br \/>\nAlle Zauberer sind   Wilmeidis Erzeugte,<br \/>\nDie Sudk\u00fcnstler stammen   von Swarth\u00f6fdi,<br \/>\nAber von Ymir   alle die Riesen.<br \/>\nund der Riese Wafthrudnir sagt auf die Frage:<\/p>\n<p>Woher \u00d6rgelmir kam   den Kindern der Riesen<br \/>\nZuerst, der allwi\u00dfende Jote?<\/p>\n<p>als<\/p>\n<p>Aus den Eliwagar   fuhren Eitertropfen<br \/>\nUnd wuchsen bis ein Riese ward.<br \/>\nUnsre Geschlechter   kamen alle daher:<br \/>\nDrum sind sie unhold immer.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Wie wurden die Geschlechter von ihm ausgebreitet? oder wie geschahs, da\u00df mehre geschaffen wurden? Oder h\u00e4ltst du ihn f\u00fcr einen Gott, von dem du gesprochen hast? Da antwortete Har: Wir halten ihn mit nichten f\u00fcr einen Gott: er war b\u00f6se wie alle von seinem Geschlecht, die wir Hrimthursen nennen. Es wird erz\u00e4hlt, als er schlief fing er an zu schwitzen: da wuchs ihm unter seinem linken Arm Mann und Weib und sein einer Fu\u00df zeugte einen Sohn mit dem anderen. Und von diesen kommt das Geschlecht der Hrimthursen; den alten Hrimthurs aber nennen wir Ymir.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Wo wohnte Ymir? oder wovon lebte er? Har antwortete: Als das Eis aufthaute und schmolz, entstand die Kuh, die Audhumla hie\u00df, und vier Milchstr\u00f6me rannen aus ihrem Euter; davon ern\u00e4hrte sich Ymir. Da fragte Gangleri: Wovon n\u00e4hrte die Kuh sich? Har antwortete: Sie beleckte die Eisbl\u00f6cke, die salzig waren, und den ersten Tag, da sie die Steine beleckte, kam aus den Steinen am Abend Menschenhaar hervor, den andern Tag eines Mannes Haupt, den dritten Tag war es ein ganzer Mann, der hie\u00df Buri. Er war sch\u00f6n von Angesicht, gro\u00df und stark und gewann einen Sohn, der B\u00f6r hie\u00df. Der verm\u00e4hlte sich mit Bestla, der Tochter des Riesen B\u00f6lthorn; da gewannen sie drei S\u00f6hne: der eine hie\u00df Odhin, der andere Wili, der dritte We. Und das ist mein Glaube, da\u00df dieser Odhin und seine Br\u00fcder Himmel und Erde beherschen.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Wie vertrugen sich diese mit Ymir, und welcher war der st\u00e4rkere? Har antwortete: B\u00f6rs S\u00f6hne t\u00f6dteten den Riesen Ymir, und als er fiel, da lief so viel Blut aus seinen Wunden, da\u00df sie darin das ganze Geschlecht der Hrimthursen ertr\u00e4nkten bis auf Einen, der mit den Seinen davon kam: den nennen die Riesen Bergelmir. Er bestieg mit seinem Weib ein Boot (Wiege) und rettete sich so, und von ihm kommt das (neue) Hrimthursengeschlecht, wie hier gesagt ist:<\/p>\n<p>Im Anfang der Zeiten   vor der Erde Sch\u00f6pfung<br \/>\nWard Bergelmir geboren.<br \/>\nDes gedenk ich zuerst,   da\u00df der altkluge Riese<br \/>\nIm Boot geborgen ward.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Was richteten die S\u00f6hne B\u00f6rs aus, da\u00df du sie f\u00fcr G\u00f6tter h\u00e4ltst? Har antwortete: Davon ist nicht wenig zu sagen. Sie nahmen Ymir und warfen ihn mitten in Ginnungagap und bildeten aus ihm die Welt: aus seinem Blute Meer und Wa\u00dfer; aus seinem Fleische die Erde; aus seinen Knochen die Berge, und die Steine aus seinen Z\u00e4hnen, Kinnbacken und zerbrochenem Gebein. Da sprach Jafnhar: Aus dem Blute, das aus seinen Wunden geflo\u00dfen war, machten sie das Weltmeer, festigten die Erde darin und legten es im Krei\u00df um sie her, also da\u00df es die Meisten unm\u00f6glich d\u00fcnken mag, hin\u00fcber zu kommen. Da sprach Thridi: Sie nahmen auch seinen Hirnsch\u00e4del und bildeten den Himmel daraus, und erhoben ihn \u00fcber die Erde mit vier Ecken oder H\u00f6rnern, und unter jedes Horn setzten sie einen Zwerg; die hei\u00dfen Austri, Westri, Nordri, Sudri. Dann nahmen sie die Feuerfunken, die von Muspelheim ausgeworfen umherflogen, und setzten sie an den Himmel, oben sowohl als unten, um, Himmel und Erde zu erhellen. Sie gaben auch allen Lichtern ihre Stelle, einigen am Himmel, andern lose unter dem Himmel und setzten einem jeden seinen bestimmten Gang fest, wonach Tage und Jahre berechnet werden. So wird in alten Sagen erz\u00e4hlt und so hei\u00dft es in der W\u00f6luspa:<\/p>\n<p>Die Sonne wuste nicht   wo sie Sitz h\u00e4tte,<br \/>\nDer Mond wuste nicht   was er Macht h\u00e4tte,<br \/>\nDie Sterne wusten nicht   wo sie St\u00e4tte h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Da sagte Gangleri: Das sind merkw\u00fcrdige Dinge, die ich da h\u00f6re; ein gro\u00dfes Geb\u00e4ude ist das und sehr k\u00fcnstlich gebildet. Wie war die Erde beschaffen? Har antwortete: Sie ist au\u00dfen krei\u00dfrund und rings umher liegt das tiefe Weltmeer. Und l\u00e4ngs den Seek\u00fcsten jenseits gaben sie den Riesengeschlechtern Wohnpl\u00e4tze, und nach innen rund um die Erde machten sie eine Burg wider die Anf\u00e4lle der Riesen, und zu dieser Burg verwendeten sie die Augenbrauen Ymir des Riesen und nannten die Burg Midgard. Sie nahmen auch sein Gehirn und warfen es in die Luft und machten die Wolken daraus, wie hier gesagt ist:<\/p>\n<p>Aus Ymirs Fleisch   ward die Erde geschaffen,<br \/>\nAus dem Schwei\u00dfe die See,<br \/>\nAus dem Gebein die Berge,   die B\u00e4ume aus dem Haar,<br \/>\nAus der Hirnschale der Himmel.<br \/>\nAus den Augenbrauen   schufen g\u00fctge Asen<br \/>\nMidgard den Menschens\u00f6hnen;<br \/>\nAber aus seinem Hirn   sind alle hartgemuthen<br \/>\nWolken erschaffen worden.<\/p>\n<p>Da sprach Gangleri: Gro\u00dfes d\u00fcnken sie mich vollbracht zu haben, da sie Himmel und Erde geschaffen, die Sonne und das Gestirn geordnet, und Tag und Nacht geschieden hatten; aber woher kamen die Menschen, welche die Erde bewohnen? Har antwortete: Als B\u00f6rs S\u00f6hne am Seestrande gingen, fanden sie zwei B\u00e4ume. Sie nahmen die B\u00e4ume und schufen Menschen daraus. Der Erste gab Geist und Leben, der andere Verstand und Bewegung, der dritte Antlitz, Sprache, Geh\u00f6r und Gesicht. Sie gaben ihnen auch Kleider und Namen: den Mann nannten sie Ask und die Frau Embla, und von ihnen kommt das Menschengeschlecht, welchem Midgard zur Wohnung verliehen ward. Darnach bauten sie sich eine Burg mitten in der Welt und nannten sie Asgard. Da wohnten die G\u00f6tter und ihr Geschlecht und manche Zeitung trug sich da zu, davon erz\u00e4hlt wird auf Erden und in den L\u00fcften. In der Burg ist ein Ort, der Hlidskialf hei\u00dft, und wenn Odhin sich da auf den Hochsitz setzt, so \u00fcbersieht er alle Welten und aller Menschen Thun und wei\u00df alle Dinge, die da geschehen. Seine Hausfrau hei\u00dft Frigg, Fi\u00f6rgwins Tochter, und von ihrem Geschlecht ist der Stamm entsprungen, den wir das Asengeschlecht nennen, welches das alte Asgard bewohnte und die Reiche, die dazu geh\u00f6ren, und das ist das Geschlecht der G\u00f6tter. Und darum mag er Allvater hei\u00dfen, weil er der Vater ist aller G\u00f6tter und Menschen und alles dessen, was er durch seine Kraft hervorgedacht hat. J\u00f6rd war seine Tochter und seine Frau und von ihr gewann er einen erstgebornen Sohn: das ist Asath\u00f4r; ihm folgen Kraft und St\u00e4rke, da\u00df er siegt \u00fcber alles Lebendige.<\/p>\n<p>N\u00f6rwi oder Narfi hie\u00df ein Riese, der in J\u00f6tunheim wohnte; er hatte eine Tochter, die hie\u00df Nacht und war schwarz und dunkel wie ihr Geschlecht. Sie ward einem Manne verm\u00e4hlt, der Naglfari hie\u00df: der beiden Sohn war Audr. Darnach ward sie Einem Namens Onar (Annar) verm\u00e4hlt; beider Tochter hie\u00df J\u00f6rd. Ihr letzter Gemahl war Dellingr, der vom Asengeschlecht war. Ihr Sohn Tag war sch\u00f6n und licht nach seiner v\u00e4terlichen Herkunft. Da nahm Allvater die Nacht und ihren Sohn Tag und gab ihnen zwei Rosse und zwei Wagen und setzte sie an den Himmel, da\u00df sie damit alle zweimal zw\u00f6lf Stunden um die Erde fahren sollten. Die Nacht f\u00e4hrt voran mit dem Rosse, das Hrimfaxi (reifm\u00e4hnig) hei\u00dft, und jeden Morgen bethaut es die Erde mit dem Schaum seines Gebi\u00dfes. Das Ross, womit Tag f\u00e4hrt, hei\u00dft Skinfaxi (lichtm\u00e4hnig) und Luft und Erde erleuchtet seine M\u00e4hne.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Wie leitet er den Lauf der Sonne und des Mondes? Har antwortete: Ein Mann hie\u00df Mundilf\u00f6ri, er hatte zwei Kinder. Sie waren hold und sch\u00f6n: da nannte er den Sohn Mond (Mani) und die Tochter Sonne (S\u00f4l), und verm\u00e4hlte sie einem Manne Glenur genannt. Aber die G\u00f6tter, die ihr Stolz erz\u00fcrnte, nahmen die Geschwister und setzten sie an den Himmel, und hie\u00dfen Sonne die Hengste f\u00fchren, die den Sonnenwagen zogen, welchen die G\u00f6tter, um die Welt zu erleuchten, aus den Feuerfunken geschaffen hatten, die von Muspelheim geflogen kamen. Die Hengste hie\u00dfen Arwakr und Alswider, und unter ihren Bug setzten die G\u00f6tter zwei Blasb\u00e4lge um sie abzuk\u00fchlen, und in einigen Liedern hei\u00dfen sie Eisenk\u00fchle. Mani leitet den Gang des Mondes und herscht \u00fcber Neulicht und Volllicht. Er nahm zwei Kinder von der Erde, Bil und Hiuki genannt, da sie von dem Brunnen Byrgir kamen, und den Eimer auf den Achseln trugen; der hei\u00dft S\u00e4gr und die Eimerstange Simul. Widfinnr hei\u00dft ihr Vater; diese Kinder gehen hinter dem Monde her, wie man noch von der Erde aus sehen kann.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Die Sonne f\u00e4hrt schnell, fast als wenn ihr bange w\u00e4re: sie k\u00f6nnte ihren Gang nicht mehr beschleunigen, wenn sie f\u00fcr ihr Leben f\u00fcrchtete. Da antwortete Har: Das ist nicht zu verwundern, da\u00df sie so schnell f\u00e4hrt, denn ihr Verfolger ist nah, und sie kann sich nicht anders fristen als indem sie ihre Fahrt beschleunigt. Da fragte Gangleri: Wer ist es, der sie so in Angst setzt? Har antwortete: Das sind zwei W\u00f6lfe; der eine, der sie verfolgt, hei\u00dft Sk\u00f6ll: sie f\u00fcrchtet, da\u00df er sie greifen m\u00f6chte; der andere hei\u00dft Hati, Hrodwitnirs Sohn, der l\u00e4uft vor ihr her und will den Mond packen, was auch geschehen wird. Da fragte Gangleri: Von welcher Herkunft sind diese W\u00f6lfe? Har antwortete: Ein Riesenweib wohnt \u00f6stlich von Midgard in dem Walde, der Jarnwidr (Eisenholz) hei\u00dft. In diesem Walde wohnen die Zauberweiber, die man Jarnwidiur nennt. Jenes alte Riesenweib gebiert viele Riesenkinder, alle in Wolfsgestalt und von ihr stammen die W\u00f6lfe. Es wird gesagt, der M\u00e4chtigste dieses Geschlechts werde der werden, welcher Managarm (Mondhund) hei\u00dft. Dieser wird mit dem Fleisch aller Menschen, die da sterben, ges\u00e4ttigt; er verschlingt den Mond und \u00fcberspritzt den Himmel und die Luft mit seinem Blut; davon verfinstert sich der Sonne Schein und die Winde brausen und sausen hin und her. So hei\u00dft es in der W\u00f6luspa:<\/p>\n<p>\u00d6stlich sitzt die Alte   im Eisengeb\u00fcsch<br \/>\nUnd f\u00fcttert dort   Fenrirs Geschlecht.<br \/>\nVon ihnen allen   wird eins das schlimmste:<br \/>\nDes Mondes M\u00f6rder   \u00fcbermenschlicher Gestalt.<\/p>\n<p>Ihn m\u00e4stet das Mark   gef\u00e4llter M\u00e4nner,<br \/>\nDer Seligen Saal   besudelt das Blut.<br \/>\nDer Sonne Schein dunkelt   in kommenden Sommern;<br \/>\nAlle Wetter w\u00fcthen;   wi\u00dft ihr was das bedeutet?<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Wo geht der Weg vom Himmel zur Erde? Har antworte und lachte: Nun hast du unklug gefragt. Hast du nicht geh\u00f6rt, da\u00df die G\u00f6tter eine Br\u00fccke machten vom Himmel zur Erde, die Bifr\u00f6st hei\u00dft? Die wirst du gewiss gesehen haben; aber vielleicht nennst du sie Regenbogen. Sie hat drei Farben und ist sehr stark und mit mehr Kunst und Verstand gemacht als andre Werke. Aber so stark sie auch ist, so wird sie doch zerbrechen, wenn Muspels S\u00f6hne kommen, dar\u00fcber zu reiten; und m\u00fc\u00dfen ihre Pferde dann \u00fcber gro\u00dfe Str\u00f6me schwimmen. Da sprach Gangleri: Nicht d\u00fcnkt es mich, da\u00df die G\u00f6tter die Br\u00fccke so fest gemacht haben, wenn sie zerbrechen mag; sie konnten sie doch so fest machen als sie wollten. Da antwortete Har: Die G\u00f6tter haben keinen Tadel verdient wegen dieses Werkes. Bifr\u00f6st ist eine gute Br\u00fccke; aber kein Ding in der Welt mag bestehen bleiben, wenn Muspels S\u00f6hne geritten kommen.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Was that Allvater als Asgard gebaut war? Har antwortete: Zuv\u00f6rderst setzte er Richter ein, die \u00fcber das Schicksal der Leute entscheiden und die Einrichtungen in der Burg bewahren sollten. Das war an dem Orte, der Idafeld hei\u00dft, mitten in der Burg. Ihr erstes Gesch\u00e4ft war, einen Hof zu bauen, worin ihre St\u00fchle standen, zw\u00f6lfe an der Zahl und \u00fcberdie\u00df ein Hochsitz f\u00fcr Allvater. Es ist das beste und gr\u00f6ste Geb\u00e4ude der Welt, au\u00dfen sowohl als innen von lauterm Gold. Diese St\u00e4tte nennt man Gladsheim. Sie bauten noch einen andern Saal, da war die Wohnung der G\u00f6ttinnen. Die\u00df Haus war auch sehr sch\u00f6n und die Menschen nennen es Wingolf. Darnach legten sie Schmiede\u00f6fen an, und machten sich dazu Hammer, Zange und Ambo\u00df und hernach damit alles andere Werkger\u00e4the. Demn\u00e4chst verarbeiteten sie Erz, Gestein und Holz und eine so gro\u00dfe Menge des Erzes, das Gold genannt wird, da\u00df sie alles Hausger\u00e4the von Gold hatten. Und diese Zeit hei\u00dft das Goldalter: es verschwand aber bei der Ankunft gewisser Frauen, die aus J\u00f6tunheim kamen. Darnach setzten sich die G\u00f6tter auf ihre Hochsitze und hielten Rath und Gericht, und gedachten wie die Zwerge belebt w\u00fcrden im Staub und in der Erde gleich Maden im Fleisch. Die Zwerge waren zuerst erschaffen worden und hatten Leben erhalten in Ymirs Fleisch und waren da Maden. Aber nun nach dem Ausspruch der G\u00f6tter erhielten sie Menschenwitz und Menschengestalt und wohnten in der Erde und im Gestein. Modsognir hie\u00df einer dieser Zwerge und ein anderer Durin, wie es in der W\u00f6luspa hei\u00dft:<\/p>\n<p>Da gingen die Berather   zu den Richterst\u00fchlen,<br \/>\nHochheilge G\u00f6tter   hielten Rath,<br \/>\nWer schaffen sollte   der Zwerge Geschlecht<br \/>\nAus des Meerriesen Blut   und blauen Gliedern.<\/p>\n<p>Da ward Modsognir   der m\u00e4chtigste<br \/>\nDieser Zwerge,   und Durin nach ihm.<br \/>\nManche noch machten sie   menschengleich<br \/>\nDer Zwerge von Erde   wie Durin angab.