{"id":2339,"date":"2014-12-27T12:38:11","date_gmt":"2014-12-27T11:38:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2339"},"modified":"2014-12-27T12:39:04","modified_gmt":"2014-12-27T11:39:04","slug":"atlamal-das-lied-von-atli","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2339","title":{"rendered":"Atlam\u00e2l (Das Lied von Atli)"},"content":{"rendered":"<p>Die Welt wei\u00df die Unthat,   wie weiland M\u00e4nner<br \/>\nHuben Rath zu halten,   und den heimlichen Vorsatz<br \/>\nMit Schw\u00fcren best\u00e4rkten.   Sie selber b\u00fc\u00dften es<br \/>\nUnd die Erben Giukis,   die arg betrognen.<\/p>\n<p>Die F\u00fcrsten erfa\u00dfte   ihr feindlich Geschick.<br \/>\n\u00dcbel berieth sich Atli   bei aller Klugheit:<br \/>\nDie St\u00fctze st\u00fcrzt\u2019 er sich   im Streit mit sich selbst.<br \/>\nEr sandte schnelle Boten   da\u00df seine Schw\u00e4ger k\u00e4men.<\/p>\n<p>Die schlaue Hausfrau   sann auf Mannesklugheit;<br \/>\nSie wuste die Worte,   die heimlich gewechselten.<br \/>\nIn Noth war die Weise,   die sie retten wollte:<br \/>\nDie Gesandten sollten segeln,   sie selbst daheim sein.<\/p>\n<p>Da ritzte sie Runen:   die verritzte Wingi<br \/>\nEh er sie abgab,   der Unheilstifter.<br \/>\nDie Schiffe steuerten   die Gesandten Atlis<br \/>\nDurch den armreichen Sund,   wo die Schnellen wohnten.<\/p>\n<p>Bei festlicher Freude   ward Feuer gez\u00fcndet;<br \/>\nOb ihrer Ankunft   nicht ahnten sie Trug.<br \/>\nDie der Schwager geschickt,   die Geschenke nahmen sie<br \/>\nUnd hingen sie arglos   auf an der S\u00e4ule.<\/p>\n<p>H\u00f6gnis Hausfrau   h\u00f6rt\u2019 es, Kostbera.<br \/>\nDa ging die kluge   und gr\u00fc\u00dfte die Boten.<br \/>\nAuch Glaumw\u00f6r, Gunnars   Gattin freute sich;<br \/>\nSie gedachte der Pflicht   und pflegte die G\u00e4ste.<\/p>\n<p>Sie luden auch H\u00f6gni,   ob er dann lieber k\u00e4me:<br \/>\nOffen war die Arglist,   beachteten sie\u2019s.<br \/>\nDa verhie\u00df es Gunnar,   wenn H\u00f6gni wolle;<br \/>\nDoch H\u00f6gni bestritt   was der Herscher daf\u00fcr sprach.<\/p>\n<p>Meth brachten die Maide,   es mangelte nichts;<br \/>\nDie F\u00fcllh\u00f6rner kreisten   bis es v\u00f6llig genug schien.<br \/>\nGebettet ward den Boten   aufs allerbeste.<\/p>\n<p>Klug war Kostbera   und kundig der Runen.<br \/>\nSie besah die Lautst\u00e4be   bei des Lichtes Schein,<br \/>\nUnd zwang die Zunge   zu zwiefachem Anschlag:<br \/>\nDenn sie schienen umgeschnitzt   und schwer zu errathen.<\/p>\n<p>Zu Bette ging sie   mit dem Gatten darauf.<br \/>\nDie Leutselge tr\u00e4umte;   auch leugnet\u2019 es nicht<br \/>\nDie Weise dem Gemahl,   als er Morgens erwachte.