{"id":2372,"date":"2014-12-30T19:45:53","date_gmt":"2014-12-30T18:45:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2372"},"modified":"2014-12-30T19:45:53","modified_gmt":"2014-12-30T18:45:53","slug":"grottenlied","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2372","title":{"rendered":"Grottenlied"},"content":{"rendered":"<p>Nun kamen wir her   zu des K\u00f6nigs Haus<br \/>\nVorwi\u00dfende Frauen,   Fenja und Menja.<br \/>\nBei Frodi werden,   Fridleifs Sohne,<br \/>\nDie m\u00e4chtigen Maide   als M\u00e4gde gehalten.<\/p>\n<p>Man f\u00fchrte zur M\u00fchle   die Frauen alsbald,<br \/>\nDie Schrotsteine   sollten sie r\u00fchren.<br \/>\nEr lie\u00df ihnen l\u00e4nger   nicht Ruhe la\u00dfen<br \/>\nAls solang er h\u00f6rte   die M\u00e4gde singen.<\/p>\n<p>Da lie\u00dfen sie knattern   die knarrende M\u00fchle:<br \/>\n\u201eUmschwingen wir Starken   den leichten Stein.\u201c<br \/>\nNur mehr zu malen   bat er die M\u00e4gde.<\/p>\n<p>Sie sangen und schwangen   den schnaubenden Stein<br \/>\nBis Frodis Volk   in Schlaf verfiel.<br \/>\nDa sang Menja,   die malen sollte:<\/p>\n<p>\u201eWir malen dem Frodi   Macht und Reichtum<br \/>\nUnd goldenes Gut   auf des Gl\u00fcckes M\u00fchle.<br \/>\nEr sitz ihm im Schoo\u00df   und schlaf\u2019 auf Daunen<br \/>\nNach Wunsch erwachend:   das ist wohl gemalen.<\/p>\n<p>\u201eNie soll hier Einer   dem Andern schaden,<br \/>\nHinterhalt legen,   Unheil ersinnen,<br \/>\nMit scharfem Schwerte   nicht Wunden schlagen,<br \/>\nUnd f\u00e4nd er gebunden   des Bruders M\u00f6rder.\u201c<\/p>\n<p>Da war es das erste   Wort, das er sprach:<br \/>\n\u201eHaltet nicht l\u00e4nger ein   als der Hauskuckuck schl\u00e4ft,<br \/>\nOder nur w\u00e4hrend   eine Weis[WS 1] ich singe.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNicht warst du, Frodi,   vorsichtig genug,<br \/>\nDen Mannen holdselig,   als du M\u00e4gde kauftest:<br \/>\nAuf St\u00e4rke sahst du   und sch\u00f6nes Antlitz;<br \/>\nAchtetest ihrer   Abkunft nicht.<\/p>\n<p>\u201eHart war Hrungnir   und hart sein Vater,<br \/>\nDoch st\u00e4rker als sie   scheint mir Thiassi.<br \/>\nIdi und \u00d6rnir sind   unsere V\u00e4ter,<br \/>\nDer Bergriesen Br\u00fcder,   die uns beide zeugten.<\/p>\n<p>\u201eNicht w\u00e4r Grotti gekommen   aus grauem Felsen,<br \/>\nNicht der schwere Schrotstein   aus dem Schoo\u00df der Erde,<br \/>\nNicht r\u00fchrte den Mandel   des Bergriesen Tochter,<br \/>\nW\u00e4re das Wem   der Menschen bewust.<\/p>\n<p>\u201eWir waren Gespielen   neun Winter lang,<br \/>\nDa unter der Erde   man uns erzog:<br \/>\nDa \u00fcbten wir M\u00e4gde   schon manche Gro\u00dfthat,<br \/>\nFa\u00dften Felsen   sie fort zu r\u00fccken.<\/p>\n<p>\u201eWir w\u00e4lzten die Steine   zu den Riesenwohnungen:<br \/>\nDie Erd im Grunde   begann zu zittern.