<\/p>\n<p>Und dieses, hei\u00dft es, sind die Namen dieser Zwerge:<\/p>\n<p>Nyi und Nidi,   Nordri und Sudri,<br \/>\nAustri und Westri,   Althiof, Dwalin,<br \/>\nNar und Nain,   Nipingr, Dain,<br \/>\nBiw\u00f6r, Baw\u00f6r,   B\u00f6mb\u00f6r, Nori,<br \/>\nOri, Onar,   Oin, Modwitnir,<br \/>\nWigr und Gandalfr,   Windalfr, Thorin,<br \/>\nFili, Kili,   Fundin, Wali,<br \/>\nThror, Throin,   Theckr, Litr, Witr,<br \/>\nNyr, Nyradr,   Reckr, Radswidr.<\/p>\n<p>Und diese sind auch Zwerge und wohnen im Gestein wie jene in der Erde:<\/p>\n<p>Draupnir, Dolgthwari,   H\u00f6r, Hugstari,<br \/>\nHlediofr, Gloin,   Dori, Ori,<br \/>\nDufr, Andwari,   Hepti, Fili,<br \/>\nHar, Siar.<\/p>\n<p>Aber folgende kamen von Swarins H\u00fcgel gen \u00d6rwang auf J\u00f6ruwall, und von ihnen stammt Lofars Geschlecht. Die\u00df sind ihre Namen:<\/p>\n<p>Skirfir, Wirfir,   Skafidr, Ai,<br \/>\nAlfr, Ingi,   Eikinskialdi,<br \/>\nFalr, Frosti,   Fidr, Ginnar.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Wo ist der G\u00f6tter vornehmster und heiligster Aufenthalt? Har antwortete: Das ist bei der Esche Yggdrasils: da sollen die G\u00f6tter t\u00e4glich Gericht halten. Da fragte Gangleri: Was ist von diesem Ort zu berichten? Da antwortete Jafnhar: Diese Esche ist der gr\u00f6ste und beste von allen B\u00e4umen: seine Zweige breiten sich \u00fcber die ganze Welt und reichen hinauf \u00fcber den Himmel. Drei Wurzeln halten den Baum aufrecht, die sich weit ausdehnen: die eine zu den Asen, die andere zu den Hrimthursen, wo vormals Ginnungagap war; die dritte steht \u00fcber Niflheim, und unter dieser Wurzel ist Hwergelmir und Nidh\u00f6ggr nagt von unten auf an ihr. Bei der andern Wurzel hingegen, welche sich zu den Hrimthursen erstreckt, ist Mimirs Brunnen, worin Weisheit und Verstand verborgen sind. Der Eigner des Brunnens hei\u00dft Mimir, und ist voller Weisheit, weil er t\u00e4glich von dem Brunnen aus dem Giallarhorn trinkt. Einst kam Allvater dahin und verlangte einen Trunk aus dem Brunnen, erhielt ihn aber nicht eher bis er sein Auge zum Pfand setzte. So hei\u00dft es in der W\u00f6luspa:<\/p>\n<p>Alles wei\u00df ich, Odhin,   wo dein Auge blieb:<br \/>\nIn der vielbekannten   Quelle Mimirs.<br \/>\nMeth trinkt Mimir   jeden Morgen<br \/>\nAus Walvaters Pfand:   wi\u00dft ihr was das bedeutet?<\/p>\n<p>Unter der dritten Wurzel der Esche, die zum Himmel geht, ist ein Brunnen, der sehr heilig ist, Urds Brunnen genannt: da haben die G\u00f6tter ihre Gerichtsst\u00e4tte; jeden Tag reiten die Asen dahin \u00fcber Bifr\u00f6st, welche auch Asenbr\u00fccke hei\u00dft. Die Pferde der Asen haben diese Namen. Sleipnir, das beste, hat Odhin: es hat acht F\u00fc\u00dfe; das andre ist Gladr; das dritte Gyllir, das vierte Gler, das f\u00fcnfte Skeidbrimir, das sechste Silfrintopp, das siebente Sinir, das achte Gils, das neunte Falhofhir, das zehnte Gulltopp, das eilfte Lettfeti. Baldurs Pferd ward mit ihm verbrannt. Th\u00f4r geht zu Fu\u00df zum Gericht und watet \u00fcber folgende Fl\u00fc\u00dfe:<\/p>\n<p>K\u00f6rmt und \u00d6rmt   und beide Kerl\u00f6g<br \/>\nWatet Th\u00f4r t\u00e4glich,<br \/>\nWenn er hinf\u00e4hrt   Gericht zu halten<br \/>\nBei der Esche Yggdrasils.<br \/>\nDenn die Asenbr\u00fccke   st\u00fcnd all in Lohe,<br \/>\nHeilige Fluten flammten.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Brennt denn Feuer auf Bifr\u00f6st? Har antwortete: Das Rothe, das du im Regenbogen siehst, ist brennendes Feuer. Die Hrimthursen und Bergriesen w\u00fcrden den Himmel ersteigen, wenn ein Jeder \u00fcber Bifr\u00f6st gehen k\u00f6nnte, der da wollte. Viel sch\u00f6ne Pl\u00e4tze giebt es im Himmel, die alle unter dem Schutz der G\u00f6tter stehen. So steht ein sch\u00f6nes Geb\u00e4ude unter der Esche bei dem Brunnen: aus dem kommen die drei M\u00e4dchen, die Urd, Skuld und Werdandi hei\u00dfen. Diese M\u00e4dchen, welche aller Menschen Lebenszeit bestimmen, nennen wir Nornen. Es giebt noch andere Nornen, n\u00e4mlich solche, die sich bei jedes Kindes Geburt einfinden, ihm seine Lebensdauer anzusagen. Einige sind von G\u00f6ttergeschlecht, andere von Alfengeschlecht, noch andere vom Geschlecht der Zwerge, wie hier gesagt wird:<\/p>\n<p>Gar verschiednen Geschlechts   scheinen mir die Nornen,<br \/>\nUnd nicht Eines Ursprungs.<br \/>\nEinige sind Asen,   andere Alfen,<br \/>\nDie dritten T\u00f6chter Dwalins.<\/p>\n<p>Da sprach Gangleri: Wenn die Nornen \u00fcber das Geschick der Menschen walten, so theilen sie ihnen schrecklich ungleich aus. Die Einen leben in Macht und \u00dcberflu\u00df, die Andern haben wenig Gl\u00fcck noch Ruhm; die Einen leben lange, die Andern kurze Zeit. Har antwortete: Die guten Nornen und die von guter Herkunft sind, schaffen Gl\u00fcck, und gerathen einige Menschen in Ungl\u00fcck, so sind die b\u00f6sen Nornen Schuld.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Was ist weiter Merkw\u00fcrdiges von der Esche zu sagen? Har antwortete: Gar viel ist davon zu sagen. Ein Adler sitzt in den Zweigen der Esche, der viel Dinge wei\u00df, und zwischen seinen Augen sitzt ein Habicht, Wedrf\u00f6lnir genannt. Ein Eichh\u00f6rnchen, das Ratat\u00f6skr hei\u00dft, springt auf und nieder an der Esche und tr\u00e4gt Zankworte hin und her zwischen dem Adler und Nidh\u00f6ggr. Und vier Hirsche laufen umher an den Zweigen der Esche, und bei\u00dfen die Knospen ab. Sie hei\u00dfen: Dain, Dwalin, Dunneir, Durathror. Und so viel Schlangen sind in Hwergelmir bei Nidh\u00f6ggr, da\u00df es keine Zunge z\u00e4hlen mag. So hei\u00dft es hier:<\/p>\n<p>Die Esche Yggdrasils   duldet Unbill<br \/>\nMehr als Menschen wi\u00dfen:<br \/>\nDer Hirsch weidet oben,   hohl wird die Seite,<br \/>\nUnten nagt Nidh\u00f6ggr.<\/p>\n<p>Ferner hei\u00dft es:<br \/>\nMehr W\u00fcrme liegen   unter der Esche Wurzel<br \/>\nAls ein unkluger Affe meint:<br \/>\nGoin und Moin,   Grafwitnirs S\u00f6hne,<br \/>\nGrabakr und Grafw\u00f6lludr;<br \/>\nOfnir und Swafnir   sollen ewig<br \/>\nVon der Wurzel Zweigen zehren.<\/p>\n<p>Auch wird erz\u00e4hlt, da\u00df die Nornen, welche an Urds Brunnen wohnen, t\u00e4glich Wa\u00dfer aus dem Brunnen nehmen und es zugleich mit dem D\u00fcnger, der um den Brunnen liegt, auf die Esche sprengen, damit ihre Zweige nicht dorren oder faulen. Die\u00df Wa\u00dfer ist so heilig, da\u00df Alles was in den Brunnen kommt, so wei\u00df wird wie die Haut, die inwendig in der Eierschale liegt. So hei\u00dft es:<\/p>\n<p>Bego\u00dfen wird die Esche,   die Yggdrasils hei\u00dft,<br \/>\nDer geweihte Baum,   mit wei\u00dfem Nebel.<br \/>\nDavon kommt der Thau,   der in die Th\u00e4ler f\u00e4llt.<br \/>\nImmergr\u00fcn steht er   \u00fcber Urds Brunnen.<\/p>\n<p>Den Thau, der von ihr auf die Erde f\u00e4llt, nennt man Honigthau: davon ern\u00e4hren sich die Bienen. Auch n\u00e4hren sich zwei V\u00f6gel in Urds Brunnen, die hei\u00dfen Schw\u00e4ne und von ihnen kommt das Vogelgeschlecht dieses Namens.<\/p>\n<p>Da sprach Gangleri: Gro\u00dfe Dinge weist du vom Himmel zu berichten; aber was f\u00fcr andere Hauptgeb\u00e4ude giebt es noch au\u00dferdem an Urds Brunnen? Har antwortete: Da sind noch manche merkw\u00fcrdige St\u00e4tten. So ist eine Wohnung, die Alfheim hei\u00dft. Da haust das Volk, das man Lichtalfen nennt: aber die Schwarzalfen (D\u00f6ckalfar) wohnen unten in der Erde, und sind jenen ungleich von Angesicht, und noch viel ungleicher in ihren Verrichtungen. Die Lichtalfen sind sch\u00f6ner als die Sonne von Angesicht; aber die Schwarzalfen schw\u00e4rzer als Pech. Da ist auch eine Wohnung, die Breidablick hei\u00dft, und das ist die sch\u00f6nste von allen. Ein anderes Geb\u00e4ude hei\u00dft Glitnir: dessen W\u00e4nde, S\u00e4ulen und Balken sind von rothem Golde und das Dach von Silber. Da ist auch ein Bau, der Himinbi\u00f6rg (Himmelsburg) hei\u00dft, der steht an des Himmels Ende, da wo die Br\u00fccke Bifr\u00f6st an den Himmel reicht; da ist ferner ein gro\u00dfer Saal, der Walaskialf hei\u00dft: das ist Odhins Saal. Ihn schufen die G\u00f6tter und deckten ihn mit schierem Silber. In diesem Saal ist der Hochsitz, der Hlidskialf hei\u00dft, und wenn Allvater auf diesem Hochsitz sitzt, so \u00fcbersieht er die ganze Welt. Am s\u00fcdlichen Ende des Himmels ist der Pallast, der Gimil hei\u00dft und der sch\u00f6nste von allen ist und gl\u00e4nzender als die Sonne. Er wird stehen bleiben, wenn sowohl Himmel als Erde vergehen, und alle guten und rechtschaffenen Menschen aller Zeitalter werden ihn bewohnen. So hei\u00dft es in der W\u00f6luspa:<\/p>\n<p>Einen Saal sah ich   lichter als die Sonne,<br \/>\nMit Gold gedeckt,   auf Gimils H\u00f6hn.<br \/>\nDa werden bew\u00e4hrte   Leute wohnen,<br \/>\nUnd ohne Ende   der Ehren genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Wer bewahrt diesen Pallast, wenn Surturs Lohe Himmel und Erde verbrennt? Har antwortete: Es wird gesagt, da\u00df es einen Himmel s\u00fcdlich und oberhalb von diesem gebe, welcher Andlang hei\u00dfe. Und noch ein dritter Himmel sei \u00fcber ihnen, welcher Widblain hei\u00dfe, und in diesen Himmeln glauben wir sei der Pallast belegen und nur von den Lichtalfen glauben wir diesen Pallast jetzt bewohnt.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Woher kommt der Wind, der so stark ist, da\u00df er das Weltmeer aufr\u00fchrt und Feuer anfacht? Aber so stark er ist, kann ihn doch Niemand sehen: wie ist das wunderlich beschaffen! Da antwortete Har: Das kann ich dir wohl sagen. Am n\u00f6rdlichen Ende des Himmels sitzt ein Riese, der Hr\u00e4swelgr (Leichenschwelger) hei\u00dft. Er hat Adlersgestalt und wenn er zu fliegen versucht, so entsteht der Wind unter seinen Fittichen. Davon hei\u00dft es so:<\/p>\n<p>Hr\u00e4swelg hei\u00dft,   der an Himmels Ende sitzt,<br \/>\nIn Adlerskleid ein Jote.<br \/>\nMit seinen Fittichen   facht er den Wind<br \/>\n\u00dcber alle V\u00f6lker.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Wie kommt es, da\u00df der Sommer hei\u00df ist und der Winter kalt? Har antwortete: Nicht soll ein kluger Mann also fragen, denn hievon wei\u00df ein Jeder Kunde zu geben. Wenn du aber allein so unwi\u00dfend bist, da\u00df du die\u00df nie geh\u00f6rt hast, so will ich dir lieber zula\u00dfen, da\u00df du einmal unweise fragst als da\u00df du l\u00e4nger dessen unkundig bleibst was ein Jeder wi\u00dfen sollte. Swasudr hei\u00dft der Vater des Sommers; der ist so wonnig, da\u00df nach seinem Namen alles s\u00fc\u00df (svasligt) hei\u00dft was milde ist. Aber der Vater des Winters hei\u00dft bald Windloni (Windbringer), bald Windswalr (Windk\u00fchl), und die\u00df Geschlecht ist grimmig und kaltherzig und der Winter artet ihm nach.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Welches sind die Asen, an welche die Menschen glauben sollen? Har antwortete: Es giebt zw\u00f6lf g\u00f6ttliche Asen. Da sprach Jafnhar: Die Asinnen sind nicht minder heilig und ihre Macht nicht geringer. Da sprach Thridi: Odhin ist der vornehmste und \u00e4lteste der Asen. Er waltet aller Dinge, und obwohl auch andere G\u00f6tter Macht haben, so dienen ihm doch alle wie Kinder ihrem Vater. Seine Frau ist Frigg; sie wei\u00df aller Menschen Geschick, obgleich sie es Keinem vorhersagt. So wird berichtet, da\u00df Odhin selbst zu dem Asen sagte, der Loki hei\u00dft:<\/p>\n<p>Irr bist du, Loki,   da\u00df du selber anf\u00fchrst<br \/>\nDie schn\u00f6den Schandthaten.<br \/>\nWohl wei\u00df Frigg   Alles was sich begiebt<br \/>\nOb sie schon es nicht sagt.<\/p>\n<p>Odhin hei\u00dft Allvater, weil er aller G\u00f6tter Vater ist, und Walvater, weil alle seine Wunschs\u00f6hne sind, die auf dem Walplatz fallen. Sie werden in Walhall und Wingolf aufgenommen und hei\u00dfen da Einherier. Er hei\u00dft auch Hangagott oder Haptagott, Farmagott und nannte sich noch mit vielen Namen als er zu K\u00f6nig Geirr\u00f6d kam:<\/p>\n<p>Ich hei\u00dfe Grimur   und Gangleri,<br \/>\nHerian, Hialmberi,<br \/>\nTheckr, Thridi,   Thudr, Udr,<br \/>\nHelblindi und Har.<\/p>\n<p>Sadr, Swipal   und Sanngetal,<br \/>\nHerteitr und Hnikar,<br \/>\nBileigr und Baleigr,   B\u00f6lwerkr, Fi\u00f6lnir,<br \/>\nGrimnir, Glapswidr, Fi\u00f6lswidr.<\/p>\n<p>Sidh\u00f6ttr, Sidskeggr,   Siegvater, Hnikudr,<br \/>\nAllvater, Atridr, Farmatyr,<br \/>\nOski, Omi,   Jafnhar, Biflindi,<br \/>\nG\u00f6ndlir, Harbardr.<\/p>\n<p>Swidur, Swidrir,   Jalkr, Kialar, Widur,<br \/>\nThror, Yggr, Thundr,   Wakr, Skilfingr,<br \/>\nWafudr, Hroptatyr,   Gautr, Weratyr.<\/p>\n<p>Da sprach Gangleri: Erschrecklich viel Namen habt ihr ihm gegeben, und wohl glaube ich, da\u00df der sehr klug sein m\u00fc\u00dfe, der wei\u00df und angeben kann, welche Begebenheiten einen jeden dieser Namen veranla\u00dft haben. Da antwortete Har: Wohl geh\u00f6rt Klugheit dazu, das genau zu er\u00f6rtern; aber doch ist davon in der K\u00fcrze zu sagen, da\u00df die\u00df zu den meisten dieser Benennungen Veranla\u00dfung gab, da\u00df so vielerlei Sprachen in der Welt sind, denn alle V\u00f6lker glaubten, seinen Namen nach ihrer Zunge einrichten zu m\u00fc\u00dfen um ihn damit anzurufen und anzubeten. Andere Veranla\u00dfungen zu diesem Namen m\u00fc\u00dfen in seinen Fahrten gesucht werden, die in alten Sagen berichtet werden, und du magst mit Nichten ein kluger Mann hei\u00dfen, wenn du nicht von diesen merkw\u00fcrdigen Begebenheiten zu erz\u00e4hlen weist.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Wie hei\u00dfen die Namen der andern Asen? Und was haben sie Gro\u00dfes angerichtet? Har antwortete: Th\u00f4r ist der vornehmste von ihnen. Er hei\u00dft Asathor oder \u00d6kuthor, und ist der st\u00e4rkste aller G\u00f6tter und Menschen. Ihm geh\u00f6rt das Reich, das Thrudwangr genannt wird, aber sein Pallast hei\u00dft Bilskirnir. Dieser Pallast hat f\u00fcnfhundert und vierzig Gem\u00e4cher und ist das gr\u00f6ste Geb\u00e4ude, das je gemacht worden ist. So hei\u00dft es in Grimnismal:<\/p>\n<p>F\u00fcnfhundert Gem\u00e4cher   und viermal zehn<br \/>\nWei\u00df ich in Bilskirnirs Bau.<br \/>\nVon allen H\u00e4usern,   die D\u00e4cher haben,<br \/>\nGlaub ich meines Sohns das gr\u00f6ste.