<\/p>\n<p>\u201eVon Haus willst du, H\u00f6gni:   h\u00fcte dich wohl.<br \/>\nNicht Viele sind vollklug:   fahr ein andermal.<br \/>\nIch errieth die Runen,   die dir ritzte die Schwester:<br \/>\nNicht hat dich die lichte   geladen zu Haus.<\/p>\n<p>\u201eEins fiel mir auf:   ich ahne noch nicht<br \/>\nWas der Weisen begegnete,   so verworren zu schneiden.<br \/>\nDenn so war es angelegt,   als lauschte darunter<br \/>\nEuch t\u00fcckisch der Tod,   trautet ihr der Ladung;<br \/>\nDoch Ein Stab fiel aus,   oder Andre f\u00e4lschten es.\u201c<\/p>\n<p>H\u00f6gni.<br \/>\nMisstrauisch seid ihr;   mir mangelt die Kunde,<br \/>\nUnd la\u00df es bewenden   bis wirs zu lohnen haben.<br \/>\nMit glutrothem Golde   begabt uns der K\u00f6nig.<br \/>\nS\u00e4h ich auch Schreckliches,   ich scheue vor nichts.<\/p>\n<p>Kostbera.<br \/>\n\u00dcbler Ausgang droht,   wenn ihr dahin eilt,<br \/>\nNicht freundlichen Empfang   findet ihr die\u00dfmal.<br \/>\nMir tr\u00e4umte heunt, H\u00f6gni,   ich hehl es nicht:<br \/>\nDie Fahrt gef\u00e4hrdet euch,   wenn mich Furcht nicht tr\u00fcgt.<\/p>\n<p>Lichte Lohe sah ich   dein Laken verzehren:<br \/>\nHoch hob sich die Flamme   meine Halle durchgl\u00fchend.<\/p>\n<p>H\u00f6gni.<br \/>\nHier liegt Leinwand,   die ihr l\u00e4ngst nicht mehr achtet:<br \/>\nWie bald verbrennt sie!   Bettzeug schien dir das.<\/p>\n<p>Kostbera.<br \/>\nEin B\u00e4r brach hier ein,   der uns die B\u00e4nke verschob<br \/>\nMit kratzenden Krammen:   wir kreischten laut auf.<br \/>\nIn den Rachen ri\u00df er uns;   wir r\u00fchrten uns nicht mehr.<br \/>\nTraun, das Get\u00f6se   tobte nicht schlecht.<\/p>\n<p>H\u00f6gni.<br \/>\nEin Ungewitter   kommt \u00fcber uns:<br \/>\nEin Wei\u00dfb\u00e4r schien dir   der Wintersturm.<\/p>\n<p>Kostbera.<br \/>\nEinen Adler sah ich schweben   all den Saal uns entlang.<br \/>\nDas b\u00fc\u00dfen wir bald:   mit Blut betr\u00e4uft\u2019 er uns;<br \/>\nSein \u00e4ngstendes Antlitz   schien mir Atlis H\u00fclle.<\/p>\n<p>H\u00f6gni.<br \/>\nWir schlachten bald:   da mu\u00df Blut wohl flie\u00dfen;<br \/>\nOchsen bedeutets oft,   wenn man von Adlern tr\u00e4umt.<br \/>\nTreue tr\u00e4gt uns Atli   was dir auch tr\u00e4umen mag. \u2014<br \/>\nSie lie\u00dfen es beruhn;   alle Rede hat ein Ende.<\/p>\n<p>Das K\u00f6nigspaar erwachte:   da kam es auch so.<br \/>\nGlaumw\u00f6r gedachte   bedeutender Tr\u00e4ume,<br \/>\nDie Gunnarn hin und her   hinderten zu fahren.<\/p>\n<p>Glaumw\u00f6r.<br \/>\nEinen Galgen glaubt ich dir   Gunnar gebaut.<br \/>\nNattern nagten dich   und noch lebtest du.<br \/>\nDie Welt ward mir w\u00fcst:   was bedeutet das?