<br \/>\nWir stie\u00dfen und st\u00fcrzten   den Stein, da\u00df er \u00e4chzte,<br \/>\nDie ragende Felswand   ward Menschen erreichbar.<\/p>\n<p>\u201eSeitdem geschahs,   da\u00df in Schweden wir<br \/>\nVorwi\u00dfende Frauen   die Heerschar f\u00fchrten,<br \/>\nB\u00e4ren birschten,   Schilde brachen,<br \/>\nEntgegen gingen   grau geschientem Heer.<br \/>\nWir st\u00fcrzten Stammf\u00fcrsten,   st\u00fctzten Andre:<br \/>\nGutthorm dem guten   gaben wir Beistand,<br \/>\nFeierten nicht fr\u00fcher   bis Knui fiel.<\/p>\n<p>\u201eSolcherlei schufen wir   Sommer und Winter<br \/>\nBis wir als K\u00e4mpen   wurden bekannt.<br \/>\nMit scharfen Speren   schlugen wir Wunden<br \/>\nIn Fleisch und Gebein   und f\u00e4rbten die Klingen.<\/p>\n<p>\u201eNun sind wir gekommen   zu des K\u00f6nigs Haus<br \/>\nUnd werden unmenschlich   als M\u00e4gde behandelt:<br \/>\nGrus fri\u00dft die Sohlen   und K\u00e4lte die Glieder;<br \/>\nWir malen dem Feinde:   schlimm ists bei Frodi.<\/p>\n<p>\u201eRuhet nun, H\u00e4nde,   raste nun, Stein,<br \/>\nGenug von Mir   gemalen ist nun.<br \/>\nDoch haben die H\u00e4nde   hier nicht Ruhe<br \/>\nBis Frodi meint   genug sei gemalen.<\/p>\n<p>\u201eSo greifet nun, Helden,   zu harten Geeren,<br \/>\nZu triefenden Waffen.   Erwache, Frodi!<br \/>\nErwache, Frodi!   willst du lauschen<br \/>\nUnserm Singen   und alten Sagen.<\/p>\n<p>\u201eFeuer seh ich brennen   \u00f6stlich der Burg,<br \/>\nKriegsbotschaft kommt,   das verk\u00fcndet die Glut.<br \/>\nEin Heer ist im Anzug,   eindringt es hier,<br \/>\nUnd verbrennt alsbald die Burg   dem F\u00fcrsten.<\/p>\n<p>\u201eNicht magst du mehr halten   den Stuhl in Hledra<br \/>\nMit rothen Spangen   und sp\u00e4hem Gestein.<br \/>\nM\u00e4chtiger malen   wir M\u00e4gde noch.<br \/>\nNoch weilst du, Walmaid,   dem Walfeld fern.<\/p>\n<p>\u201eTapfer malt   meines Vaters Tochter,<br \/>\nDenn vieler F\u00fcrsten   Fall sieht sie nahn.<br \/>\nSchwere St\u00fccke   springen von der M\u00fchle,<br \/>\nEisen beschlagene:   doch immer gemalen!<\/p>\n<p>\u201eNur immer gemalen!   Yrsas Sohn,<br \/>\nHalfdans Enkel   wird Frodi r\u00e4chen.<br \/>\nEr wird von ihr   gehei\u00dfen werden<br \/>\nSohn und Bruder;   wir beide wi\u00dfens!\u201c<\/p>\n<p>Die M\u00e4gde malten   aus aller Macht:<br \/>\nDie Jungen waren   in Jotenzorn.<br \/>\nDie Malstange brach,   die M\u00fchle ri\u00df,<br \/>\nDer m\u00e4chtige M\u00fchlstein   fuhr mitten entzwei.<\/p>\n<p>Die Bergriesen-   br\u00e4ute sprachen:<br \/>\n\u201eNun finden wir, Frodi,   wohl Feierabend:<br \/>\nGenug gemalen   haben wir M\u00e4gde.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kamen wir her zu des K\u00f6nigs Haus Vorwi\u00dfende Frauen, Fenja und Menja. 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