<\/p>\n<p>Th\u00f4r hat zwei B\u00f6cke, sie hei\u00dfen Tanngniostr und Tanngrisnir (Zahnknistrer und Zahnknirscher) und einen Wagen, worin er f\u00e4hrt. Die B\u00f6cke ziehen den Wagen: darum hei\u00dft er \u00d6kuthor. Er hat auch drei Kleinode: den Hammer Mj\u00f6lnir, den Hrimthursen und Bergriesen kennen, wenn er geschwungen wird; was nicht zu verwundern ist, denn er hat ihren V\u00e4tern und Freunden manchen Kopf damit zerschlagen. Sein anderes Kleinod ist der Kraftg\u00fcrtel, Megingiardr genannt: wenn er den um sich spannt, so w\u00e4chst ihm die Asenkraft um die H\u00e4lfte. Noch ein drittes Ding hat er, in dem gro\u00dfer Werth liegt, das sind seine Eisenhandschuhe: die kann er nicht missen um den Schaft des Hammers zu fa\u00dfen. Und Niemand ist so klug, da\u00df er alle seine Gro\u00dfthaten zu erz\u00e4hlen w\u00fcste. Ich k\u00f6nnte so manche Zeitung von ihm berichten, da\u00df der Tag vergehen w\u00fcrde ehe Alles gesagt w\u00e4re was ich wei\u00df.<\/p>\n<p>Da sprach Gangleri: Ich m\u00f6chte auch von den andern Asen Kunde h\u00f6ren. Har sprach: Odhins anderer Sohn ist Baldur. Von ihm ist nur Gutes zu sagen: es ist der beste und wird von allen gelobt. Er ist so sch\u00f6n von Antlitz und so gl\u00e4nzend, da\u00df ein Schein von ihm ausgeht. Ein Kraut ist so licht, da\u00df es mit Baldurs Augenbrauen verglichen wird, es ist das lichteste aller Kr\u00e4uter: davon magst du auf die Sch\u00f6nheit seines Haars sowohl als seines Leibes schlie\u00dfen. Er ist der weiseste, beredteste und mildeste von allen Asen. Er hat die Eigenschaft, da\u00df Niemand seine Urtheile schelten kann. Er bewohnt im Himmel die St\u00e4tte, welche Breidablick hei\u00dft. Da wird nichts unreines geduldet, wie hier gesagt wird:<\/p>\n<p>Die siebente ist Breidablick,   da hat Baldur sich<br \/>\nDie Halle erh\u00f6ht<br \/>\nIn jener Gegend,   wo ich der Greuel<br \/>\nDie wenigsten lauschen wei\u00df.<\/p>\n<p>Der dritte Ase ist Ni\u00f6rdr genannt, er bewohnt im Himmel die St\u00e4tte, welche Noatun hei\u00dft. Er beherscht den Gang des Windes und stillt Meer und Feuer; ihn ruft man zur See und bei der Fischerei an. Er ist so reich und verm\u00f6gend, da\u00df er allen, welche ihn darum anrufen, Gut, liegendes sowohl als fahrendes, gew\u00e4hren mag. Er ward in Wanaheim erzogen, und die Wanen gaben ihn den G\u00f6ttern zum Geisel und nahmen daf\u00fcr von den Asen zum Geisel den H\u00f6nir: so verglichen sich durch ihn die G\u00f6tter mit den Wanen. Ni\u00f6rds Frau hei\u00dft Skadhi und ist die Tochter des Riesen Thiassi. Skadi wollte wohnen, wo ihr Vater gewohnt hatte, n\u00e4mlich auf den Felsen in Thrymheim; aber Ni\u00f6rdr wollte sich bei der See aufhalten. Da verglichen sie sich dahin, da\u00df sie neun N\u00e4chte in Thrymheim und dann andere neun (drei) in Noatun sein wollten. Aber da Ni\u00f6rdr von den Bergen nach Noatun zur\u00fcck kam, sang er:<\/p>\n<p>Leid sind mir die Berge;   nicht lange war ich dort,<br \/>\nNur neun N\u00e4chte.<br \/>\nDer W\u00f6lfe Heulen   dauchte mich widrig<br \/>\nGegen der Schw\u00e4ne Singen.<\/p>\n<p>Aber Skadi sang:<\/p>\n<p>Nicht schlafen konnt ich   am Ufer der See<br \/>\nVor der V\u00f6gel L\u00e4rm;<br \/>\nDa weckte mich   vom Wa\u00dfer kommend<br \/>\nJeden Morgen die M\u00f6ve.<\/p>\n<p>Da zog Skadi nach den Bergen und wohnte in Thrymheim. Da jagt sie oft auf Schrittschuhen mit ihrem Bogen nach Thieren. Sie hei\u00dft (nach den Schrittschuhen) \u00d6ndurdis. Von ihr hei\u00dft es:<\/p>\n<p>Thrymheim hei\u00dft die sechste,   wo Thiassi hauste,<br \/>\nJener m\u00e4chtige Jote;<br \/>\nNun bewohnt Skadi,   die scheue G\u00f6tterbraut,<br \/>\nDes Vaters alte Veste.<\/p>\n<p>Ni\u00f6rd in Noatun zeugte seitdem zwei Kinder. Der Sohn hie\u00df Freyr und die Tochter Freyja. Sie waren sch\u00f6n von Antlitz und m\u00e4chtig. Freyr ist der trefflichste unter den Asen. Er herscht \u00fcber Regen und Sonnenschein und das Wachstum der Erde und ihn soll man anrufen um Fruchtbarkeit und Frieden. Freyja ist die herlichste der Asinnen. Sie hat die Wohnung im Himmel, die Folkwang hei\u00dft und wenn sie zum Kampfe zieht, geh\u00f6rt die H\u00e4lfte der Gefallenen ihr und die H\u00e4lfte Odhin, wie hier gesagt ist:<\/p>\n<p>Folkwang ist die neunte:   da hat Freyja Gewalt<br \/>\nDie Sitze zu ordnen im Saal.<br \/>\nDer Walstatt H\u00e4lfte   hat sie t\u00e4glich zu w\u00e4hlen;<br \/>\nOdhin hat die andre H\u00e4lfte.<\/p>\n<p>Ihr Saal Sessrumnir ist gro\u00df und sch\u00f6n. Wenn sie ausf\u00e4hrt, sind zwei Katzen vor ihren Wagen gespannt. Sie ist denen gewogen, welche sie anrufen und von ihr hat der Ehrenname den Ursprung, da\u00df man vornehme Weiber Frauen nennt. Sie liebt den Minnesang und es ist gut, sie in Liebessachen anzurufen.<\/p>\n<p>Da sprach Gangleri: Gro\u00df scheint mir die Macht dieser Asen und nicht zu verwundern ist es, da\u00df so viel Gewalt euch beiwohnt, da ihr so gute Kunde habt von den G\u00f6ttern und wi\u00dft, wen von ihnen man in jedem Falle anzurufen hat. Sind aber nicht noch mehr G\u00f6tter? Har versetzte: Da ist noch ein Ase, der Tyr hei\u00dft. Er ist sehr k\u00fchn und muthig und herscht \u00fcber den Sieg im Kriege: darum ist es gut, da\u00df Kriegsm\u00e4nner ihn anrufen. Wer k\u00fchner ist als Andere und vor nichts sich scheut, von dem sagt man sprichw\u00f6rtlich, er sei tapfer wie Tyr. Er ist auch so weise, da\u00df man von Klugen sagt, sie seien weise wie Tyr. Ein Beweis seiner K\u00fchnheit ist die\u00df: Als die Asen den Fenriswolf \u00fcberredeten, sich mit dem Bande Gleipnir binden zu la\u00dfen, traute er ihnen nicht, da\u00df sie ihn wieder l\u00f6sen w\u00fcrden, bis sie zum Unterpfande Tyrs Hand in seinen Mund legten. Und als die Asen ihn nicht wieder l\u00f6sen wollten, bi\u00df er ihm die Hand an der Stelle ab, die nun Wolfsglied hei\u00dft. Seitdem ist Tyr einh\u00e4ndig, gilt aber den Menschen nicht f\u00fcr einen Friedensstifter.<\/p>\n<p>Ein anderer Ase hei\u00dft Bragi. Er ist ber\u00fchmt durch Beredsamkeit und Wortfertigkeit und sehr geschickt in der Skaldenkunst, die nach ihm Bragur genannt wird, sowie auch diejenigen nach seinem Namen Bragurleute hei\u00dfen, die redefertiger sind als andere M\u00e4nner und Frauen. Seine Frau hei\u00dft Idun: sie verwahrt in einem Gef\u00e4\u00dfe die \u00c4pfel, welche die G\u00f6tter genie\u00dfen sollen wenn sie altern, denn sie werden alle jung davon, und das mag w\u00e4hren bis zur G\u00f6tterd\u00e4mmerung. Da sprach Gangleri: Mich d\u00fcnkt die G\u00f6tter haben der Treue und Sorgsamkeit Iduns gro\u00dfe Dinge anvertraut. Da sprach Har und l\u00e4chelte: Beinahe w\u00e4re es einsmals schlimm damit ergangen: ich k\u00f6nnte dir davon wohl erz\u00e4hlen; aber du sollst erst die Namen der andern Asen h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Heimdall hei\u00dft einer, der auch der wei\u00dfe As genannt wird. Er ist gro\u00df und hehr und von neun M\u00e4dchen, die Schwestern waren, geboren. Er hei\u00dft auch Hallinskidi und Gullintanni, weil seine Z\u00e4hne von Gold sind. Sein Pferd hei\u00dft Gulltopp. Er wohnt auf Himinbi\u00f6rg bei Bifr\u00f6st. Er ist der W\u00e4chter der G\u00f6tter und wohnt dort an des Himmels Ende, um die Br\u00fccke vor den Bergriesen zu bewahren. Er bedarf weniger Schlaf als ein Vogel und sieht sowohl bei Nacht als bei Tag hundert Rasten weit; er h\u00f6rt auch das Gras in der Erde und die Wolle auf den Schafen wachsen, mithin auch Alles was einen st\u00e4rkern Laut giebt. Er hat eine Trompete, die Giallarhorn hei\u00dft und bl\u00e4st er hinein, so wird es in allen Welten geh\u00f6rt. Heimdalls Schwert hei\u00dft Haupt. Von ihm hei\u00dft es:<\/p>\n<p>Himinbi\u00f6rg ist die achte,   wo Heimdall soll<br \/>\nDer Weihestatt walten.<br \/>\nDer G\u00f6tterw\u00e4chter schl\u00fcrft   in sch\u00f6ner Wohnung<br \/>\nSelig den s\u00fc\u00dfen Meth.<\/p>\n<p>Auch sagt er selbst in Heimdalls Gesang:<\/p>\n<p>Ich bin neun M\u00fctter Sohn   und von neun Schwestern geboren.<\/p>\n<p>H\u00f6dur hei\u00dft Einer der Asen. Er ist blind, aber sehr stark, und m\u00f6chten die G\u00f6tter wohl w\u00fcnschen, da\u00df sie seinen Namen nicht nennen d\u00fcrften, denn nur allzulange wird seiner H\u00e4nde Werk G\u00f6ttern und Menschen im Ged\u00e4chtniss bleiben.<\/p>\n<p>Widar hei\u00dft einer, der auch der schweigende Ase genannt wird. Er hat einen dicken Schuh, und ist der st\u00e4rkste nach Thor. Auf ihn vertrauen die G\u00f6tter in allen Gefahren.<\/p>\n<p>Ali oder Wali hei\u00dft Einer der Asen, Odhins Sohn und der Rinda. Er ist k\u00fchn in der Schlacht und ein guter Sch\u00fctze.<\/p>\n<p>Uller hei\u00dft ein Ase, Sohn der Sif und Thors Stiefsohn. Er ist ein so guter Bogensch\u00fctze und Schrittschuhl\u00e4ufer, da\u00df Niemand sich mit ihm me\u00dfen kann. Er ist sch\u00f6n von Angesicht und kriegerisch von Gestalt. Bei Zweik\u00e4mpfen soll man ihn anrufen.<\/p>\n<p>Forseti hei\u00dft der Sohn Baldurs und der Nanna, der Tochter Neps. Er hat im Himmel den Saal, der Glitnir hei\u00dft, und alle, die sich in Rechtsstreitigkeiten an ihn wenden, gehen verglichen nach Hause. Das ist der beste Richterstuhl f\u00fcr G\u00f6tter und Menschen. Es hei\u00dft von ihm:<\/p>\n<p>Glitnir ist die zehnte:   auf goldnen S\u00e4ulen ruht<br \/>\nDes Saales Silberdach.<br \/>\nDa thront Forseti   den langen Tag<br \/>\nUnd schlichtet allen Streit.<\/p>\n<p>Noch z\u00e4hlt man Einen zu den Asen, den Einige den Verl\u00e4sterer der G\u00f6tter, den Anstifter alles Betrugs, und die Schande der G\u00f6tter und Menschen nennen. Sein Name ist Loki oder Loptr, und sein Vater der Riese Farbauti; seine Mutter hei\u00dft Laufey oder Nal; seine Br\u00fcder sind Bileistr und Helblindi. Loki ist schmuck und sch\u00f6n von Gestalt, aber b\u00f6s von Gem\u00fcth und sehr unbest\u00e4ndig. Er \u00fcbertrifft alle andern in Schlauheit und jeder Art von Betrug. Er brachte die Asen in manche Verlegenheit; doch half er ihnen oft auch durch seine Klugheit wieder heraus. Seine Frau hei\u00dft Sigyn, und deren Sohn Nari oder Narwi.<\/p>\n<p>Loki hatte noch andere Kinder. Angurboda hie\u00df ein Riesenweib in J\u00f6tunheim: mit der zeugte Loki drei Kinder: das erste war der Fenriswolf, das andere J\u00f6rmungandr, d. i. die Midgardschlange, das dritte war Hel. Als aber die G\u00f6tter erfuhren, da\u00df diese drei Geschwister in J\u00f6tunheim erzogen w\u00fcrden, und durch Wei\u00dfagung erkannten, da\u00df ihnen von diesen Geschwistern Verrath und gro\u00dfes Unheil bevorstehe, indem sie B\u00f6ses von Mutter-, aber noch Schlimmeres von Vaterswegen von ihnen erwarten zu m\u00fc\u00dfen glaubten, schickte Allvater die G\u00f6tter, da\u00df sie diese Kinder n\u00e4hmen und zu ihm br\u00e4chten. Als sie aber zu ihm kamen, warf er die Schlange in die tiefe See, welche alle L\u00e4nder umgiebt, wo die Schlange zu solcher Gr\u00f6\u00dfe erwuchs, da\u00df sie mitten im Meer um alle L\u00e4nder liegt und sich in den Schwanz bei\u00dft. Die Hel aber warf er hinab nach Niflheim und gab ihr Gewalt \u00fcber neun Welten, da\u00df sie denen Wohnungen anwiese, die zu ihr gesendet w\u00fcrden: solchen n\u00e4mlich, die vor Alter oder an Krankheiten starben. Sie hat da eine gro\u00dfe Wohnst\u00e4tte; das Gehege umher ist au\u00dferordentlich hoch und mit m\u00e4chtigen Gittern verwahrt. Ihr Saal hei\u00dft Elend, Hunger ihre Sch\u00fc\u00dfel, Gier ihr Me\u00dfer, Tr\u00e4g (Ganglat) ihr Knecht, Langsam (Gangl\u00f6t) ihre Magd, Einsturz ihre Schwelle, ihr Bette K\u00fcmmerniss und ihr Vorhang dr\u00e4uendes Unheil. Sie ist halb schwarz, halb menschenfarbig, also kenntlich genug durch grimmiges, furchtbares Aussehen.<\/p>\n<p>Den Wolf erzogen die G\u00f6tter bei sich und Tyr allein hatte den Muth zu ihm zu gehen und ihm zu E\u00dfen zu geben. Und als die G\u00f6tter sahen, wie sehr er jeden Tag wuchs, und alle Vorhersagungen meldeten, da\u00df er zu ihrem Verderben bestimmt sei, da fa\u00dften die Asen den Beschlu\u00df, eine sehr starke Fe\u00dfel zu machen, welche sie L\u00e4ding (Leuthing) hie\u00dfen. Die brachten sie dem Wolf und baten ihn, seine Kraft an der Kette zu versuchen. Der Wolf hielt das Band nicht f\u00fcr \u00fcberstark und lie\u00df sie damit machen was sie wollten. Aber das erstemal, da\u00df der Wolf sich streckte, brach das Band und er war frei von L\u00e4ding. Darauf machten die Asen eine andere noch halbmal st\u00e4rkere Fe\u00dfel, die sie Droma nannten. Sie baten den Wolf, auch diese Kette zu versuchen, und sagten, er w\u00fcrde seiner Kraft wegen sehr ber\u00fchmt werden, wenn ein so starkes Geschmeide ihn nicht halten k\u00f6nnte. Der Wolf bedachte, da\u00df dieses Band viel st\u00e4rker sei, da\u00df aber auch seine Kraft gewachsen seit er das Band L\u00e4ding gebrochen hatte; zugleich erwog er, da\u00df er sich entschlie\u00dfen m\u00fc\u00dfe einige Gefahr zu bestehen, wenn er ber\u00fchmt werden wolle. Er lie\u00df sich also das Band anlegen. Als die Asen damit fertig waren, sch\u00fcttelte sich der Wolf und reckte sich und schlug das Band an den Boden, da\u00df die St\u00fccke weit davon flogen. So brach er sich los von Droma. Das ward hernach sprichw\u00f6rtlich, sich aus L\u00e4ding zu l\u00f6sen, oder aus Droma zu befreien, wenn von einer schwierigen Sache die Rede ist. Darnach f\u00fcrchteten die Asen, da\u00df sie den Wolf nicht w\u00fcrden binden k\u00f6nnen. Da schickte Allvater den J\u00fcngling Skirnir genannt, der Freys Diener war, zu einigen Zwergen in Schwarzalfenheim, und lie\u00df das Band Gleipnir verfertigen. Die\u00df war aus sechserlei Dingen gemacht: aus dem Schall des Katzentritts, dem Bart der Weiber, den Wurzeln der Berge, den Sehnen der B\u00e4ren, der Stimme der Fische und dem Speichel der V\u00f6gel. Hast du auch diese Geschichte nie geh\u00f6rt, so magst du doch bald befinden, da\u00df sie wahr ist und wir dir nicht l\u00fcgen, denn da du wohl bemerkt hast, da\u00df die Frauen keinen Bart, die Berge keine Wurzeln haben und der Katzentritt keinen Schall giebt, so magst du mir wohl glauben, da\u00df das \u00dcbrige eben so wahr ist, was ich dir gesagt habe, wenn du auch von einigen dieser Dinge keine Erfahrung hast. Da sprach Gangleri: An den Dingen, die du zum Beispiel anf\u00fchrst, kann ich allerdings die Wahrheit erkennen; aber wie war das Band beschaffen? Har antwortete: Das kann ich dir wohl sagen: das Band war schlicht und weich wie ein Seidenband und so stark und fest wie du sogleich h\u00f6ren sollst. Als das Band den Asen gebracht wurde, dankten sie dem Boten f\u00fcr das wohl verrichtete Gesch\u00e4ft und fuhren dann auf die Insel Lyngwi im See Amswartnir, riefen den Wolf herbei, zeigten ihm das