<\/p>\n<p>Aus der Br\u00fcnne blinkte   ein blutig Eisen;<br \/>\nHart ist, solch Gesicht   dem Geliebten sagen.<br \/>\nDer Geer ging dir   ganz durch den Leib<br \/>\nUnd W\u00f6lfe heulen   h\u00f6rt ich zu beiden Seiten.<\/p>\n<p>Gunnar.<br \/>\nLose Hunde laufen   mit lautem Gebell:<br \/>\nK\u00f6tergekl\u00e4ff   verk\u00fcndet der Lanzentraum.<\/p>\n<p>Glaumw\u00f6r.<br \/>\nEinen Strom sah ich sch\u00e4umen   den Saal hier entlang:<br \/>\nEr stieg und schwoll   und \u00fcberschwemmte die B\u00e4nke.<br \/>\nEuch Br\u00fcdern beiden   zerbrach er die F\u00fc\u00dfe;<br \/>\nNichts d\u00e4mmte die Flut:   das bedeutet was.<\/p>\n<p>Weiber sah ich, verstorbne,   im Saal hier n\u00e4chten,<br \/>\nKampflich gekleidet,   dich zu kiesen bedacht.<br \/>\nAlsbald auf ihre B\u00e4nke   entboten sie dich:<br \/>\nVon dir schieden, besorg ich,   die Schutzg\u00f6ttinnen.<\/p>\n<p>Gunnar.<br \/>\nDas sagst du zu sp\u00e4t,   da es beschlo\u00dfen ist:<br \/>\nWir entfliehn der Fahrt nicht,   die wir zu fahren gelobten.<br \/>\nVieles l\u00e4\u00dft glauben,   da\u00df unser Leben kurz ist. \u2014<\/p>\n<p>Mit leuchtendem Lichte   die reiselustigen<br \/>\nEilten zum Aufbruch;   Andere lie\u00dfens.<br \/>\nNur f\u00fcnfe fuhren,   und doppelt so viel nur<br \/>\nDes Gesindes noch,   denn schlecht wars bedacht.<br \/>\nSnewar und Solar   waren H\u00f6gnis S\u00f6hne;<br \/>\nDer f\u00fcnfte fuhr Orkning   in der F\u00fcrsten Zahl,<br \/>\nDer schnelle Schildtr\u00e4ger,   der Schwager H\u00f6gnis.<\/p>\n<p>Ihnen folgten die Frauen   bis die Furt sie schied.<br \/>\nSt\u00e4ts hemmten die Holden;   man h\u00f6rte sie nicht.<\/p>\n<p>Da begann Glaumw\u00f6r,   Gunnars Gemahl,<br \/>\nZu Wingi gewandt   wie ihr w\u00fcrdig schien:<br \/>\n\u201eIch wei\u00df nicht, wie ihr   guten Willen uns lohnt:<br \/>\nHier warst du ein arger Gast,   wenn \u00dcbels dort geschieht.\u201c<\/p>\n<p>Da verschwur sich Wingi   und schonte sich wenig:<br \/>\n\u201eF\u00fchre mich der Jote hin   wofern ich euch log:<br \/>\nAm Galgen will ich h\u00e4ngen,   heuchelt\u2019 ich Frieden.\u201c<\/p>\n<p>Da hub Bera an   aus biederm Herzen:<br \/>\n\u201eSegelt denn selig   und Sieg geleit euch!<br \/>\nWerd es wie ich w\u00fcnsche   und wehre dem nichts.\u201c<\/p>\n<p>Da hub H\u00f6gni an   Freunden Heil erw\u00fcnschend:<br \/>\n\u201eSeid weis und wohlgemuth,   wie es ergehe!\u201c<br \/>\nSo sprechen Viele,   doch unterschiedlich ists,<br \/>\nDenn Manchem liegt wenig   an dem Geleiter.<\/p>\n<p>Sie sahen sich noch nach   bis sie sich entschwanden;<br \/>\nDa theilten sich die Schicksale,   schieden sich die Wege.