{"id":2356,"date":"2014-12-30T19:31:01","date_gmt":"2014-12-30T18:31:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2356"},"modified":"2014-12-30T19:33:06","modified_gmt":"2014-12-30T18:33:06","slug":"thors-und-hrungnirs-kampf","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2356","title":{"rendered":"Thors und Hrungnirs Kampf"},"content":{"rendered":"<p>Thor war nach Osten gezogen, Unholde zu t\u00f6dten. Odhin ritt auf Sleipnir gen J\u00f6tunheim und kam zu dem Riesen, der Hrungnir hie\u00df. Da fragte Hrungnir, welchen Mann er da sehe mit dem Goldhelm, der Luft und Wa\u00dfer reite? Er sagte auch, er reite ein sehr gutes Ross. Da sagte Odhin, er wolle sein Haupt verwetten, da\u00df kein so gutes Ross in J\u00f6tunheim sei. Hrungnir sagte, jenes Ross m\u00f6ge gut sein; aber sein eignes Ross, das Gullfaxi hei\u00dfe, mache viel weitere Spr\u00fcnge. Hrungnir ward zornig, sprang auf sein Ross und setzte Odhin nach und gedachte, ihm seine Pralerei zu lohnen. Odhin ritt so schnell, da\u00df er eine gute Strecke voraus war; aber Hrungnir war in so gro\u00dfem Jotenzorn, da\u00df er nicht merkte wie er schon innerhalb der Asenmauer sei. Als er nun an das Thor der Halle kam, luden ihn die Asen zum Trinkgelag. Er trat in die Halle und begehrte einen Trunk. Sie nahmen die beiden Schalen, aus welchen Thor zu trinken pflegte, und Hrungnir leerte sie beide. Und als er trunken wurde, lie\u00df er das Gro\u00dfsprechen nicht; er sagte, er wolle Walhall nehmen und nach J\u00f6tunheim bringen, Asgard versenken und alle G\u00f6tter t\u00f6dten au\u00dfer Freyja und Sif, die wolle er mit sich heim f\u00fchren. Darauf als Freyja ihm einschenkte, drohte er, den Asen all ihr \u00c4l auszutrinken. Als aber die Asen sein Gro\u00dfsprechen verdro\u00df, nannten sie Thors Namen: alsbald kam Thor in die Halle und schwang den Hammer und fragte zornig, wer Schuld sei, da\u00df hundweise J\u00f6tune da trinken d\u00fcrften, oder dem Hrungnir erlaubt habe, in Walhall zu sein, und warum ihm Freyja einschenke wie bei den Gelagen der Asen? Da antwortete Hrungnir und sagte, indem er mit unfreundlichen Augen auf Thor blickte, Odhin habe ihn zum Trinkgelag gebeten und er sei in dessen Frieden. Da sagte Thor, der Einladung solle den Hrungnir gereuen ehe er hinauskomme. Hrungnir entgegnete, Asathor werde wenig Ehre davon haben, wenn er ihn unbewaffnet t\u00f6dte; mehr Muth verrathe er, wenn er es wage an der L\u00e4ndergrenze bei Griottunagardr mit ihm zu k\u00e4mpfen. Es war gro\u00dfe Unklugheit, sagte er, da\u00df ich Schild und Schleifstein daheim lie\u00df. Wenn ich meine Waffen hier h\u00e4tte, wollten wir gleich einen Holmgang versuchen; da die\u00df aber nicht der Fall ist, so beschuldige ich dich eines Neidingswerks, so du mich wehrlos t\u00f6dten willst. Thor wollte sich der Annahme des Zweikampfes keineswegs entziehen, da er dazu aufgefordert worden ward, was ihm nie zuvor begegnet war.<\/p>\n<p>Da fuhr Hrungnir seines Weges, und sputete sich aus aller Macht bis er gen J\u00f6tunheim kam. Da machte seine Fahrt gro\u00dfes Aufsehen bei den J\u00f6tunen, so wie auch, da\u00df es zwischen ihm und Thor zur Verabredung des Zweikampfs gekommen war. Die J\u00f6tune hielten es f\u00fcr \u00fcberaus wichtig, wer den Sieg erhielte, denn sie f\u00fcrchteten das Schlimmste von Thor, wenn Hrungnir bliebe, denn er war der St\u00e4rkste unter ihnen. Da machten sie auf Griottunagardr einen Mann von Lehm, der neun Rasten hoch war und dreie breit unter den Armen. Sie fanden aber kein Herz, das so gro\u00df war als sich f\u00fcr ihn ziemte, bis sie das einer Stute nahmen, welches sich ihm jedoch nicht haltbar erwies als Thor kam. Hrungnir selbst hatte bekanntlich ein Herz von hartem Stein, scharfkantig und dreiseitig, wie man seitdem das Runenzeichen zu schneiden pflegt, das man Hrungnirs