Seidenband und baten ihn es zu zerrei\u00dfen. Sie sagten, es w\u00e4re wohl etwas st\u00e4rker als es nach seiner Dicke das Aussehen habe. Sie gaben es Einer dem Andern und versuchten ihre St\u00e4rke daran, allein es ri\u00df nicht. Doch sagten sie, der Wolf werde es wohl zerrei\u00dfen m\u00f6gen. Der Wolf antwortete: Um dieses Band d\u00fcnkt es mich so als wenn ich wenig Ehre damit einlegen m\u00f6chte, wenn ich auch eine so schwache Fe\u00dfel entzweirei\u00dfe; falls es aber mit List und Betrug gemacht ist, obgleich es so schwach scheint, so kommt es nicht an meine F\u00fc\u00dfe. Da sagten die Asen, er m\u00f6ge leicht ein d\u00fcnnes Seidenband zerrei\u00dfen, da er zuvor die schweren Eisenfe\u00dfeln zerbrochen habe. Wenn du aber dieses Band nicht zerrei\u00dfen kannst, so haben die G\u00f6tter sich nicht vor dir zu f\u00fcrchten und wir werden dich dann l\u00f6sen. Der Wolf antwortete: Wenn ihr mich so fest bindet, da\u00df ich mich selbst nicht l\u00f6sen kann, so spottet ihr mein und es wird mir sp\u00e4t werden, H\u00fclfe von euch zu erlangen: darum bin ich nicht gesonnen mir die\u00df Band anlegen zu la\u00dfen. Eh ihr mich aber der Feigheit zeiht, so lege Einer von euch seine Hand in meinen Mund zum Unterpfand, da\u00df es ohne Falsch hergeht. Da sah ein Ase den Andern an, die Gefahr dauchte sie doppelt gro\u00df und Keiner wollte seine Hand herleihen bis Tyr zuletzt seine Rechte darbot und sie dem Wolfe in den Mund legte. Und da der Wolf sich reckte, da erh\u00e4rtete das Band und je mehr er sich anstrengte, desto st\u00e4rker ward es. Da lachten alle au\u00dfer Tyr, denn er verlor seine Hand. Als die Asen sahen, da\u00df der Wolf v\u00f6llig gebunden sei, nahmen sie den Strick am Ende der Kette, der Gelgia hie\u00df, und zogen ihn durch einen gro\u00dfen Felsen, Gi\u00f6ll genannt, und festigten den Felsen tief im Grunde der Erde. Auch nahmen sie noch ein anderes Felsenst\u00fcck, Thwiti genannt, das sie noch tiefer in die Erde versenkten und das ihnen als Widerhalt diente. Der Wolf ri\u00df den Rachen furchtbar auf, schnappte nach ihnen und wollte sie bei\u00dfen; aber sie steckten ihm ein Schwert in den Gaumen, da\u00df das Heft wider den Unterkiefer, und die Spitze gegen den Oberkiefer stand: damit ist ihm das Maul gesperrt. Er heult entsetzlich, und Geifer rinnt aus seinem Munde und wird zu dem Flu\u00df, den man Wan nennt. Also liegt er bis zur G\u00f6tterd\u00e4mmerung. Da sprach Gangleri: Wahrlich, \u00fcble Kinder zeugte Loki, und die\u00df ganze Geschlecht ist furchtbar. Aber warum t\u00f6dteten die Asen den Wolf nicht, da sie doch \u00dcbels von ihm erwarteten? Har antwortete: die Asen halten ihre Heiligt\u00fcmer und Freist\u00e4tten so sehr in Ehren, da\u00df sie mit dem Blute des Wolfs sie nicht beflecken wollten, obgleich Wei\u00dfagungen verk\u00fcndeten, da\u00df er Odhins M\u00f6rder werden solle.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Welches sind die Asinnen? Har antwortete: Frigg ist die vornehmste: Ihr geh\u00f6rt der Pallast, der Fensal hei\u00dft, und \u00fcberaus sch\u00f6n ist. Eine andere hei\u00dft Saga, die S\u00f6ckwabeck bewohnt, das auch eine gro\u00dfe Halle ist. Die dritte ist Eir, die beste der \u00c4rztinnen. Die vierte Gefion: sie ist unverm\u00e4hlt und ihr geh\u00f6ren alle, die unverm\u00e4hlt sterben. Fulla, die f\u00fcnfte, ist auch Jungfrau, und tr\u00e4gt loses Haar und ein Goldband ums Haupt. Sie tr\u00e4gt Friggs Schmuckk\u00e4stchen, wartet ihrer Fu\u00dfbekleidung und nimmt Theil an ihrem heimlichen Rath. Freyja ist die vornehmste nach Frigg; sie ist einem Manne verm\u00e4hlt, der Odhur hei\u00dft. Deren Tochter hei\u00dft Hnoss: die ist so sch\u00f6n, da\u00df nach ihrem Namen Alles genannt wird, was sch\u00f6n und kostbar ist. Odhur zog fort auf ferne Wege, und Freyja weint ihm nach und ihre Z\u00e4hren sind rothes Gold. Freyja hat viele Namen: die Ursache ist, da\u00df sie sich oft andere Namen gab, als sie Odhur zu suchen zu unbekannten V\u00f6lkern fuhr. Sie hei\u00dft Mard\u00f6ll, H\u00f6rn, Gefn und Syr. Freyja besitzt den Halsschmuck, Brisinga Men genannt. Sie hei\u00dft auch Wanadis (Waneng\u00f6ttin). Die siebente hei\u00dft Si\u00f6fn; sie sucht die Gem\u00fcther der Menschen, der M\u00e4nner wie der Frauen, zur Z\u00e4rtlichkeit zu wenden, und nach ihrem Namen ist die Liebe Siafni genannt. Die achte, Lofn, ist den Anrufenden so mild und g\u00fctig, da\u00df sie von Allvater oder Frigg Erlaubniss hat, M\u00e4nner und Frauen zu verbinden, was auch sonst f\u00fcr Hinderniss oder Schwierigkeit entgegenstehe. Daher ist nach ihrem Namen der Urlaub genannt, so wie Alles was Menschen loben und preisen. Die neunte ist Wara; sie h\u00f6rt die Eide und Vertr\u00e4ge, welche M\u00e4nner und Frauen zusammen schlie\u00dfen und straft diejenigen, welche sie brechen. Wara ist weise und erforscht Alles, so da\u00df ihr nichts verborgen bleibt; daher kommt die Redensart, da\u00df man eines Dinges gewahr werde, wenn man es in Erfahrung bringt. Die zehnte ist Syn, welche die Th\u00fcren der Halle bewacht und denen verschlie\u00dft, welche nicht eingehen sollen; ihr ist auch der Schutz deren befohlen, die bei Gericht eine Sache in Abrede stellen, daher die Redensart: Abwehr (Syn) ist vorgeschoben, wenn man die Schuld l\u00e4ugnet. Die eilfte ist Hlin, die Solchen zum Schutz bestellt ist, welche Frigg vor einer Gefahr beh\u00fcten will. Daher das Sprichwort: Wer sich in N\u00f6then retten will, lehnt sich an (hleinir). Die zw\u00f6lfte ist Snotra; sie ist weis und feinsinnig: nach ihr hei\u00dfen alle snotr, sowohl M\u00e4nner als Frauen, die klug und feinsinnig sind. Die dreizehnte ist Gna, welche Frigg in ihren Gesch\u00e4ften nach allen Welttheilen schickt. Sie hat ein Pferd, das durch Luft und Flut rennt und Hofhwarfnir hei\u00dft. Einst geschah es, da\u00df sie von etlichen Wanen gesehen ward, da sie durch die Luft ritt. Da sprach einer:<\/p>\n<p>Was fliegt da,   was f\u00e4hrt da,<br \/>\nWas lenkt durch die Luft?<\/p>\n<p>Sie antwortete:<\/p>\n<p>Ich fliege nicht,   ich fahre nicht,<br \/>\nIch lenke durch die Luft<br \/>\nAuf Hofhwarfnir, den Hamskerpir<br \/>\nZeugte mit Gardrofwa.<\/p>\n<p>Nach Gnas Namen gebraucht man den Ausdruck gn\u00e4fa von allem Hochfahrenden. Auch Sol und Bil z\u00e4hlen zu den Asinnen. Ihres Ursprungs ist zuvor gedacht.<\/p>\n<p>Noch andere sind, die in Walhall dienen, das Trinken bringen, das Tischzeug und die \u00c4lschalen verwahren sollen. In Grimnismal wird ihrer so gedacht:<\/p>\n<p>Hrist und Mist   sollen das Horn mir reichen;<br \/>\nSkeggi\u00f6ld und Sk\u00f6gul,<br \/>\nHl\u00f6ck (Hlanka) und Herfi\u00f6tr,   Hildr und Thrudr,<br \/>\nG\u00f6ll und Geirah\u00f6d,<br \/>\nRandgrid und Radgrid   und Reginleif<br \/>\nSchenken den Einheriern \u00c4l.<\/p>\n<p>Diese hei\u00dfen Walk\u00fcren. Odhin sendet sie zu jedem Kampf. Sie w\u00e4hlen die Fallenden und walten des Sieges. Gudr und Rota und die j\u00fcngste der Nornen, welche Skuld hei\u00dft, reiten best\u00e4ndig den Wal zu kiesen und des Kampfs zu walten. Auch J\u00f6rd, die Mutter Thors, und Rinda, Walis Mutter, z\u00e4hlen zu den Asinnen.<\/p>\n<p>Gymir hie\u00df ein Mann, und seine Frau \u00d6rboda; sie war Bergriesengeschlechts. Deren Tochter ist Gerdr, die sch\u00f6nste aller Frauen. Eines Tages war Freyr auf Hlidskialf gegangen und sah \u00fcber alle Welten. Als er nach Norden blickte, sah er in einem Gehege ein gro\u00dfes und sch\u00f6nes Haus. Zu diesem Hause ging ein M\u00e4dchen, und als sie die H\u00e4nde erhob, um die Th\u00fcre zu \u00f6ffnen, da leuchteten von ihren H\u00e4nden Luft und Wa\u00dfer, und alle Welten stralten von ihr wieder. Und so r\u00e4chte sich seine Verme\u00dfenheit an ihm, sich an diese heilige St\u00e4tte zu setzen, da\u00df er harmvoll hinwegging. Und als er heim kam, sprach er nicht, auch mochte er weder schlafen noch trinken und Niemand wagte es, das Wort an ihn zu richten. Da lie\u00df Ni\u00f6rd den Skirnir, Freys Diener, zu sich rufen und bat ihn, zu Freyr zu gehen, mit ihm zu reden und zu fragen, warum er so zornig sei, da\u00df er mit Niemand reden wolle. Skirnir sagte, er wolle gehen, aber ungern, denn er versehe sich \u00fcbler Antwort von ihm. Und als er zu Freyr kam, fragte er, warum Freyr so finster sei und mit Niemand rede. Da antwortete Freyr und sagte, er habe ein sch\u00f6nes Weib gesehen und um ihretwillen sei er so harmvoll, da\u00df er nicht l\u00e4nger leben m\u00f6ge, wenn er sie nicht haben solle: \u201eUnd nun sollst du fahren und f\u00fcr mich um sie bitten, und sie mit dir heimf\u00fchren ob ihr Vater wolle oder nicht, und will ich dir das wohl lohnen.\u201c Da antwortete Skirnir und sagte, er wolle die Botschaft werben, wenn ihm Freyr sein Schwert gebe. Das war ein so gutes Schwert, da\u00df es von selbst focht. Und Freyr lie\u00df es ihm daran nicht mangeln und gab ihm das Schwert. Da fuhr Skirnir und warb um das M\u00e4dchen f\u00fcr ihn und erhielt die Verhei\u00dfung, nach neun (drei) N\u00e4chten wolle sie an den Ort kommen, der Barri hei\u00dfe und mit Freyr Hochzeit halten. Und als Skirnir dem Freyr sagte, was er ausgerichtet habe, da sang er so:<\/p>\n<p>Lang ist Eine Nacht,   l\u00e4nger sind zweie,<br \/>\nWie mag ich dreie dauern?<br \/>\nOft daucht\u2019 ein Monat mich   minder lang<br \/>\nAls eine halbe Nacht des Harrens.<\/p>\n<p>Das ist die Ursache, warum Freyr kein Schwert hatte, als er mit Beli stritt und ihn mit einem Hirschhorn erschlug. Da sprach Gangleri: Es ist sehr zu verwundern, da\u00df ein solcher H\u00e4uptling, wie Freyr ist, sein Schwert hingab ohne ein gleich gutes zu behalten. Ein erschrecklicher Schade war ihm das, als er mit jenem Beli k\u00e4mpfte, und ich glaube gewiss, da\u00df ihn da seiner Gabe gereute. Da antwortete Har: Es lag wenig daran, als er dem Beli begegnete, denn Freyr h\u00e4tte ihn mit der Hand t\u00f6dten k\u00f6nnen; aber es kann geschehen, da\u00df es den Freyr \u00fcbler d\u00fcnkt, sein Schwert zu missen, wenn Muspels S\u00f6hne zu streiten kommen.<\/p>\n<p>Da sprach Gangleri: Du sagtest, da\u00df alle die M\u00e4nner, die im Kampf gefallen sind von Anbeginn der Welt, zu Odhin nach Walhall gekommen seien. Was hat er ihnen zum Unterhalt zu geben? Denn mich d\u00fcnkt, das mu\u00df eine gewaltige Menge sein. Da antwortete Har: Es ist wahr, was du sagst: eine gewaltige Menge ist da, und noch viel mehr m\u00fc\u00dfen ihrer werden; aber doch wird es scheinen, ihrer seien viel zu wenig, wenn der Wolf kommt. Und niemals ist die Volksmenge in Walhall so gro\u00df, da\u00df ihr das Fleisch des Ebers nicht gen\u00fcgen m\u00f6chte, der S\u00e4hrimnir hie\u00df. Jeglichen Tag wird er gesotten und ist am Abend wieder heil. Doch d\u00fcnkt mich wahrscheinlich, da\u00df dir Wenige auf die Frage, die du jetzt gefragt hast, richtig Bescheid sagen werden. Andhrimnir hei\u00dft der Koch und der Ke\u00dfel Eldhrimnir, wie hier gesagt ist:<\/p>\n<p>Andhrimnir l\u00e4\u00dft   in Eldhrimnir<br \/>\nS\u00e4hrimnir sieden,<br \/>\nDas beste Fleisch;   doch erfahren Wenige<br \/>\nWieviel der Einherier e\u00dfen.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Genie\u00dft Odhin von derselben Speise wie die Einherier? Har antwortete: Die Speise, die auf seinem Tische steht, giebt er seinen beiden W\u00f6lfen, welche Geri und Freki hei\u00dfen, und keiner Kost bedarf er; Wein ist ihm Trank und Speise, wie es hei\u00dft:<\/p>\n<p>Geri und Freki   f\u00fcttert der krieggewohnte<br \/>\nHerliche Heervater,<br \/>\nDa nur von Wein   der waffenhehre<br \/>\nOdhin ewig lebt.<\/p>\n<p>Zwei Raben sitzen auf seinen Schultern und sagen ihm ins Ohr alle Zeitungen, die sie h\u00f6ren und sehen; sie hei\u00dfen Hugin und Munin. Er sendet sie Morgens aus, alle Welten zu umfliegen, und Mittags kehren sie zur\u00fcck und so wird er manche Zeitungen gewahr. Die Menschen nennen ihn darum Rabengott. Davon wird gesagt:<\/p>\n<p>Hugin und Munin   m\u00fc\u00dfen jeden Tag<br \/>\n\u00dcber die Erde fliegen.<br \/>\nIch f\u00fcrchte, da\u00df Hugin   nicht nach Hause kehrt;<br \/>\nDoch sorg ich mehr um Munin.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Was haben die Einherier zu trinken, das ihnen so gen\u00fcgen mag als ihre Speise? Oder wird da Wa\u00dfer getrunken? Da antwortete Har: Wunderlich fragst du nun, als ob Allvater K\u00f6nige, Jarle und andere herliche M\u00e4nner zu sich entbieten w\u00fcrde und g\u00e4be ihnen Wa\u00dfer zu trinken. Ich wei\u00df gewiss, da\u00df Manche nach Wallhall kommen, die meinen sollten, einen Trunk Wa\u00dfers theuer erkauft zu haben, wenn ihnen da nichts Be\u00dferes geboten w\u00fcrde, nachdem sie Wunden und t\u00f6dliche Schmerzen erduldet haben. Aber viel Anderes kann ich dir davon berichten. Die Ziege, die Heidrun hei\u00dft, steht \u00fcber Walhall und weidet an den Zweigen des vielber\u00fchmten Baumes, der L\u00e4rad genannt wird, und von ihrem Euter flie\u00dft so viel Meth, da\u00df sie t\u00e4glich ein Gef\u00e4\u00df f\u00fcllt, das so gro\u00df ist, da\u00df alle Einherier davon vollauf zu trinken haben. Da sprach Gangleri: Das ist eine gewaltig treffliche Ziege und ein ausb\u00fcndig guter Baum mu\u00df das sein, an dem sie weidet. Da versetzte Har: Noch merkw\u00fcrdiger jedoch ist der Hirsch Eikthyrnir, der in Walhall steht und an den Zweigen desselben Baumes nagt; und von seinem Geh\u00f6rn fallen so viel Tropfen herab, da\u00df sie nach Hwergelmir flie\u00dfen, und daraus folgende Str\u00f6me entspringen, Sid, Wid, Sekin, Ekin, Sw\u00f6l, Gunnthro, Fi\u00f6rm, Fimbulthul, Gipul, G\u00f6pul, G\u00f6mul, Geirwimul; diese umflie\u00dfen der Asen Gebiet. Aber noch diese werden genannt: Thyn, Win, Th\u00f6ll, B\u00f6ll, Grad, Gunnthrain, Nyt, Naut, N\u00f6nn, Hr\u00f6nn, Wina, Wegswin, Thiodnuma.<\/p>\n<p>Da sprach Gangleri: Die\u00df sind wunderliche Dinge, die du mir da sagst. Ein furchtbar gro\u00dfes Haus mu\u00df Walhall sein und ein gro\u00dfes Gedr\u00e4nge mag da oft an den Th\u00fcren entstehen. Da versetzte Har: Warum fragst du nicht, wie viel Th\u00fcren an Walhall seien, und von welcher Gr\u00f6\u00dfe? Wenn du das sagen h\u00f6rst, wirst du gestehen, da\u00df es wunderlich w\u00e4re, wenn nicht ein Jeder aus- und eingehen k\u00f6nnte wie er wollte. Auch das mag mit Wahrheit gesagt werden, da\u00df es nicht schwerer ist, Platz darin zu finden als hineinzukommen. Hier magst du h\u00f6ren, wie es in Grimnismal hei\u00dft:<\/p>\n<p>F\u00fcnfhundert Th\u00fcren   und viermal zehn<br \/>\nWei\u00df ich in Walhall.