<\/p>\n<p>Sie ruderten kr\u00e4ftig,   der Kiel schier zerbarst,<br \/>\nSchwenkten sich stark zur\u00fcck   mit eifrigen Schl\u00e4gen:<br \/>\nDie R\u00fchrpfl\u00f6cke ri\u00dfen,   die Ruder zerbrachen.<br \/>\nUnbefestigt blieb das Fahrzeug,   da sie zu Lande fuhren.<\/p>\n<p>Unlange w\u00e4hrt\u2019 es nun,   la\u00dft es mich k\u00fcrzen,<br \/>\nSo sahn sie die Burg stehn,   die Budli bese\u00dfen.<br \/>\nLaut klirrten die Riegel,   da H\u00f6gni klopfte.<\/p>\n<p>Ein Wort sprach da Wingi,   w\u00fcrd es verschwiegen!<br \/>\n\u201eFahrt fern vom Hause;   Gefahr bringt der Eintritt.<br \/>\nLeicht gingt ihr ins Garn,   und gleich erschl\u00e4gt man euch.<br \/>\nIch trieb euch traulich,   doch Trug stak darunter.<br \/>\nOder bleibt auch hier,   so bau ich euch den Galgen.\u201c<\/p>\n<p>Dawider sprach H\u00f6gni,   nicht zu weichen bedacht;<br \/>\nIhn \u00e4ngstete gar nichts,   wo es galt sich versuchen:<br \/>\nDu sollst uns nicht schrecken,   sieh, es ger\u00e4th nicht:<br \/>\nWagst du ein Wort noch,   wird dir langes \u00dcbel.\u201c<\/p>\n<p>Da hieben sie Wingi   zu Hel ihn zu senden,<br \/>\nGebrauchten der \u00c4xte,   bis der Athem ihm schwand.<\/p>\n<p>Atli mit dem Volk   fuhr in die Panzer.<br \/>\nGer\u00fcstet rannten sie   der Ringmauer zu.<br \/>\nGewechselt wurden   viel Worte des Zorns:<br \/>\n\u201eLange gelobt wars,   euch das Leben zu rauben.\u201c \u2014<\/p>\n<p>\u201eWenig gewahrt man noch   was ihr wider uns vorhabt.<br \/>\nEuch sehn wir unbereit;   wir aber schlugen<br \/>\nUnd erl\u00e4hmten Einen   von Euerm Geleit.\u201c<\/p>\n<p>Wuthgrimm wurden   die das Wort vernahmen.<br \/>\nSie reckten die Finger,   fa\u00dften die Schn\u00fcre<br \/>\nUnd scho\u00dfen scharf,   mit den Schilden sich deckend.<\/p>\n<p>Nun ward es innen kund   was au\u00dfen geschah.<br \/>\nSie h\u00f6rten der Knechte   Gespr\u00e4ch vor der Halle.<\/p>\n<p>Der Geist trieb Gudrunen,   da sie das Graun vernahm:<br \/>\nIm Zorn zerrte sie   die Zierde der Halsketten,<br \/>\nSchleuderte das Silber,   da\u00df die Ringe schli\u00dfen.<\/p>\n<p>Aus ging sie, unsanft   die Angeln schlagend,<br \/>\nFurchtlos trat sie vor   und empfing die G\u00e4ste,<br \/>\nLiebkoste den Niflungen   (der letzte Gru\u00df wars)<br \/>\nMit Herzen und Halsen;   dann hub sie an und sprach noch:<\/p>\n<p>\u201eIch sandt ein Sinnbild   euch zu schrecken damit;<br \/>\nDem Schicksal widersteht man nicht:   ihr solltet nun kommen.\u201c<br \/>\nNoch vermitteln m\u00f6chte sies   mit manchem klugen Wort;<br \/>\nNiemand rieth dazu,   nein, riefen Alle.<\/p>\n<p>Da sah die Seliggeborne   den bittern Kampf begonnen.