{"id":2345,"date":"2014-12-27T12:44:39","date_gmt":"2014-12-27T11:44:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2345"},"modified":"2014-12-27T12:45:06","modified_gmt":"2014-12-27T11:45:06","slug":"hamdismal-das-lied-von-hamdir","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2345","title":{"rendered":"Hamdism\u00e2l (Das Lied von Hamdir)"},"content":{"rendered":"<p>Zeitig huben sich   harmvolle Thaten,<br \/>\nAls Alfe trauerten   um des Tages Anbruch.<br \/>\nZur Morgenstunde   erwachen den Menschen<br \/>\nDie Sorgen alle,   die Herzen beschweren.<\/p>\n<p>Nicht heute war es   noch war es gestern,<br \/>\nLange Zeit   verlief seitdem,<br \/>\nDa\u00df Gudrun trieb,   die Tochter Giukis,<br \/>\nDie jungen S\u00f6hne   Swanhilden zu r\u00e4chen:<\/p>\n<p>\u201eEure Schwester war es,   Swanhild gehei\u00dfen,<br \/>\nDie der stolze J\u00f6rmunrek   von G\u00e4ulen zerstampfen lie\u00df<br \/>\nAuf offnem Wege,   wei\u00dfen und schwarzen,<br \/>\nGrauen, gangzahmen   gotischen Rossen.<\/p>\n<p>\u201eVerla\u00dfen lebt ihr,   Lenker der V\u00f6lker;<br \/>\nIhr allein seid \u00fcbrig   von all meiner Sippe.<br \/>\nIch auch bin einsam   wie die Espe des Waldes:<br \/>\nMeine Freunde fielen   wie der F\u00f6hre die Zweige,<br \/>\nAller Lust bin ich ledig   wie des Laubs ein Baum,<br \/>\nWenn ihm ein Sommersturm   die Zweige besch\u00e4digte.<\/p>\n<p>\u201eSehr ungleich seht ihr   Gunnars Geschlechte (wie S. 240)<\/p>\n<p>Da hub Hamdir an   aus hohem Muth:<br \/>\nDa hast du tr\u00e4ger traun   H\u00f6gnis That gelobt,<br \/>\nAls sie den Sigurd   vom Schlaf erweckten:<br \/>\nDu sa\u00dfest im Bette   und die Sch\u00e4cher lachten.<\/p>\n<p>Deine Bettdecken flo\u00dfen,   die blauwei\u00dfen,<br \/>\nDas k\u00fcnstliche Stickwerk,   von des K\u00fchnen Blut.<br \/>\nSigurd erstarb;   du sa\u00dfest bei dem Todten<br \/>\nDem Lachen gram,   so lohnte dir Gunnar.<\/p>\n<p>Den Atli zu strafen   erschlugst du den Erp<br \/>\nUnd Eitil dazu;   aber am Meisten<br \/>\nSchmerzt&#8216; es dich selber.   So sollte doch<br \/>\nEin Jeder gebrauchen   des durchbohrenden Schwertes<br \/>\nAndern zu schaden,   sich selber nicht.<\/p>\n<p>S\u00f6rli sprach da   aus weisem Sinn:<br \/>\nNicht will ich Worte   wechseln mit der Mutter;<br \/>\nDoch Eins gebricht   an euern Reden:<br \/>\nWas verlangst du, Gudrun,   das du vor Leid nicht sagst?<\/p>\n<p>Du beklagst die Br\u00fcder   und die holden Kinder<br \/>\nUnd spornst zu Streit   die Sp\u00e4tgebornen.<br \/>\nDu wirst dich, Gudrun,   um uns auch gr\u00e4men,<br \/>\nWenn wir fern im Gefecht   von den Rossen fielen. \u2014<\/p>\n<p>Unwirsch ritten sie   aus dem Hofe.<br \/>\nDie thauigen Th\u00e4ler   durchtrabten die J\u00fcnglinge<br \/>\nAuf hunnischen M\u00e4hren   den Mord zu r\u00e4chen.<\/p>\n<p>Sie fanden Erp   auf ihrem Wege,<br \/>\nDer k\u00fchn auf dem R\u00fccken   des Rosses spielte.<br \/>\n\u201eWas hilft es, dem Bl\u00f6den   die Bahnen zu weisen?\u201c<br \/>\nSie schalten den edeln   unehlich geboren.<\/p>\n<p>Sie fragten den tapfern,   da sie ihn trafen:<br \/>\n\u201eWas w\u00fcrdest du fuchsiger   Zwerg uns frommen?\u201c<\/p>\n<p>Erp gab zur Antwort,   andrer Mutter Sohn:<br \/>\n\u201eSo will ich Beistand   euch beiden leisten<br \/>\nWie eine Hand   der andern hilft,<br \/>\nWie Fu\u00df dem Fu\u00df   den Freunden helfen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas frommt der Fu\u00df   dem Fu\u00dfe wohl?<br \/>\nMag eine Hand   der Andern helfen?\u201c<\/p>\n<p>Aus der Scheide ri\u00dfen sie   die scharfe Klinge,<br \/>\nMit dem harten Eisen   Hel zu erfreun.