<br \/>\nAchthundert Einherier   gehn aus je Einer,<br \/>\nWenn es dem Wolf zu wehren gilt.<\/p>\n<p>Da sprach Gangleri: Eine gewaltige Menge ist in Walhall und ich mu\u00df wohl glauben, da\u00df Odhin ein gewaltiger H\u00e4uptling ist, wenn er so gro\u00dfem Heere gebeut. Aber was ist der Einherier Kurzweil, wenn sie nicht zechen? Har antwortete: Jeden Morgen, wenn sie angekleidet sind, wappnen sie sich und gehen in den Hof und k\u00e4mpfen und f\u00e4llen einander. Das ist ihr Zeitvertreib. Und wenn es Zeit ist zum Mittagsmal, reiten sie heim gen Walhall und setzen sich an den Trinktisch, wie hier gesagt ist:<\/p>\n<p>Die Einherier alle   in Odhins Saal<br \/>\nStreiten Tag f\u00fcr Tag;<br \/>\nSie kiesen den Wal,   und reiten vom Kampf heim<br \/>\nMit Asen \u00c4l zu trinken;<br \/>\nDann sitzen sie friedlich beisammen.<\/p>\n<p>Aber wahr ist was du sagtest, Odhin ist ein gro\u00dfer H\u00e4uptling: daf\u00fcr giebt es Beweise genug. So hei\u00dft es hier mit der Asen eigenen Worten:<\/p>\n<p>Die Esche Yggdrasils   ist der B\u00e4ume erster,<br \/>\nSkidbladnir der Schiffe,<br \/>\nOdhin der Asen,   aller Rosse Sleipnir,<br \/>\nBifr\u00f6st der Br\u00fccken,   der Skalden Bragi,<br \/>\nHabrok der Habichte,   der Hunde Garm.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Wem geh\u00f6rt das Ross Sleipnir? Oder was ist von ihm zu sagen? Har antwortete: Nicht magst du von Sleipnir Kunde haben, wenn du nicht weist bei welcher Veranla\u00dfung er erzeugt wurde, und das wird dich wohl der Erz\u00e4hlung werth d\u00fcnken. Es geschah fr\u00fch bei der ersten Niederla\u00dfung der G\u00f6tter, als sie Midgard erschaffen und Walhall gebaut hatten, da\u00df ein Baumeister kam, und sich erbot, eine Burg zu bauen in drei Halbjahren, die den G\u00f6ttern zum Schutz und Schirm w\u00e4re wider Bergriesen und Hrimthursen, wenn sie gleich \u00fcber Midgard eindr\u00e4ngen. Aber er bedingte sich das zum Lohn, da\u00df er Freyja haben sollte und dazu Sonne und Mond. Da traten die Asen zusammen und riethen Rath und gingen den Kauf ein mit dem Baumeister, da\u00df er haben sollte was er anspr\u00e4che, wenn er in Einem Winter die Burg fertig br\u00e4chte; wenn aber am ersten Sommertag noch irgend ein Ding an der Burg unvollendet w\u00e4re, so sollte er des Lohnes entrathen; auch d\u00fcrfte er von Niemanden bei dem Werke H\u00fclfe empfangen. Als sie ihm diese Bedingung sagten, da verlangte er von ihnen, da\u00df sie ihm erlauben sollten, sich der H\u00fclfe seines Pferdes Swadilfari zu bedienen, und Loki rieth dazu, da\u00df ihm die\u00df zugesagt wurde. Da griff er am ersten Wintertag dazu, die Burg zu bauen und f\u00fchrte in der Nacht die Steine mit dem Pferde herbei. Die Asen dauchte es gro\u00df Wunder wie gewaltige Felsen das Pferd herbeizog; und noch halbmal so viel Arbeit verrichtete das Pferd als der Baumeister. Der Kauf aber war mit vielen Zeugen und starken Eiden bekr\u00e4ftigt worden, denn ohne solchen Frieden h\u00e4tten sich die J\u00f6tune bei den Asen nicht sicher geglaubt, wenn Thor heimk\u00e4me, der damals nach Osten gezogen war Unholde zu schlagen. Als der Winter zu Ende ging, ward der Bau der Burg sehr beschleunigt, und schon war sie hoch und stark, da\u00df ihr kein Angriff mehr schaden konnte. Und als noch drei Tage blieben bis zum Sommer, war es schon bis zum Burgthor gekommen. Da setzten sich die G\u00f6tter auf ihre Richterst\u00fchle und hielten Rath und Einer fragte den Andern wer dazu gerathen h\u00e4tte, Freyja nach J\u00f6tunheim zu vergeben und Luft und Himmel so zu verderben, da\u00df Sonne und Mond hinweggenommen und den J\u00f6tunen gegeben werden sollten. Da kamen sie alle \u00fcberein, da\u00df der dazu gerathen haben werde, der zu allem \u00dcbeln rathe: Loki, Laufeyjas Sohn, und sagten, er sollte eines \u00fcbeln Todes sein, wenn er nicht Rath f\u00e4nde, den Baumeister um seinen Lohn zu bringen. Und als sie dem Loki zusetzten, ward er bange vor ihnen und schwur Eide, er wolle es so einrichten, da\u00df der Baumeister um seinen Lohn k\u00e4me, was es ihm auch kosten m\u00f6chte. Und denselben Abend, als der Baumeister nach Steinen ausfuhr mit seinem Hengste Swadilfari, da lief eine Stute aus dem Walde dem Hengste entgegen und wieherte ihm zu. Und als der Hengst merkte, was Rosses das war, da ward er wild, zerri\u00df die Stricke und lief der M\u00e4hre nach, und die M\u00e4hre voran zum Walde und der Baumeister dem Hengste nach, ihn zu fangen. Und diese Rosse liefen die ganze Nacht umher, und ward diese Nacht das Werk vers\u00e4umt und am Tage darauf ward dann nicht gearbeitet, wie sonst geschehen war. Und als der Meister sah, da\u00df das Werk nicht zu Ende kommen m\u00f6ge, da gerieth er in Riesenzorn. Die Asen aber, die nun f\u00fcr gewiss erkannten, da\u00df es ein Bergriese war, der zu ihnen gekommen, achteten ihre Eide nicht mehr und riefen zu Thor, und im Augenblick kam er und hub auch gleich seinen Hammer Mi\u00f6lnir und bezahlte mit ihm den Baulohn, nicht mit Sonne und Mond; vielmehr verwehrte er ihm das Bauen auch in J\u00f6tunheim, denn mit dem ersten Streich zerschmetterte er ihm den Hirnsch\u00e4del in kleine St\u00fccke und sandte ihn hinab gen Niflhel. Loki selbst war als Stute dem Swadilfari begegnet und einige Zeit nachher gebar er ein F\u00fcllen, das war grau und hatte acht F\u00fc\u00dfe und die\u00df ist der Pferde Bestes bei G\u00f6ttern und Menschen. So hei\u00dft es in der W\u00f6luspa:<\/p>\n<p>Da gingen die Berather   zu den Richterst\u00fchlen,<br \/>\nHochheilge G\u00f6tter   hielten Rath<br \/>\nWer mit Frevel h\u00e4tte   die Luft erf\u00fcllt<br \/>\nOder dem Riesenvolk   Odhurs Braut gegeben.<\/p>\n<p>Da schwanden die Eide,   Wort und Schw\u00fcre,<br \/>\nAlle festen Vertr\u00e4ge   j\u00fcngst trefflich erdacht.<br \/>\nDas schuf von Zorn   bezwungen Thor;<br \/>\nEr s\u00e4umt selten,   wenn er Solches vernimmt.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Was ist von Skidbladnir zu berichten, welches das beste der Schiffe sein soll? Gibt es weder ein ebenso gutes Schiff als dieses, noch ein ebenso gro\u00dfes? Har antwortete: Skidbladnir ist das beste Schiff und das k\u00fcnstlichste; aber Naglfari, das Muspel besitzt, ist das gr\u00f6ste. Gewisse Zwerge, Iwaldis S\u00f6hne, schufen Skidbladnir und gaben das Schiff dem Freyr: es ist so gro\u00df, da\u00df alle Asen mit ihrem Gewaffen und Heerger\u00e4the an Bord sein k\u00f6nnen, und sobald die Segel aufgezogen sind, hat es Fahrwind, wohin es auch steuert. Und will man es nicht gebrauchen, die See damit zu befahren, so ist es aus so vielen St\u00fccken und mit so gro\u00dfer Kunst gemacht, da\u00df man es wie ein Tuch zusammenfalten und in seiner Tasche tragen kann.<\/p>\n<p>Da sprach Gangleri: Ein gutes Schiff ist Skidbladnir und gar gro\u00dfe Zauberei mag dazu geh\u00f6rt haben, es so kunstreich zu schaffen. Aber ist es dem Thor auf seinen Fahrten nie begegnet, da\u00df er so Starkes und M\u00e4chtiges fand, das ihm an Kraft und Zauberkunst \u00fcberlegen war? Har antwortete: Wenige, glaube ich, wi\u00dfen davon zu sagen und gro\u00dfe Gefahren hat er doch bestanden; aber wenn es sich je begab, da\u00df etwas so stark oder m\u00e4chtig war, da\u00df es Thor nicht besiegen konnte, so ist es be\u00dfer nicht davon zu reden, denn es giebt viele Beispiele daf\u00fcr und Gr\u00fcnde genug zu glauben, da\u00df Thor der M\u00e4chtigste sei. Da sprach Gangleri: So scheint es ja als h\u00e4tt ich euch nach einem Dinge gefragt, worauf Niemand antworten k\u00f6nne. Da sprach Jafnhar: Wir haben von Begebenheiten sagen h\u00f6ren, deren Wahrheit uns kaum glaublich d\u00fcnkt; aber hier sitzt der in der N\u00e4he, welcher getreuen Bericht davon geben mag, und du darfst glauben, da\u00df er jetzt nicht zum erstenmal l\u00fcgen wird, der nie zuvor gelogen hat. Da sprach Gangleri: Hier will ich stehen und h\u00f6ren ob ich von diesen Geschichten Bescheid erhalte, denn im andern Fall erkl\u00e4re ich euch f\u00fcr \u00fcberwunden, wenn ihr keine Antwort wi\u00dft auf meine Frage. Da sprach Thridi: Offenbar ist es nun, da\u00df er diese Geschichten wi\u00dfen will, obwohl uns bed\u00fcnkt, es sei nicht gut davon zu sprechen. Du hast also zu schweigen. Der Anfang dieser Erz\u00e4hlung ist nun, da\u00df Thor ausfuhr mit seinem Wagen und seinen B\u00f6cken und mit ihm der Ase, der Loki hei\u00dft. Da kamen sie am Abend zu einem Bauern und fanden da Herberge. Zur Nacht nahm Thor seine B\u00f6cke und schlachtete sie; darauf wurden sie abgezogen und in den Ke\u00dfel getragen. Und als sie gesotten waren, setzte sich Thor mit seinem Gef\u00e4hrten zum Nachtmal. Thor bat auch den Bauern, seine Frau und beide Kinder, mit ihm zu speisen. Des Bauern Sohn hie\u00df Thialfi und die Tochter R\u00f6skwa. Da legte Thor die Bocksfelle neben den Heerd, und sagte, der Bauer und seine Hausleute m\u00f6chten die Knochen auf die Felle werfen. Thialfi, des Bauern Sohn, hatte das Schenkelbein des einen Bocks, das schlug er mit seinem Me\u00dfer entzwei, um zum Mark zu kommen. Thor blieb die Nacht da, und am Morgen stand er auf vor Tag, kleidete sich, nahm den Hammer Mi\u00f6lnir und erhob ihn, die Bocksfelle zu weihen. Da standen die B\u00f6cke auf; aber dem Einen lahmte das Hinterbein. Thor befand es und sagte, der Bauer oder seine Hausgeno\u00dfen m\u00fcsten unvorsichtig mit den Knochen des Bocks umgegangen sein, denn er sehe, das eine Schenkelbein w\u00e4re zerbrochen. Es braucht nicht weitl\u00e4ufig erz\u00e4hlt zu werden, da es ein Jeder begreifen kann wie der Bauer erschrecken mochte als er sah, da\u00df da Thor die Brauen \u00fcber die Augen sinken lie\u00df, und wie wenig er auch von den Augen noch sah, so meinte er doch vor der Sch\u00e4rfe des Blicks zu Boden zu fallen. Thor fa\u00dfte den Hammerschaft so hart mit den Fingern an, da\u00df die Kn\u00f6chel davon wei\u00df wurden. Der Bauer gebehrdete sich, wie man denken mag, so, da\u00df alle seine Hausgeno\u00dfen entsetzlich schrieen und Alles was sie hatten zum Ersatze boten. Als Thor ihren Schrecken sah, lie\u00df er von seinem Zorn, beruhigte sich und nahm ihre Kinder Thialfi und R\u00f6skwa zum Vergleich an: die wurden nun Thors Dienstleute und folgten ihm seitdem \u00fcberall.<\/p>\n<p>Er lie\u00df seine B\u00f6cke dort zur\u00fcck und setzte seine Reise ostw\u00e4rts nach J\u00f6tunheim fort bis an das Meer, fuhr dann \u00fcber die tiefe See, und als er die K\u00fcste erreichte, stieg er ans Land und mit ihm Loki, Thialfi und R\u00f6skwa. Da sie eine Weile fortgegangen waren, kamen sie an einen gro\u00dfen Wald, durch den gingen sie den ganzen Tag bis es dunkel ward. Thialfi, aller M\u00e4nner fu\u00dfr\u00fcstigster, trug Thors Tasche; aber Speisevorrath war nicht leicht zu erlangen. Als es dunkel geworden war, suchten sie ein Nachtlager und fanden eine ziemlich ger\u00e4umige H\u00fctte. An einem Ende war der Eingang so breit wie die H\u00fctte selbst: die w\u00e4hlten sie zum Nachtaufenthalt. Aber um Mitternacht entstand ein starkes Erdbeben, der Boden zitterte unter ihnen und die H\u00fctte schwankte. Da stand Thor auf und rief seinen Gef\u00e4hrten; sie suchten weiter und fanden in der Mitte der H\u00fctte zur rechten Hand einen Anbau: da gingen sie hinein. Thor setzte sich in die Th\u00fcre; die andern hielten sich innerhalb hinter ihm und waren sehr bange. Thor hielt den Hammerschaft in der Hand und gedachte sich zu wehren. Da h\u00f6rten sie gro\u00df Ger\u00e4usch und Get\u00f6se. Und als der Tag anbrach, ging Thor hinaus und sah da einen Mann nicht weit von ihm im Walde liegen, der war nicht klein; er schlief und schnarchte gewaltig. Da glaubte Thor zu verstehen, welchen L\u00e4rm er in der Nacht geh\u00f6rt hatte und umspannte sich mit den St\u00e4rkeg\u00fcrteln. Da wuchs ihm die Asenst\u00e4rke. Indem erwachte der Mann und stand hastig auf. Und da wird gesagt, da\u00df Thor die\u00df eine Male nicht gewagt habe, mit dem Hammer nach ihm zu schlagen. Er fragte ihn aber nach seinem Namen und er nannte sich Skrymir. Und nicht brauche ich, sagte er, dich um deinen Namen zu fragen: ich wei\u00df, da\u00df du Asathor bist. Aber wohin hast du meinen Handschuh geschleppt? Da streckte Skrymir den Arm aus und hob seinen Handschuh auf. Nun sah Thor, da\u00df er den in der Nacht zur Herberge gehabt, und der Anbau war der D\u00e4umling des Handschuhs gewesen. Skrymir fragte, ob ihn Thor zum Reisegef\u00e4hrten haben wolle, und Thor bejahte es. Da fing Skrymir an, seinen Speisesack zu l\u00f6sen und gab sich dran, sein Fr\u00fchst\u00fcck zu verzehren, und Thor seinerseits that mit seinen Gef\u00e4hrten ein Gleiches. Skrymir schlug vor, ihren Speisevorrath zusammenzulegen und Thor willigte ein. Da kn\u00fcpfte Skrymir all ihr E\u00dfen in einen B\u00fcndel und legte ihn auf seinen R\u00fccken. Er ging den Tag \u00fcber voran und stieg gro\u00dfe Schritte; am Abend aber suchte er ihnen Nachtherberge unter einer m\u00e4chtigen Eiche. Da sprach Skrymir zu Thor, er wolle sich schlafen legen: nehmt ihr den Speiseb\u00fcndel und bereitet euch ein Nachtmal. Darauf schlief Skrymir ein und schnarchte m\u00e4chtig und Thor nahm den Speiseb\u00fcndel und wollte ihn \u00f6ffnen, und das ist zu berichten, wie unglaublich es d\u00fcnken m\u00f6ge, da\u00df er keinen Knoten losbrachte: auch nicht Einer der zusammengekn\u00fcpften Riemen ward loser. Und als er sah, da\u00df seine Arbeit nicht fruchtete, ward er zornig, fa\u00dfte seinen Hammer Mi\u00f6lnir in beide H\u00e4nde, schritt mit Einem Fu\u00df dahin vor, wo Skrymir lag, und schlug ihn auf das Haupt. Und Skrymir erwachte und frug, ob ihm ein Blatt von dem Baum auf den Kopf gefallen sei? Auch fragte er, ob sie jetzt gege\u00dfen h\u00e4tten und bereit w\u00e4ren, sich zur Ruhe zu begeben? Thor antwortete, sie wollten eben schlafen gehen. Sie gingen unter eine andere Eiche, wagten es aber, die Wahrheit zu sagen, nicht zu schlafen. Aber um Mitternacht h\u00f6rte Thor den Skrymir im Schlafe so laut schnarchen, da\u00df der Wald widerhallte. Da stand er auf und ging zu ihm, schwang den Hammer hastig und heftig und schlug ihn mitten auf den Wirbel, so da\u00df er merkte, wie das Hammerende ihm tief ins Haupt sank. In dem Augenblick erwachte Skrymir und fragte: Was ist mir? Ist mir eine Eichel auf den Kopf gefallen? Oder was ist mit dir, Thor? Thor trat eilends zur\u00fcck und antwortete, er sei eben aufgewacht, und f\u00fcgte hinzu, es sei Mitternacht und also noch Zeit zu schlafen. Da gedachte Thor, wenn er es zuwege br\u00e4chte, ihm den dritten Schlag zu schlagen, so sollte er ihn niemals wiedersehen. Er legte sich und wartete bis Skrymir fest entschlafen w\u00e4re. Und kurz vor Tag h\u00f6rte er, da\u00df Skrymir entschlafen sein m\u00fc\u00dfe. Da stand er auf und ging zu ihm und schwang den Hammer mit aller Kraft und traf ihn auf die Schl\u00e4fe, welche nach oben gekehrt war, und der Hammer drang ein bis auf den Schaft. Da richtete Skrymir sich auf, strich sich die Wange und sprach: Sitzen V\u00f6gel \u00fcber mir auf dem Baume? Es kam mir vor, da ich erwachte, als fiele mir von den \u00c4sten irgend ein Abfall auf den Kopf. Wachst du, Thor? Es wird Zeit sein, aufzustehen und sich anzukleiden, obwohl ihr nun nicht mehr weit habt zu der Burg, die Utgard hei\u00dft. Ich h\u00f6rte, wie ihr untereinander sprachet, da\u00df ich kein kleiner Mann sei von Wuchs; aber dort sollt ihr gr\u00f6\u00dfere M\u00e4nner sehen, wenn ihr nach Utgard kommt. Nun will ich euch heilsamen Rath geben: \u00fcberhebt euch da nicht zu sehr, denn nicht werden Utgardlokis Hofm\u00e4nner von solchen Burschen stolze Worte dulden; in anderm Fall wendet lieber um: der Entschlu\u00df wird euch be\u00dfer bekommen. Wollt ihr aber doch eure Reise fortsetzen, so haltet euch ostw\u00e4rts; mein Weg geht nun nordw\u00e4rts nach diesen Bergen, die ihr jetzt werdet sehen k\u00f6nnen. Da nahm Skrymir den Speiseb\u00fcndel und warf ihn auf den R\u00fccken und wandte sich quer hinweg von ihnen in den Wald, und nicht ist gemeldet, da\u00df die Asen gew\u00fcnscht h\u00e4tten ihn gesund wiederzusehen.