Herz nennt. Auch sein Haupt war von Stein, von Stein auch sein breiter, dicker Schild, und diesen Schild hielt er vor sich, als er auf Griottunagardr stand und Thors wartete. Seine Waffe war ein Schleifstein, den er \u00fcber die Achsel nahm, und nicht mild war er anzuschauen. Ihm zur Seite stand der Lehmriese, der M\u00f6ckurkalfi hie\u00df. Er war aber sehr furchtsam, und man sagt, da\u00df er Wa\u00dfer lie\u00df als er Thor sah. Thor fuhr zum Holmgang und mit ihm Thialfi. Da lief Thialfi voraus, dahin wo Hrungnir stand und sprach zu ihm: Du stehst \u00fcbel beh\u00fctet, J\u00f6tun: zwar hast du den Schild vor dir; aber Thor hat dich gesehen, er f\u00e4hrt niederhalb in die Erde und wird von unten an dich kommen. Darauf warf sich Hrungnir den Schild unter die F\u00fc\u00dfe und stand darauf; die Steinwaffe aber fa\u00dfte er mit beiden H\u00e4nden. Darauf vernahm er Blitze, und h\u00f6rte starke Donnerschl\u00e4ge und sah nun Thor im Asenzorn, der gewaltig heranfuhr, den Hammer schwang und ihn aus der Ferne nach Hrungnir warf. Hrungnir hob die Steinwaffe mit beiden H\u00e4nden, und hielt sie entgegen: da traf sie der Hammer im Fluge und der Schleifstein brach entzwei: der eine Theil fiel zur Erde, und davon sind alle Wetzsteinfelsen gekommen; der andere fuhr in Thors Haupt, so da\u00df er vor sich auf die Erde st\u00fcrzte. Der Hammer Mi\u00f6lnir aber traf den Hrungnir mitten auf das Haupt, und zerschmetterte ihm den Sch\u00e4del zu kleinen St\u00fccken. Er selbst fiel vorw\u00e4rts \u00fcber Thor, so da\u00df sein Fu\u00df auf Thors Halse lag. Thialfi aber griff M\u00f6ckurkalfi an, der mit geringem Ruhme fiel. Darauf ging Thialfi zu Thor und wollte Hrungnirs Fu\u00df von ihm nehmen, hatte aber nicht die Macht dazu. Da gingen die Asen alle hinzu, als sie von Thors Fall h\u00f6rten, und wollten den Fu\u00df von ihm nehmen, brachten es aber auch nicht zu Wege. Da kam Magni herbei, der Sohn Thors und Jarnsaxas, der erst drei Winter alt war, der warf Hrungnirs Fu\u00df von Thor und sprach: Schmach und Schande, Vater! da\u00df ich so sp\u00e4t kam. Ich glaube, ich h\u00e4tte diesen Riesen mit der Faust zur Hel gesandt, w\u00e4r ich mit ihm zusammengetroffen. Da stand Thor auf und empfing seinen Sohn wohl und sagte, er w\u00fcrde ein t\u00fcchtiger Mann werden; auch will ich dir, sagte er, das Ross Gullfaxi geben, das Hrungnir besa\u00df. Da hub Odhin an und sagte, Thor habe \u00fcbel gethan, da\u00df er die\u00df gute Pferd dem Sohne einer Riesenfrau gegeben habe, und nicht seinem Vater. Da fuhr Thor heim gen Thrudwang und der Schleifstein stak in seinem Haupte. Da kam die Wala hinzu, die Groa hie\u00df, die Frau \u00d6rwandils des Kecken; die sang ihre Zauberlieder \u00fcber Thor bis der Schleifstein los ward. Als Thor die\u00df merkte und Hoffnung sch\u00f6pfte, von dem Schleifstein erledigt zu werden, wollte er der Groa die Heilung lohnen und sie froh machen. Da sagte er ihr die Zeitung, da\u00df er von Norden her \u00fcber die Eliwagar gewatet sei und im Korb auf seinem R\u00fccken den \u00d6rwandil aus J\u00f6tunheim getragen habe. Und zum Wahrzeichen gab er an, da\u00df eine Zehe ihm aus dem Korb vorgestanden und erfroren sei: die habe Thor abgebrochen, hinauf an den Himmel geworfen und den Stern daraus gemacht, der \u00d6rwandils Zehe hei\u00dft. Noch sagte Thor, es werde nicht lange mehr anstehen bis \u00d6rwandil heimkomme. Dar\u00fcber ward Groa so erfreut, da\u00df sie ihrer Zauberlieder verga\u00df, und so ward der Schleifstein nicht loser und steckt noch in Thors Haupte. Darum ist es auch eines Jeden Pflicht, solche Steine wegzuwerfen, denn damit r\u00fchrt sich der Stein in Thors Haupt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thor war nach Osten gezogen, Unholde zu t\u00f6dten. 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