<br \/>\nSie schw\u00e4chten die St\u00e4rke   sich selbst um ein Drittel,<br \/>\nDa ihr junger Bruder   zu Boden st\u00fcrzte.<\/p>\n<p>Sie sch\u00fcttelten die H\u00fcllen,   die Schneide bargen sie,<br \/>\nKleideten, die K\u00e4mpen,   sich in kampflich Gewand.<br \/>\nSie fuhren weiter   unheimliche Wege,<br \/>\nSahn der Schwester Stiefsohn   versehrt am Baum,<br \/>\nAm windkalten Wolfsbaum   westlich der Burg,<br \/>\nAls rief\u2019 er den Raben:   da war \u00fcbel rasten.<\/p>\n<p>Laut in der Halle wars   von lustigen Zechern:<br \/>\nSie h\u00f6rten der Hengste   Hufschall nicht<br \/>\nBis der sorgende W\u00e4chter   das Horn erschallen lie\u00df.<\/p>\n<p>Sie eilten und sagten   dem J\u00f6rmunrek,<br \/>\nUnter Helmen w\u00fcrden   Helden erschaut:<br \/>\n\u201eGebt weislichen Rath,   die Gewaltigen nahn:<br \/>\nStarken M\u00e4nnern zum Schaden   zerstampft ward die Maid.\u201c<\/p>\n<p>J\u00f6rmunrek schmunzelte   und strich sich den Bart;<br \/>\nNicht wollt er sein Streitgewand:   er stritt mit dem Wein.<br \/>\nDas Schwarzhaupt sch\u00fcttelt\u2019 er,   sah nach dem wei\u00dfen Schild<br \/>\nUnd kehrte keck   den Kelch in der Hand:<\/p>\n<p>\u201eSelig schien\u2019 ich mir,   schaut\u2019 ich hier<br \/>\nHamdir und S\u00f6rli   in meiner Halle.<br \/>\nIch b\u00e4nde sie beide   mit Bogensehnen,<br \/>\nAn den Galgen h\u00e4ngt\u2019 ich   Giukis gute Kinder.\u201c<\/p>\n<p>Da rief der Erhabene   von hohen Stufen,<br \/>\nDer Waltende warnte   seine Verwandten:<br \/>\n\u201eD\u00fcrfen diese   so Dreistes wagen,<br \/>\nZwei M\u00e4nner allein   zehn hundert Goten<br \/>\nBinden und b\u00e4ndigen   in der hohen Burg?\u201c<\/p>\n<p>Hall ward im Hofe,   die Humpen st\u00fcrzten<br \/>\nUnd M\u00e4nner ins Blut   aus Menschenbr\u00fcsten.<\/p>\n<p>Da hub Hamdir an   aus hohem Muth:<br \/>\n\u201eErsehnst du, J\u00f6rmunrek,   unser Erscheinen,[WS 1]<br \/>\nDer Vollbr\u00fcder beide   in deiner Burg?<br \/>\nNun siehst du die F\u00fc\u00dfe,   siehst deine H\u00e4nde,<br \/>\nJ\u00f6rmunrek, liegen   und lodern in Glut.\u201c<\/p>\n<p>Dawider hob sich   der hohe Berather,<br \/>\nDen die Br\u00fcnne barg,   wie ein B\u00e4r hob er sich:<br \/>\n\u201eSchleudert Steine,   wenn Gescho\u00dfe nicht haften<br \/>\nNoch scharfe Schwerter,   auf die S\u00f6hne Jonakurs.\u201c<\/p>\n<p>Da hob Hamdir an   aus hohem Muth:<br \/>\n\u201e\u00dcbel thatest du, Bruder,   den Mund zu \u00f6ffnen:<br \/>\nOft aus dem Munde   kommt \u00fcbler Rath.\u201c<\/p>\n<p>S\u00f6rli.<br \/>\nMuth hast du, Hamdir,   h\u00e4ttest du auch Weisheit!<br \/>\nViel mangelt dem Mann,   dem Mutterwitz fehlt.<\/p>\n<p>Nun l\u00e4ge das Haupt,   w\u00e4r Erp am Leben,<br \/>\nUnser tapfrer Bruder,   den wir herw\u00e4rts t\u00f6dteten,<br \/>\nDen raschen Recken;   \u00fcble Disen reizten mich:<br \/>\nDen wir heilig sollten halten,   den haben wir gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>Nicht ziemt\u2019 uns Beiden,   nach der W\u00f6lfe Beispiel<br \/>\nUns selbst grimm zu sein   wie der Nornen Grauhunde,<br \/>\nDie gefr\u00e4\u00dfig sich fristen   im \u00f6den Forst.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n stritten wir:   wir sitzen auf Leichen,<br \/>\nVon uns gef\u00e4llten,   wie Adler auf Zweigen.<br \/>\nHohen Ruhm erstritten wir,   wir sterben heut oder morgen:<br \/>\nDen Abend sieht Niemand   wider der Nornen Spruch.<\/p>\n<p>Da sank S\u00f6rli   an des Saales Ende,<br \/>\nHinter dem Hause   fand Hamdir den Tod.<\/p>\n<p>Die\u00df ist das alte Hamdismal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeitig huben sich harmvolle Thaten, Als Alfe trauerten um des Tages Anbruch. 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