<\/p>\n<p>Thor fuhr nun weiter mit seinen Gef\u00e4hrten und ging fort bis Mittag: da sah er auf einem Felde eine Burg stehen, und muste den Nacken zur\u00fcckbiegen, um \u00fcber sie hinwegzusehen. Sie gingen hinzu, da war an dem Burgthor ein verschlo\u00dfenes Gitter. Thor ging an das Gitter und konnt es nicht \u00f6ffnen, und damit sie in die Burg gelangen mochten, schmiegten sie sich zwischen den St\u00e4ben hindurch und kamen so hinein. Da sahen sie eine gro\u00dfe Halle und gingen hinzu. Die Th\u00fcre war offen, sie gingen hinein und sahen da viele M\u00e4nner auf zwei B\u00e4nken, die meisten sehr gro\u00df. Darnach kamen sie vor den K\u00f6nig Utgardloki und gr\u00fc\u00dften ihn. Er aber sah s\u00e4umig nach ihnen, bleckte die Z\u00e4hne und sprach l\u00e4chelnd: Selten h\u00f6rt man von langer Reise Wahres berichten; aber verh\u00e4lt es sich anders denn ich denke: da\u00df dieser kleine Bursch da \u00d6kuthor sei? Du magst aber wohl mehr sein als du scheinst. Aber welche Fertigkeiten sind es, deren ihr Gesellen euch d\u00fcnkt kundig zu sein? Niemand darf hier unter uns sein, der sich nicht durch irgend eine Kunst oder Geschicklichkeit vor Andern auszeichnete. Da sprach Loki, welcher der hinterste war: Eine Kunst versteh ich, die ich bereit bin zu zeigen: Keiner soll hier innen sein, der seine Speise hurtiger aufe\u00dfen m\u00f6ge als ich. Da versetzte Utgardloki: Das ist wohl eine Kunst, wenn du sie verstehst, und das wollen wir nun versuchen. Da rief er nach den B\u00e4nken hin, da\u00df Einer, Logi gehei\u00dfen, auf den Estrich vortrete, sich gegen Loki zu versuchen. Da ward ein Trog genommen und auf den Boden der Halle gesetzt und mit Fleisch gef\u00fcllt: Loki setzte sich an das eine Ende und Logi an das andere, und a\u00df Jedweder aufs Hurtigste bis sie sich in der Mitte des Trogs begegneten. Da hatte Loki alles Fleisch von den Knochen abgege\u00dfen, aber Logi hatte alles Fleisch mitsamt den Knochen verzehrt und den Trog dazu. Alle bedaucht es nun, da\u00df Loki das Spiel verloren habe. Da fragte Utgardloki, auf welche Kunst jener junge Mann sich verst\u00e4nde. Da sagte Thialfi, er wolle versuchen, mit einem Jeden um die Wette zu laufen, den Utgardloki dazu ausersehe. Utgardloki sagte, das sei eine gute Kunst; er m\u00fc\u00dfe aber sehr ge\u00fcbt zu sein glauben in der Hurtigkeit, wenn er in dieser Kunst zu siegen hoffe, und der Versuch sollte nun sogleich vor sich gehen. Da stand Utgardloki auf und ging hinaus, und war eine gute Rennbahn auf ebenem Felde. Utgardloki rief nun einen jungen Burschen herbei, der sich Hugi nannte, und gebot ihm, mit Thialfi um die Wette zu laufen. Da begannen sie den ersten Lauf und war Hugi so weit voraus, da\u00df er am Ende der Bahn sich umwandte dem Loki entgegen. Da sagte Utgardloki: Du must dich be\u00dfer ausstrecken, Thialfi, wenn du das Spiel gewinnen willst; aber doch ist es wahr, da\u00df noch Keiner hieher gekommen ist, der mich fu\u00dffertiger dauchte. Sie begannen nun den zweiten Lauf, und als Hugi ans Ende der Bahn kam und sich umwandte, war Thialfi noch einen guten Pfeilschu\u00df zur\u00fcck. Da sagte Utgardloki: Das d\u00fcnkt mich gut gelaufen; aber ich glaube nun kaum mehr, da\u00df er das Spiel gewinnen wird; das wird sich nun zeigen, wenn sie den dritten Lauf rennen. Da nahmen sie nochmals ein Ziel und als Hugi ans Ende der Bahn gekommen war und sich umkehrte, war Thialfi noch nicht in die Mitte der Bahn gekommen. Da sagten Alle, sie h\u00e4tten sich in diesem Spiele nun genug versucht. Da fragte Utgardloki den Thor, welche Kunst das sei, worin er sich vor ihnen hervorthun wolle, nachdem die Leute von seinen Gro\u00dfthaten so viel R\u00fchmens gemacht h\u00e4tten. Da antwortete Thor, am Liebsten wolle er sich im Trinken me\u00dfen mit Wem es auch sei. Utgardloki sagte, das m\u00f6ge wohl geschehen. Er ging in die Halle, rief seinen Schenken und befahl ihm, das Horn zu bringen, woraus seine Hofleute zu trinken pflegten. Bald darauf kam der Mundschenk mit dem Horn und gab es dem Thor in die Hand. Da sprach Utgardloki: Aus diesem Horn scheint uns wohl getrunken, wenn es auf Einen Trunk leer wird; Einige trinken es auf den zweiten aus, aber Keiner ist ein so schlechter Trinker, der es nicht in dreien leerte. Thor sah sich das Horn an: es schien ihm nicht zu gro\u00df, obwohl ziemlich lang; er war aber auch sehr durstig. Er fing an zu trinken und schlang gewaltig und glaubte nicht n\u00f6thig zu haben, \u00f6fter abzusetzen und ins Horn zu sehen. Als ihm aber der Athem ausging, setzte er das Horn ab und sah zu, wie viel Trank noch \u00fcbrig sei. Da schien es ihm ein sehr kleiner Betrag, um den das Horn jetzt leerer sei denn zuvor. Da sprach Utgardloki: Es ist wohl getrunken; aber doch nicht gar viel: ich h\u00e4tte es nicht geglaubt, wenn mir gesagt worden w\u00e4re, da\u00df Asathor nicht be\u00dfer trinken k\u00f6nne. Ich wei\u00df aber, du wirst es beim zweiten Zug austrinken. Thor antwortete nichts, sondern setzte das Horn an den Mund und dachte nun einen gr\u00f6\u00dfern Trank zu thun, und bem\u00fchte sich zu trinken so lang ihm der Athem vorhielt, sah aber doch, da\u00df das Ende des Horns nicht so hoch hinauf wollte als er gew\u00fcnscht h\u00e4tte, und als er das Horn vom Munde nahm, schien es ihm als wenn nun noch weniger abgegangen w\u00e4r als das erste Mal; doch konnte man das Horn nun tragen ohne zu versch\u00fctten. Da sprach Utgardloki: Wie nun, Thor? Willst du dich immer sparen, einen Trunk mehr zu thun als dir gut ist? Nun scheint mir, wenn du mit dem dritten Trunk das Horn leeren willst, so mu\u00df dieser Zug der gr\u00f6ste sein. Du wirst aber hier bei uns kein so gro\u00dfer Mann hei\u00dfen k\u00f6nnen als wof\u00fcr du bei den Asen giltst, wenn du in andern Spielen nicht mehr leistest als du mir in diesem zu verm\u00f6gen scheinst. Da ward Thor zornig, setzte das Horn an den Mund und trank aus allen Kr\u00e4ften und so lang er trinken mochte und als er ins Horn sah, war doch nun mehr als zuvor ein Abgang bemerklich. Da gab er das Horn zur\u00fcck und wollte nicht mehr trinken. Da sprach Utgardloki: Es ist nun offenbar, da\u00df deine Macht nicht so gro\u00df ist als wir dachten. Denn man sieht nun, da\u00df du hierin nichts vermagst. Thor antwortete: Ich will mich noch in andern Spielen versuchen; aber wunderlich w\u00fcrd es mich d\u00fcnken, wenn ich daheim bei den Asen w\u00e4re und solche Tr\u00fcnke w\u00fcrden f\u00fcr klein geachtet. Doch welches Spiel wollt ihr mir nun anbieten? Da sprach Utgardloki: Junge Bursche pflegen hier, was wenig zu bedeuten scheint, meine Katze dort von der Erde aufzuheben, und nicht w\u00fcrd ich gedenken, solches dem Asathor anzumuthen, wenn ich nicht zuvor gesehen h\u00e4tte, da\u00df du viel weniger vermagst als ich dachte. Alsbald lief eine graue, ziemlich gro\u00dfe Katze \u00fcber den Estrich der Halle, Thor ging hinzu, fa\u00dfte sie mit der Hand mitten unterm Bauche und lupfte an ihr, und die Katze kr\u00fcmmte den R\u00fccken, indem Thor an ihr hob, und als Thor sie so hoch emporzog als er immer vermochte, lie\u00df die Katze mit dem einen Fu\u00df von der Erde: weiter brachte es Thor nicht in diesem Spiel. Da sprach Utgardloki: Es ging mit diesem Spiel wie ich erwartete: die Katze ist ziemlich gro\u00df und Thor klein und kurz neben den gro\u00dfen M\u00e4nnern, die hier bei uns sind. Da sprach Thor: So klein ihr mich nennt, so komme nun her wer da wolle und ringe mit mir: nun bin ich zornig. Da antwortete Utgardloki, indem er nach den B\u00e4nken sah, und sprach: Mit Nichten seh ich den Mann hier innen, den es nicht ein Kinderspiel d\u00fcnken w\u00fcrde mit dir zu ringen. Aber la\u00dft sehen, fuhr er fort, die alte Frau ruft mir herbei, meine Amme Elli: mit der mag Thor ringen wenn er will. Sie hat schon M\u00e4nner niedergeworfen, die mir nicht schw\u00e4cher schienen als Thor ist. Alsbald kam eine alte Frau in die Halle: zu der sprach Utgardloki, sie solle sich mit Asathor me\u00dfen. Wir wollen den Bericht nicht l\u00e4ngen; der Kampf lief so ab: je st\u00e4rker sich Thor anstrengte, je fester stand sie. Nun fing die Frau an, ihm ein Bein zu stellen, Thor ward mit Einem Fu\u00dfe los und ein harter Kampf folgte; aber nicht lange w\u00e4hrte es, so war Thor auf ein Knie gefallen. Da ging Utgardloki hinzu und gebot ihnen, den Kampf einzustellen. Er f\u00fcgte hinzu: Thor habe nun nicht n\u00f6thig, noch andere an seinem Hof zum Kampf zu fordern. Es war auch bald Nacht. Da wies Utgardloki den Thor und seine Gef\u00e4hrten zu den Sitzen, und brachten sie da die Nacht bei guter Aufnahme zu.<\/p>\n<p>Am Morgen darauf, als es Tag wurde, stand Thor auf mit seinen Gef\u00e4hrten, sie kleideten sich und waren bereit, fortzuziehen. Da kam Utgardloki, und lie\u00df ihnen einen Tisch vorsetzen; es fehlte nicht an guter Bewirthung, Speis und Trank. Und als sie gege\u00dfen hatten, beeilten sie ihre Fahrt. Utgardloki begleitete sie hinaus bis vor die Burg und beim Abschied sprach er zu Thor und fragte, wie er mit seiner Reise zufrieden sei und ob er einen M\u00e4chtigern denn er selber sei getroffen habe. Thor antwortete, er k\u00f6nne nicht sagen, da\u00df die Begegnung mit ihnen nicht sehr zu seiner Unehre gereicht habe, \u201eaber wohl wei\u00df ich, da\u00df ihr mich f\u00fcr einen gar unbedeutenden Mann halten werdet, womit ich \u00fcbel zufrieden bin.\u201c Da sprach Utgardloki: Nun will ich dir die Wahrheit sagen, da du wieder aus der Burg gekommen bist, in die du, so lang ich lebe und zu befehlen habe, nicht noch \u00f6fter kommen sollst. Und ich wei\u00df auch wahrlich, da\u00df du niemals hinein gekommen w\u00e4rest, wenn ich vorher gewust h\u00e4tte, da\u00df du so gro\u00dfe Kraft bes\u00e4\u00dfest, womit du uns beinahe in gro\u00dfes Ungl\u00fcck gebracht h\u00e4ttest. Aber ich habe dir ein Blendwerk vorgemacht, denn das erstemal, als ich dich im Walde fand, war ich es, der mit euch zusammen traf, und als du den Speiseb\u00fcndel l\u00f6sen solltest, da hatt ich ihn mit Eisenb\u00e4ndern zugeschn\u00fcrt, und du fandest nicht wo du ihn \u00f6ffnen solltest. Und darnach schlugst du mir mit dem Hammer drei Schl\u00e4ge und war der erste der geringste und war doch so stark, da\u00df er mein Tod geworden w\u00e4re, wenn er getroffen h\u00e4tte. Aber du sahst bei meiner Halle einen Felsstock und sahst oben darin drei viereckte Th\u00e4ler und eines war das tiefste: das waren die Spuren deiner Hammerschl\u00e4ge. Den Felsstock hielt ich vor deine Hiebe; aber du sahst es nicht. So war es auch mit den Spielen, worin ihr euch mit meinen Hofleuten ma\u00dfet. Das erste war das, worin sich Loki versuchte: er war sehr hungrig und a\u00df stark; aber der, welcher Logi hie\u00df, war das Wildfeuer und verbrannte das Fleisch und den Trog zugleich. Und als Thialfi mit dem um die Wette lief, der Hugi hie\u00df, das war mein Gedanke und nicht wars zu erwarten, da\u00df Thialfi es mit dessen Geschwindigkeit aufnehmen k\u00f6nne. Und als du aus dem Horne trankst und es dir langsam abzunehmen schien, da geschah f\u00fcrwahr ein Wunder, das ich nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte: das andere Ende des Hornes lag au\u00dfen im Meere, das sahst du nicht; wenn du aber jetzt zum Meere kommst, so wirst du sehen k\u00f6nnen, welche gro\u00dfe Abnahme du hinein getrunken hast: das nennt man nun Ebbe. Ferner sprach er: Das dauchte mich nicht weniger werth, als du die Katze lupftest, und dir die Wahrheit zu sagen, da erschraken Alle, die es sahen, als du ihr einen Fu\u00df von der Erde hobst, denn die Katze war nicht, was sie dir schien: es war die Midgardschlange, die um alle Lande liegt, und kaum war sie noch lang genug, da\u00df Schweif und Haupt die Erde ber\u00fchrten, denn so hoch strecktest du den Arm auf, da\u00df nicht weit zum Himmel war. Ein gro\u00dfes Wunder war es auch um den Ringkampf, den du mit Elli rangst, indem Keiner jemals ward noch werden wird, den nicht, wenn er so alt wird, da\u00df Elli ihn erreicht, das Alter zu Fall br\u00e4chte. Nun aber ist die Wahrheit, da\u00df wir scheiden sollen, und wird es uns beiderseits be\u00dfer sein, wenn ihr nicht \u00f6fter kommt mich zu besuchen; ich werde aber auch ein andermal meine Burg mit solchen und andern T\u00e4uschungen schirmen, da\u00df ihr keine Gewalt \u00fcber mich erlangt. Und als Thor diese Rede h\u00f6rte, griff er nach seinem Hammer und hob ihn in die Luft; als er aber zuschlagen wollte, sah er Utgardloki nirgend mehr. Er wandte sich zur\u00fcck nach der Burg und gedachte sie zu brechen: da sah er weite und sch\u00f6ne Felder vor sich, aber keine Burg. Da kehrte er um und zog seines Weges bis er wieder nach Thrudwang kam. Und das ist die Wahrheit, da\u00df er sich vorsetzte zu versuchen ob er mit der Midgardschlange nicht zusammentreffen m\u00f6chte, was seitdem geschah. Nun glaube ich, da\u00df dir Niemand Genaueres von dieser Fahrt Thors sagen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Da sprach Gangleri: Ein gewaltiger Mann mu\u00df Utgardloki sein, und viel mit T\u00e4uschung und Zauberei verm\u00f6gen und seine Gewalt scheint um so gr\u00f6\u00dfer als er Hofleute hat, die gro\u00dfe Macht besitzen. Aber hat die\u00df Thor auch gerochen? Har antwortete: Es ist nicht unbekannt, selbst den Ungelehrten, wie Thor f\u00fcr die Reise, die nun erz\u00e4hlt ward, Ersatz nahm. Er weilte nicht lange daheim, sondern griff so hastig zu dieser Fahrt, da\u00df er weder Wagen noch B\u00f6cke noch Reisegesellschaft mitnahm. Er ging aus \u00fcber Midgard als ein junger Gesell, und kam eines Abends zu einem Riesen, der Ymir hie\u00df. Da blieb Thor und nahm Herberge. Aber als es tagte, stand Ymir auf und machte sich fertig, auf die See zu rudern zum Fischfang. Thor stand auch auf und war gleich bereit und bat, da\u00df Ymir ihn mit sich auf die See rudern lie\u00dfe. Ymir sagte, er k\u00f6nne nur wenig H\u00fclfe von ihm haben, da er so klein und jung sei \u201eund es wird dich frieren, wenn ich so weit hinausfahre und so lange au\u00dfen bleibe wie ich gewohnt bin.