<br \/>\nErkeckt zu k\u00fchner That   warf sie das Kleid hin,<br \/>\nSchwang das blo\u00dfe Schwert   und sch\u00fctzte der Freunde Leben.<br \/>\nBehaglich war sie nicht im Kampf   wohin sie kam.<\/p>\n<p>Giukis Tochter traf   t\u00f6dlich zwei M\u00e4nner.<br \/>\nDen Bruder Atlis schlug sie,   da\u00df man ihn bahren muste:<br \/>\nBis ein Fu\u00df ihm fehlte   focht sie mit ihm.<br \/>\nDen Andern hieb sie also,   da\u00df er Aufstehns verga\u00df:<br \/>\nDen hatte sie zu Hel gesandt;   ihre H\u00e4nde bebten nicht.<\/p>\n<p>So ward die Wehr hier,   da\u00df es weltkund ist;<br \/>\nDoch ging \u00fcber Alles gar   was die Giukungen wirkten.<br \/>\nSo lange sie lebten   lie\u00dfen die Niflungen<br \/>\nDie Schwerter schwirren,   schwinden die Br\u00fcnnen;<br \/>\nHelme zerhieben sie   nach Herzensgel\u00fcsten.<\/p>\n<p>Sie stritten den Morgen   \u00fcber Mittag hinaus,<br \/>\nVon erster Fr\u00fche   zu voller Tagesh\u00f6h.<br \/>\nVom Blute flo\u00df das Feld,   erf\u00fcllt war der Kampf.<br \/>\nIhrer achtzehn fielen \u2014 die Feinde siegten \u2014<br \/>\nBeiden S\u00f6hnen Beras   und ihrem Bruder Orkning.<\/p>\n<p>Atli begann   grimmig das Wort:<br \/>\n\u201e\u00dcble Schau ist hier   und Euer die Schuld.<br \/>\nHier standen drei\u00dfig   streitbare Degen;<br \/>\nNur eilfe sind \u00fcbrig:   zu arg ist die L\u00fccke!<br \/>\nF\u00fcnf Br\u00fcder waren wir,   als Budli starb:<br \/>\nNun hat Hel die H\u00e4lfte,   verhauen liegen Zweie!<\/p>\n<p>\u201eHerliche Schw\u00e4ger   hatt ich, ich l\u00e4ugn es nicht;<br \/>\nUnweibliches Weib!   wenig genie\u00df ichs.<br \/>\nWir stimmten selten   seit ich dich nahm.<br \/>\nIhr habt mich des Reichtums   beraubt und der Freunde,<br \/>\nMeine Schwester erschlagen:   am Schwersten h\u00e4rmt mich das!\u201c<\/p>\n<p>Gudrun.<br \/>\nGedenkst du des, Atli!   Du thatest zuerst so.<br \/>\nDu hast mir die Mutter   ermordet um Sch\u00e4tze:<br \/>\nIn der H\u00f6hle zu verhungern   war der Hehren Loo\u00df.<br \/>\nL\u00e4cherlich l\u00e4\u00dft es dir   deines Leids zu gedenken:<br \/>\nDurch Gnade der G\u00f6tter   ergeht es dir \u00fcbel.<\/p>\n<p>Atli.<br \/>\nNun mahn ich euch, Mannen,   mehrt den Harm<br \/>\nDem stolzen Weibe:   das s\u00e4h ich gern!<br \/>\nErk\u00e4mpft aus Kr\u00e4ften,   da\u00df Gudrun klagen m\u00fc\u00dfe.<br \/>\nDas l\u00fcstet mich zu schaun,   da\u00df ihr Loo\u00df sie schmerze.<\/p>\n<p>Bemeistert euch H\u00f6gnis,   da\u00df ein Me\u00dfer ihn theile,<br \/>\nRei\u00dft ihm das Herz aus,   seid rasch zur That;<br \/>\nDen grimmen Gunnar,   an den Galgen h\u00e4ngt ihn,<br \/>\nKn\u00fcpft scharf den Strang,   ladet Schlangen dazu.<\/p>\n<p>H\u00f6gni.