\u201c Aber Thor sagte: er d\u00fcrfe um deswillen nur immer recht weit hinausfahren, da es noch ungewiss sei wer von ihnen beiden zuerst auf die R\u00fcckkehr dringen werde; und z\u00fcrnte Thor dem Riesen so, da\u00df wenig fehlte, er h\u00e4tte ihn seinen Hammer f\u00fchlen la\u00dfen. Doch unterlie\u00df er es, weil er seine Kraft anderw\u00e4rts zu versuchen gedachte. Er fragte Ymir, was sie zum K\u00f6der nehmen wollten, und Ymir sagte, er solle sich selber einen K\u00f6der verschaffen. Da ging Thor dahin, wo er eine Heerde Ochsen sah, die Ymirn geh\u00f6rte, und nahm den gr\u00f6sten Ochsen, der Himinbriotr (Himmelsbrecher) hie\u00df, ri\u00df ihm das Haupt ab und nahm das mit an die See. Ymir hatte das Boot unterdes ins Wa\u00dfer gefl\u00f6\u00dft. Thor ging an Bord, setzte sich hinten ins Schiff, nahm zwei Ruder und ruderte so, da\u00df Ymir gedachte, von seinem Rudern habe er gute Fahrt. Ymir ruderte vorn, so da\u00df sie schnell fuhren. Da sagte Ymir, sie w\u00e4ren nun an die Stelle gekommen, wo er gewohnt sei zu halten und Fische zu fangen. Aber Thor sagte, er wolle noch viel weiter rudern: sie fuhren also noch lustig weiter. Da sagte Ymir, sie w\u00e4ren nun so weit hinausgekommen, da\u00df es gef\u00e4hrlich w\u00e4re, in gr\u00f6\u00dferer Ferne zu halten wegen der Midgardschlange. Aber Thor sagte, er werde noch eine Weile rudern und so that er, womit Ymir \u00fcbel zufrieden war. Endlich zog Thor die Ruder ein, und r\u00fcstete eine sehr starke Angelschnur zu, und der Hamen daran war nicht kleiner oder schw\u00e4cher. Thor steckte den Ochsenkopf an die Angel, warf sie von Bord und die Angel fuhr zu Grunde. Da mag man nun f\u00fcrwahr sagen, da\u00df Thor die Midgardschlange nicht minder zum Besten hatte als Utgardloki seiner spottete, da er die Schlange mit seiner Hand heben sollte. Die Midgardschlange schnappte nach dem Ochsenkopf und die Angel haftete dem Wurm im Gaumen. Als die Schlange das merkte, zuckte sie so stark, da\u00df Thor mit beiden F\u00e4usten auf den Schiffsrand geworfen ward. Da ward Thor zornig, fuhr in seine Asenst\u00e4rke und sperrte sich so m\u00e4chtig, da\u00df er mit beiden F\u00fc\u00dfen das Schiff durchstie\u00df und sich gegen den Grund des Meeres stemmte: also zog er die Schlange herauf an Bord. Und das mag man sagen, da\u00df Niemand einen schrecklichen Anblick gesehen hat, der nicht sah wie jetzt Thor die Augen wider die Schlange sch\u00e4rfte und die Schlange von unten ihm entgegen stierte und Gift blies. Da wird gesagt, da\u00df der Riese Ymir die Farbe wechselte und vor Schrecken erbleichte, als er die Schlange sah und wie die See im Boot aus- und einstr\u00f6mte. Aber in dem Augenblick, da Thor den Hammer ergriff und in der Luft erschwang, st\u00fcrzte der Riese hinzu mit seinem Me\u00dfer und zerschnitt Thors Angelschnur, und die Schlange versank in die See, und Thor warf den Hammer nach ihr, und die Leute sagen er habe ihr im Meeresgrund das Haupt abgeschlagen; doch mich d\u00fcnkt, die Wahrheit ist, da\u00df die Midgardschlange noch lebt und in der See liegt. Aber Thor schwang die Faust und traf den Riesen so ans Ohr, da\u00df er \u00fcber Bord st\u00fcrzte und seine Fu\u00dfsohlen sehen lie\u00df. Da watete Thor ans Land.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Haben sich noch andere Abenteuer mit den Asen ereignet? Eine gewaltige Heldenthat hat Thor auf dieser Fahrt verrichtet. Har antwortete: Es mag noch von Abenteuern berichtet werden, die den Asen bedeutender scheinen. Und das ist der Anfang dieser Sage, da\u00df Baldur der gute schwere Tr\u00e4ume tr\u00e4umte, die seinem Leben Gefahr dr\u00e4uten. Und als er den Asen seine Tr\u00e4ume sagte, pflogen sie Rath zusammen und beschlo\u00dfen, dem Baldur Sicherheit vor allen Gefahren auszuwirken. Da nahm Frigg Eide von Feuer und Wa\u00dfer, Eisen und allen Erzen, Steinen und Erden, von B\u00e4umen, Krankheiten und Giften, dazu von allen vierf\u00fc\u00dfigen Thieren, V\u00f6geln und W\u00fcrmern, da\u00df sie Baldurs schonen wollten. Als das geschehen und allen bekannt war, da kurzweilten die Asen mit Baldurn, da\u00df er sich mitten in den Krei\u00df stellte und einige nach ihm scho\u00dfen, andere nach ihm hieben und noch andere mit Steinen warfen. Und was sie auch thaten, es schadete ihm nicht; das dauchte sie Alle ein gro\u00dfer Vortheil. Aber als Loki, Laufeyjas Sohn, das sah, da gefiel es ihm \u00fcbel, da\u00df den Baldur nichts verletzen sollte. Da ging er zu Frigg nach Fensal in Gestalt eines alten Weibes. Da fragte Frigg die Frau, ob sie w\u00fcste was die Asen in ihrer Versammlung vorn\u00e4hmen. Die Frau antwortete: sie sch\u00f6\u00dfen alle nach Baldur; ihm aber schadete nichts. Da sprach Frigg: Weder Waffen noch B\u00e4ume m\u00f6gen Baldurn schaden: ich habe von allen Eide genommen. Da fragte das Weib: Haben alle Dinge Eide geschworen, Baldurs zu schonen? Frigg antwortete: \u00d6stlich von Walhall w\u00e4chst eine Staude, Mistiltein genannt, die schien mir zu jung, sie in Eid zu nehmen. Darauf ging die Frau fort; Loki nahm den Mistiltein, ri\u00df ihn aus und ging zur Versammlung. H\u00f6dur stand zu \u00e4u\u00dferst im Krei\u00dfe der M\u00e4nner, denn er war blind. Da sprach Loki zu ihm, warum schie\u00dfest du nicht nach Baldur? Er antwortete: Weil ich nicht sehe wo Baldur steht; zum Andern hab ich auch keine Waffe. Da sprach Loki: Thu doch wie andere M\u00e4nner und biete Baldurn Ehre wie Alle thun. Ich will dich dahin weisen wo er steht: so schie\u00dfe nach ihm mit diesem Reis. H\u00f6dur nahm den Mistelzweig und scho\u00df nach Baldur nach Lokis Anweisung. Der Schu\u00df flog und durchbohrte ihn, da\u00df er todt zur Erde fiel, und das war das gr\u00f6ste Ungl\u00fcck, das Menschen und G\u00f6tter betraf. Als Baldur gefallen war, standen die Asen alle wie sprachlos und gedachten nicht einmal, ihn aufzuheben. Einer sah den Andern an; ihr Aller Gedanke war wider den gerichtet, der diese That vollbracht h\u00e4tte; aber sie durften es nicht r\u00e4chen: es war an einer heiligen Freist\u00e4tte. Als aber die Asen die Sprache wieder erlangten, da war das erste, da\u00df sie so heftig zu weinen anfingen, da\u00df keiner mit Worten dem Andern seinen Harm sagen mochte. Und Odhin nahm sich den Schaden um so mehr zu Herzen als Niemand so gut wuste als Er, zu wie gro\u00dfem Verlust und Verfall den Asen Baldurs Ende gereichte. Als nun die Asen sich erholt hatten, da sprach Frigg und fragte, wer unter den Asen ihre Gunst und Huld gewinnen und den Helweg reiten wolle um zu versuchen ob er da Baldurn f\u00e4nde, und der Hel L\u00f6segeld zu bieten, da\u00df sie Baldurn heimfahren lie\u00dfe gen Asgard. Und er hie\u00df Hermodhr der schnelle, Odhins Sohn, der diese Fahrt \u00fcbernahm. Da ward Sleipnir, Odhins Hengst, genommen und vorgef\u00fchrt, Hermodhr bestieg ihn und stob davon.<\/p>\n<p>Da nahmen die Asen Baldurs Leiche und brachten sie zur See. Hringhorn hie\u00df Baldurs Schiff, es war aller Schiffe gr\u00f6stes. Das wollten die G\u00f6tter vom Strande sto\u00dfen und Baldurs Leiche darauf verbrennen; aber das Schiff ging nicht von der Stelle. Da ward gen J\u00f6tunheim nach dem Riesenweibe gesendet, die Hyrrockin hie\u00df, und als sie kam, ritt sie einen Wolf, der mit einer Schlange gez\u00e4umt war. Als sie vom Rosse gesprungen war, rief Odhin vier Berserker herbei, es zu halten; aber sie vermochten es nicht anders als indem sie es niederwarfen. Da trat Hyrrockin an das Vordertheil des Schiffes und stie\u00df es im ersten Anfa\u00dfen vor, da\u00df Feuer aus den Walzen fuhr und alle Lande zitterten. Da ward Thor zornig und griff nach dem Hammer und w\u00fcrde ihr das Haupt zerschmettert haben, wenn ihr nicht alle G\u00f6tter Frieden erbeten h\u00e4tten. Da ward Baldurs Leiche hinaus auf das Schiff getragen und als sein Weib, Neps Tochter Nanna, das sah, da zersprang sie vor Jammer und starb. Da ward sie auf den Scheiterhaufen gebracht und Feuer darunter gez\u00fcndet, und Thor trat hinzu und weihte den Scheiterhaufen mit Mi\u00f6lnir, und vor seinen F\u00fc\u00dfen lief der Zwerg, der Lit hie\u00df, und Thor stie\u00df mit dem Fu\u00dfe nach ihm und warf ihn ins Feuer, da\u00df er verbrannte. Und diesem Leichenbrande wohnten vielerlei G\u00e4ste bei: zuerst ist Odhin zu nennen, und mit ihm fuhr Frigg und die Walk\u00fcren und Odhins Raben, und Freyr fuhr im Wagen und hatte den Eber vorgespannt, der Gullinbursti hie\u00df oder Slidrugtanni. Heimdall ritt den Hengst Gulltopp genannt und Freyja fuhr mit ihren Katzen. Auch kam eine gro\u00dfe Menge Hrimthursen und Bergriesen. Odhin legte den Ring, der Draupnir hie\u00df, auf den Scheiterhaufen, der seitdem die Eigenschaft gewann, da\u00df jede neunte Nacht acht gleich sch\u00f6ne Goldringe von ihm tropften. Baldurs Hengst ward mit allem Geschirr zum Scheiterhaufen gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Von Hermodhr aber ist zu sagen, da\u00df er neun N\u00e4chte tiefe dunkle Th\u00e4ler ritt, so da\u00df er nichts sah bis er zum Gi\u00f6llflu\u00dfe kam und \u00fcber die Gi\u00f6llbr\u00fccke ritt, die mit gl\u00e4nzendem Golde belegt ist. Modgudr hei\u00dft die Jungfrau, welche die Br\u00fccke bewacht: die fragte ihn nach Namen und Geschlecht und sagte, gestern seien f\u00fcnf Haufen todter M\u00e4nner \u00fcber die Br\u00fccke geritten, \u201eund nicht donnert sie jetzt minder unter dir allein, und nicht hast du die Farbe todter M\u00e4nner: warum reitest du den Helweg?\u201c Er antwortete: Ich soll zu Hel reiten, Baldur zu suchen. Hast du vielleicht Baldurn auf dem Helwege gesehen? Da sagte sie: Baldur sei \u00fcber die Gi\u00f6llbr\u00fccke geritten; \u201eaber n\u00f6rdlich geht der Weg hinab zu Hel.\u201c Da ritt Hermodhr dahin bis er an das Helgitter kam: da sprang er vom Pferde und g\u00fcrtete ihm fester, stieg wieder auf und gab ihm die Sporen: da setzte der Hengst so m\u00e4chtig \u00fcber das Gitter, da\u00df er es nirgend ber\u00fchrte. Da ritt Hermodhr auf die Halle zu, stieg vom Pferde und trat in die Halle. Da sah er seinen Bruder Baldur auf dem Ehrenplatze sitzen. Hermodhr blieb dort die Nacht \u00fcber. Aber am Morgen verlangte Hermodhr von Hel, da\u00df Baldur mit ihm heim reiten solle, und sagte, welche Trauer um ihn bei den Asen sei. Aber Hel sagte, das solle sich nun erproben, ob Baldur so allgemein geliebt werde als man sage. \u201eUnd wenn alle Dinge in der Welt, lebendige sowohl als todte, ihn beweinen, so soll er zur\u00fcck zu den Asen fahren; aber bei Hel bleiben, wenn Eins widerspricht und nicht weinen will.\u201c Da stand Hermodhr auf und Baldur geleitete ihn aus der Halle, und nahm den Ring Draupnir und sandte ihn Odhin zum Andenken, und Nanna sandte der Frigg einen \u00dcberwurf und noch andere Gaben, und der Fulla einen Goldring. Da ritt Hermodhr seines Weges zur\u00fcck und kam nach Asgard und sagte alle Zeitungen, die er da geh\u00f6rt und gesehen hatte.<\/p>\n<p>Darnach sandten die Asen Boten in alle Welt und geboten, Baldurn aus Hels Gewalt zu weinen. Alle thaten das, Menschen und Thiere, Erde, Steine, B\u00e4ume und alle Erze; wie du schon gesehen haben wirst, da\u00df diese Dinge weinen, wenn sie aus dem Frost in die W\u00e4rme kommen. Als die Gesandten heimfuhren und ihre Gewerbe wohl vollbracht hatten, fanden sie in einer H\u00f6hle ein Riesenweib sitzen, das Th\u00f6ck (D\u00f6ck, Dunkel) genannt war. Die baten sie auch, den Baldur aus Hels Gewalt zu weinen. Sie antwortete:<\/p>\n<p>Th\u00f6ck mu\u00df weinen   mit trocknen Augen<br \/>\n\u00dcber Baldurs Ende.<br \/>\nNicht im Leben noch im Tod   hatt ich Nutzen von ihm:<br \/>\nBehalte Hel was sie hat.<\/p>\n<p>Man meint, da\u00df die\u00df Loki, Laufeyjas Sohn, gewesen sei, der den Asen so viel Leid zugef\u00fcgt hatte.<\/p>\n<p>Da sprach Gangleri: Viel Arges wahrlich hatte Loki zu Wege gebracht, da er erst verursachte, da\u00df Baldur erschlagen wurde, und dann Schuld war, da\u00df er nicht erl\u00f6st ward aus Hels Gewalt. Aber ward das nicht irgendwie an ihm gerochen? Har antwortete: Es ward ihm so vergolten, da\u00df er lange daran gedenken wird. Als die G\u00f6tter so wider ihn aufgebracht waren, wie man erwarten mag, lief er fort und barg sich in einem Berge. Da machte er sich ein Haus mit vier Th\u00fcren, da\u00df er nach dem Hause nach allen Seiten sehen k\u00f6nnte. Oft am Tage verwandelte er sich in Lachsgestalt und barg sich in dem Wa\u00dferfall, der Frananger hie\u00df, und bedachte bei sich, welches Kunstst\u00fcck die Asen wohl erfinden k\u00f6nnten, ihn in dem Wa\u00dferfall zu fangen. Und einst als er daheim sa\u00df, nahm er Flachsgarn und verflocht es zu Maschen, wie man seitdem Netze macht. Dabei brannte Feuer vor ihm. Da sah er, da\u00df die Asen nicht weit von ihm waren, denn Odhin hatte von Hlidskialfs H\u00f6he seinen Aufenthalt ersp\u00e4ht. Da sprang er schnell auf und hinaus ins Wa\u00dfer, nachdem er das Netz ins Feuer geworfen. Und als die Asen zu dem Hause kamen, da ging der zuerst hinein, der von Allen der Weiseste war und Kwasir hie\u00df, und als er im Feuer die Asche sah, wo das Netz gebrannt hatte, da merkte er, da\u00df die\u00df ein Mittel sein sollte, Fische zu fangen und sagte das den Asen. Da fingen sie an und machten ein Netz jenem nach, das Loki gemacht hatte, wie sie in der Asche sahen. Und als das Netz fertig war, gingen sie zu dem Flu\u00dfe und warfen das Netz in den Wa\u00dferfall. Thor hielt das eine Ende, das andere die \u00fcbrigen Asen, und nun zogen sie das Netz. Aber Loki schwamm voran und legte sich am Boden zwischen zwei Steine, so da\u00df das Netz \u00fcber ihn hinweggezogen ward; doch merkten sie wohl, da\u00df etwas Lebendiges vorhanden sei. Da gingen sie abermals an den Wa\u00dferfall und warfen das Netz aus, nachdem sie Etwas so schweres daran gebunden hatten, da\u00df nichts unten durchschl\u00fcpfen mochte. Loki fuhr vor dem Netze her, und als er sah, da\u00df es nicht weit von der See sei, da sprang er \u00fcber das ausgespannte Netz und lief zur\u00fcck in den Sturz. Nun sahen die Asen wo er geblieben war: da gingen sie wieder an den Wa\u00dferfall und theilten sich in zwei Haufen nach den beiden Ufern des Flu\u00dfes. Thor aber mitten im Flu\u00dfe watend folgte ihnen bis an die See. Loki hatte nun die Wahl, entweder mit Lebensgefahr nach der See zu ziehen oder abermals \u00fcber das Netz zu springen. Er that das Letzte und sprang schnell \u00fcber das ausgespannte Netz. Thor griff nach ihm und kriegte ihn in der Mitte zu fa\u00dfen; aber er glitt ihm in der Hand, so da\u00df er ihn erst am Schwanz wieder festhalten mochte. Darum ist der Lachs hinten spitz. Nur war Loki friedlos gefangen. Sie brachten ihn in eine H\u00f6hle, und nahmen drei lange Felsenst\u00fccke, stellten sie auf die schmale Kante und schlugen ein Loch in jedes. Dann wurden Lokis S\u00f6hne, Wali und Nari oder Narwi, gefangen. Den Wali verwandelten die Asen in Wolfsgestalt: da zerri\u00df er seinen Bruder Narwi. Da nahmen die Asen seine D\u00e4rme und banden den Loki damit \u00fcber die drei Felsen: der eine stand ihm unter den Schultern, der andere unter den Lenden, der dritte unter den Kniegelenken; die B\u00e4nder aber wurden zu Eisen. Da nahm Skadi einen Giftwurm und befestigte ihn \u00fcber ihm, damit das Gift aus dem Wurm ihm ins Antlitz tr\u00e4ufelte. Und Sigyn, sein Weib, steht neben ihm und h\u00e4lt ein Becken unter die Gifttropfen. Und wenn die Schale voll ist, da geht sie und gie\u00dft das Gift aus; derweil aber tropft ihm das Gift ins Angesicht, wogegen er sich so heftig str\u00e4ubt, da\u00df die ganze Erde sch\u00fcttert, und das ists was man Erdbeben nennt. Dort liegt er in Banden bis zur G\u00f6tterd\u00e4mmerung.<\/p>\n<p>Da sprach Gangleri: Was f\u00fcr Zeitungen sind zu sagen von der G\u00f6tterd\u00e4mmerung? Ich h\u00f6rte dessen nie zuvor erw\u00e4hnen. Har antwortete: Davon sind viele und wichtige Zeitungen zu sagen. Zum Ersten, da\u00df ein Winter kommen wird, Fimbulwinter genannt. Da st\u00f6bert Schnee von allen Seiten, da ist der Frost gro\u00df und sind die Winde scharf, und die Sonne hat ihre Kraft verloren. Dieser Winter kommen dreie nacheinander und kein Sommer dazwischen. Zuvor aber kommen drei andere Jahre, da die Welt mit schweren Kriegen erf\u00fcllt sein wird. Da werden sich Br\u00fcder aus Habgier ums Leben bringen und der Sohn des Vaters, der Vater des Sohnes nicht schonen. So hei\u00dft es in der W\u00f6luspa:<\/p>\n<p>Br\u00fcder befehden sich   und f\u00e4llen einander,<br \/>\nGeschwisterte sieht man   die Sippe brechen.<br \/>\nUnerh\u00f6rtes er\u00e4ugnet sich,   gro\u00dfer Ehbruch.<br \/>\nBeilalter, Schwertalter,   wo Schilde klaffen,<br \/>\nWindzeit, Wolfszeit,   eh die Welt zerst\u00fcrzt.<br \/>\nDer Eine achtet   des Andern nicht mehr.<\/p>\n<p>Da geschieht es, was die schrecklichste Zeitung d\u00fcnken wird: da\u00df der Wolf die Sonne verschlingt den Menschen zu gro\u00dfem Unheil. Der andere Wolf wird den Mond packen und so auch gro\u00dfen Schaden thun und die Sterne werden vom Himmel fallen. Da wird sich auch er\u00e4ugnen, da\u00df so die Erde bebt und alle Berge, da\u00df die B\u00e4ume entwurzelt werden, die Berge zusammenst\u00fcrzen und alle Ketten und Bande brechen und rei\u00dfen. Da wird der Fenriswolf los und das Meer \u00fcberflutet das Land, weil die Midgardschlange wieder Jotenmuth annimmt und das Land sucht. Da wird auch Naglfar flott, das Schiff, das so hei\u00dft und aus N\u00e4geln der Todten gemacht ist, weshalb wohl die Warnung am Ort ist, da\u00df, wenn ein Mensch stirbt, ihm die N\u00e4gel nicht unbeschnitten bleiben, womit der Bau des Schiffes Naglfar beschleunigt w\u00fcrde, den doch G\u00f6tter und Menschen versp\u00e4tet w\u00fcnschen. Bei dieser \u00dcberschwemmung aber wird Naglfar flott. Hrymr hei\u00dft der Riese, der Naglfar steuert. Der Fenriswolf f\u00e4hrt mit klaffendem Rachen umher, da\u00df sein Oberkiefer den Himmel, der Unterkiefer die Erde ber\u00fchrt, und w\u00e4re Raum dazu, er w\u00fcrde ihn noch weiter aufsperren. Feuer gl\u00fcht ihm aus Augen und Nasen. Die Midgardschlange speit Gift aus, da\u00df Luft und Meer entz\u00fcndet werden; entsetzlich ist ihr Anblick, indem sie dem Wolf zur Seite k\u00e4mpft. Von diesem L\u00e4rmen birst der Himmel: da kommen Muspels S\u00f6hne hervorgeritten. Surtur f\u00e4hrt an ihrer Spitze, vor ihm und hinter ihm gl\u00fchendes Feuer. Sein Schwert ist wunderscharf und gl\u00e4nzt heller als die Sonne. Indem sie \u00fcber die Br\u00fccke Bifr\u00f6st reiten, zerbricht sie, wie vorhin gesagt ward. Da ziehen Muspels S\u00f6hne nach der Ebne, die Wigrid hei\u00dft; dahin kommt auch der Fenriswolf und die Midgardschlange, und auch Loki wird dort sein und Hrymr und mit ihm alle Hrimthursen. Mit Loki ist Hels ganzes Gefolge und Muspels S\u00f6hne haben ihre eigene gl\u00e4nzende Schlachtordnung. Die Ebne Wigrid ist hundert Rasten breit nach allen Seiten.<\/p>\n<p>Und wenn diese Dinge sich begeben, erhebt sich Heimdall und st\u00f6\u00dft aus aller Kraft ins Giallarhorn und weckt alle G\u00f6tter, die dann Rath halten. Da reitet Odhin zu Mimirs Brunnen und holt Rath von Mimir f\u00fcr sich und sein Gefolge. Die Esche Yggdrasil bebt und Alles erschrickt im Himmel und auf Erden. Die Asen wappnen sich zum Kampf und alle Einherier eilen zur Walstatt. Zuvorderst reitet Odhin mit dem Goldhelm, dem sch\u00f6nen Harnisch und dem Spie\u00df, der Gungnir hei\u00dft. So eilt er dem Fenriswolf entgegen, und Thor schreitet an seiner Seite, mag ihm aber wenig helfen, denn er hat vollauf zu thun, mit der Midgardschlange zu k\u00e4mpfen. Freyr streitet wider Surtur und k\u00e4mpfen sie ein hartes Treffen bis Freyer erliegt, und wird das sein Tod, da\u00df er sein gutes Schwert misst, das er dem Skirnir gab. Inzwischen ist auch Garm, der Hund, losgeworden, der vor der Gnipah\u00f6hle gefe\u00dfelt lag: das giebt das gr\u00f6ste Unheil, da er mit Tyr k\u00e4mpft und Einer den Andern zu Falle bringt. Dem Thor gelingt es, die Midgardschlange zu t\u00f6dten; aber kaum ist er neun Schritte davongegangen, so f\u00e4llt er todt zur Erde von dem Gifte, das der Wurm auf ihn gespieen hat. Der Wolf verschlingt Odhin und wird das sein Tod. Alsbald kehrt sich Widar gegen den Wolf und setzt ihm den Fu\u00df in den Unterkiefer. An diesem Fu\u00dfe hat er den Schuh, zu dem man alle Zeiten hindurch sammelt, die Lederstreifen n\u00e4mlich, welche die Menschen von ihren Schuhen schneiden, wo die Zehen und Fersen sitzen. Darum soll diese Streifen ein Jeder wegwerfen, der darauf bedacht ist, den Asen zu H\u00fclfe zu kommen. Mit der Hand greift Widar dem Wolf nach dem Oberkiefer und rei\u00dft ihm den Rachen entzwei und wird das des Wolfes Tod. Loki k\u00e4mpft mit Heimdall und erschl\u00e4gt Einer den Andern. Darauf schleudert Surtur Feuer \u00fcber die Erde und verbrennt die ganze Welt. So hei\u00dft es in der W\u00f6luspa:<\/p>\n<p>Ins erhobne Horn   bl\u00e4st Heimdall laut;<br \/>\nOdhin murmelt   mit Mimirs Haupt.<\/p>\n<p>Yggdrasil zittert,   die ragende Esche;<br \/>\nEs rauscht der alte Baum,   da der Riese frei wird.<\/p>\n<p>Was ist mit den Asen,   was ist mit den Alfen?<br \/>\nAll J\u00f6tunheim \u00e4chzt,   die Asen versammeln sich.<br \/>\nDie Zwerge st\u00f6hnen   vor steinernen Th\u00fcren,<br \/>\nDer Bergwege Weiser:   wi\u00dft ihr was das bedeutet?<\/p>\n<p>Hrym f\u00e4hrt von Osten,   es hebt sich die Flut;<br \/>\nJ\u00f6rmungandr w\u00e4lzt sich   im J\u00f6tunmuthe.<br \/>\nDer Wurm schl\u00e4gt die Brandung,   aufschreit der Adler,<br \/>\nLeichen zerrei\u00dft er;   Naglfar wird los.<\/p>\n<p>Der Kiel f\u00e4hrt von Osten,   Muspels S\u00f6hne kommen<br \/>\n\u00dcber die See gesegelt,   und Logi steuert.<br \/>\nDes Unthiers Abkunft   ist all mit dem Wolf;<br \/>\nAuch Bileists Bruder   ist ihm verbunden.<\/p>\n<p>Surtur f\u00e4hrt von S\u00fcden   mit flammendem Schwert,<br \/>\nVon seiner Klinge scheint   die Sonne der G\u00f6tter.<br \/>\nSteinberge st\u00fcrzen,   Riesinnen straucheln,<br \/>\nZu Hel fahren Helden,   der Himmel klafft.<\/p>\n<p>Nun hebt sich Hlins   anderer Harm,<br \/>\nDa Odhin eilt   zum Angriff des Wolfs.<br \/>\nBelis M\u00f6rder   mi\u00dft sich mit Surtur:<br \/>\nDa f\u00e4llt Friggs   einzige Freude.<\/p>\n<p>Nicht s\u00e4umt Siegvaters   erhabner Sohn,<br \/>\nMit dem Leichenwolf   Widar zu fechten:<br \/>\nEr st\u00f6\u00dft dem Hwedrungssohn   den Stahl ins Herz<br \/>\nDurch g\u00e4hnenden Rachen:   so r\u00e4cht er den Vater.<\/p>\n<p>Da schreitet der sch\u00f6ne   Sohn Hlodyns<br \/>\nDer Natter n\u00e4her,   der neidgeschwollnen.<br \/>\nMuthig trifft sie   Midgards Weiher;<br \/>\nDoch f\u00e4hrt neun Fu\u00df weit   Fi\u00f6rgins Sohn.<br \/>\nAlle Wesen m\u00fc\u00dfen   die Weltstatt r\u00e4umen.<\/p>\n<p>Schwarz wird die Sonne,   die Erde sinkt ins Meer,<br \/>\nVom Himmel fallen   die heitern Sterne;<br \/>\nGlutwirbel umw\u00fchlen   den alln\u00e4hrenden Weltbaum,<br \/>\nDie hei\u00dfe Lohe   beleckt den Himmel.<\/p>\n<p>Auch hei\u00dft es so:<\/p>\n<p>Widgrid hei\u00dft das Feld,   wo sich finden zum Kampf<br \/>\nSurtur und die selgen G\u00f6tter.<br \/>\nHundert Rasten   hat er rechts und links:<br \/>\nSolcher Walplatz wartet ihrer.<\/p>\n<p>Da fragte Gangleri: Was geschieht hernach, wenn Himmel und Erde verbrannt sind und alle Welten und die G\u00f6tter alle todt sind und alle Einherier und alles Menschenvolk? Ihr habt vorhin doch gesagt, da\u00df ein jeder Mensch in irgend einer Welt leben soll durch alle Zeiten. Har antwortete: Es giebt viel gute und viel \u00fcble Aufenthalte; am besten ists, in Gimil zu sein. Sehr gut ist es auch f\u00fcr die, welche einen guten Trunk lieben, in dem Saale, der Brimir hei\u00dft und gleichfalls im Himmel steht. Ein guter Saal ist auch jener, der Sindri hei\u00dft und auf den Nidabergen steht, ganz aus rothem Gold gebaut. Diese S\u00e4le sollen nur gute und rechtschaffene Menschen bewohnen. In Nastrand (Leichenstrand) ist ein gro\u00dfer aber \u00fcbler Saal, dessen Th\u00fcren nach Norden sehen. Er ist mit Schlangenr\u00fccken gedeckt, und die H\u00e4upter der Schlangen sind alle in das Haus hineingekehrt und speien Gift, da\u00df Str\u00f6me davon durch den Saal rinnen, durch welche Eidbr\u00fcchige und Meuchelm\u00f6rder waten, wie es hei\u00dft:<\/p>\n<p>Einen Saal seh ich,   der Sonne fern,<br \/>\nIn Nastrand; die Th\u00fcren   sind nordw\u00e4rts gekehrt.<br \/>\nGifttropfen fallen   durch die Fenster nieder;<br \/>\nAus Schlangenr\u00fccken   ist der Saal gewunden.<br \/>\nIm starrenden Strome   stehn da und waten<br \/>\nMeuchelm\u00f6rder   und Meineidige.<\/p>\n<p>Aber in Hwergelmir ist es am Schlimmsten:<\/p>\n<p>Da saugt Nidh\u00f6ggr   der Entseelten Leichen.<\/p>\n<p>Da sprach Gangleri: Leben denn dann noch G\u00f6tter und giebt es noch eine Erde oder einen Himmel? Har antwortete: Die Erde taucht aus der See auf, gr\u00fcn und sch\u00f6n, und Korn w\u00e4chst darauf unges\u00e4t. Widar und Wali leben noch, weder die See noch Surturs Lohe hatte ihnen geschadet. Sie wohnen auf dem Idafeld, wo zuvor Asgard war. Auch Thors S\u00f6hne, Modi und Magni, stellen sich ein und bringen den Mi\u00f6lnir mit. Darnach kommen Baldur und H\u00f6dur aus dem Reiche Hels: da sitzen sie alle beisammen und besprechen sich und gedenken ihrer Heimlichkeiten, und sprechen von Zeitungen, die vordem sich er\u00e4ugnet, von der Midgardschlange und dem Fenriswolf. Da finden sie im Grase die Goldtafeln, welche die Asen bese\u00dfen haben. Wie es hei\u00dft:<\/p>\n<p>Widar und Wali   walten des Heiligthums,<br \/>\nWenn Surturs Lohe losch.<br \/>\nModi und Magni   sollen Mi\u00f6lnir schwingen,<br \/>\nUnd zu Ende k\u00e4mpfen den Krieg.<\/p>\n<p>An einem Orte, Hoddmimirs-Holz genannt, verbargen sich w\u00e4hrend Surturs Lohe zwei Menschen, Lif und Lifthrasir genannt und n\u00e4hrten sich vom Morgenthau. Von diesen beiden stammt ein so gro\u00dfes Geschlecht, da\u00df es die ganze Welt bewohnen wird. So hei\u00dft es hier:<\/p>\n<p>Lif und Lifthrasir   leben verborgen<br \/>\nIn Hoddmimirs Holz;<br \/>\nMorgenthau   ist all ihr Mal.<br \/>\nVon ihnen stammt ein neu Geschlecht.<\/p>\n<p>Und das wird dich wunderbar denken, da\u00df die Sonne eine Tochter geboren hat, nicht minder sch\u00f6n als sie selber: die wird nun die Bahn der Mutter wandeln. So hei\u00dft es hier:<\/p>\n<p>Eine Tochter entstammt   der stralenden G\u00f6ttin,<br \/>\nEh der Wolf sie w\u00fcrgt.<br \/>\nGl\u00e4nzend f\u00e4hrt   nach der G\u00f6tter Fall<br \/>\nDie Maid auf den Wegen der Mutter.<\/p>\n<p>Wenn du aber nun weiter fragen willst, so wei\u00df ich nicht woher dir das kommt, denn nie h\u00f6rt ich Jemanden mehr von den Schicksalen der Welt berichten. Nimm also hiemit vorlieb.<\/p>\n<p>54. Darauf h\u00f6rte Gangleri ein gro\u00dfes Get\u00f6se rings um sich her. Und als er sich wandte, und recht um sich blickte, fand er sich alleine stehen auf einer weiten Ebene und sah weder Halle noch Burg mehr. Da ging er seines Weges fort und kam zur\u00fcck in sein Reich, und erz\u00e4hlte die Zeitungen, die er geh\u00f6rt und gesehen hatte, und nach ihm erz\u00e4hlte Einer dem Andern diese Geschichten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6nig Gylfi beherschte das Land, das nun Swithiod (Schweden) hei\u00dft. 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