<br \/>\nThu nach Gefallen,   getrost erwart ichs:<br \/>\nDoch hart bew\u00e4hr ich mich,   der wohl Herberes litt.<\/p>\n<p>Wir hielten euch Stand,   da wir heil waren:<br \/>\nNun sind wir so wund,   du hast volle Gewalt. \u2014<\/p>\n<p>Da redete Beiti,   der Burgwart Atlis:<br \/>\n\u201eLa\u00dft uns Hialli fangen   und H\u00f6gni schonen.<br \/>\nUns hilft das halbe Werk,   und ihm geh\u00f6rt sich das:<br \/>\nWie lang er leben mag,   ein Lump doch bleibt er.\u201c<\/p>\n<p>Der Hafenh\u00fcter erschrak   und hielt nicht Stand;<br \/>\nEr krisch und klagte   und kroch in alle Winkel:<br \/>\nIhr Streit bek\u00e4m ihm schlecht,   den er schuldlos b\u00fc\u00dfe;<br \/>\nUnselig sei der Tag,   da er von der Schweinmast k\u00e4me<br \/>\nUnd der fei\u00dften Kost,   der er lang sich erfreut.<\/p>\n<p>Budlis Schergen zogen   und schliffen das Me\u00dfer;<br \/>\nDer arme Schalk schrie   eh er die Sch\u00e4rfe f\u00fchlte:<br \/>\nNicht zu alt noch war er   die \u00c4cker zu d\u00fcngen;<br \/>\nGern schaff er das Schm\u00e4hlichste,   wenn er Schonung f\u00e4nde,<br \/>\nUnd lache dazu,   behielt\u2019 er das Leben nur.<\/p>\n<p>H\u00f6gni berieth sich,   so rasch th\u00e4t\u2019 es Keiner,<br \/>\nF\u00fcr den Gimpel zu bitten,   da\u00df er entginge.<br \/>\n\u201eDie\u00df Spiel besteh ich   viel leichter selber:<br \/>\nWer wollte weiter   solch Gewinsel h\u00f6ren!\u201c<\/p>\n<p>Sie ergriffen den Guten;   es gab keine Wahl mehr<br \/>\nDes raschen Recken   Gericht zu verschieben.<br \/>\nHell lachte H\u00f6gni,   es h\u00f6rten die M\u00e4nner<br \/>\nWie kampflich er konnte   die Qual erdulden.<\/p>\n<p>Die Zither nahm Gunnar,   mit den Zweigen der F\u00fc\u00dfe<br \/>\nKonnt er sie schlagen,   da\u00df die Sch\u00f6nen klagten,<br \/>\nDie Helden sich h\u00e4rmten,   die ihn h\u00f6rten spielen.<br \/>\nRath sagt\u2019 er den Reichen,   da\u00df entzwei ri\u00dfen Balken.<\/p>\n<p>Die Theuern waren todt   bei Tagesanbruch;<br \/>\nIhnen \u00fcberlebte   allein die Tugend.<\/p>\n<p>Stolz war Atli,   stieg \u00fcber beide,<br \/>\nSagte Harm der Hehren   und h\u00f6hnte sie noch:<br \/>\n\u201eMorgen ists, Gudrun:   du missest deine Holden.<br \/>\nDu selbst hast Schuld,   da\u00df es so erging.\u201c<\/p>\n<p>Gudrun.<br \/>\nNun freust du dich, Atli,   ihren Fall zu berichten.<br \/>\nDoch \u00fcbel gereut dich,   wenn du Alles weist.<br \/>\nWas sie dir vermachten,   ich meld es dir jetzt:<br \/>\nSt\u00e4te Besorgniss;   ich sterbe denn auch.<\/p>\n<p>Atli.<br \/>\nDem werd ich wehren,   ich wei\u00df andern Rath,<br \/>\nNoch halbmal h\u00fclfreichern;   unser Heil verschm\u00e4hn wir oft.<br \/>\nMit M\u00e4gden tr\u00f6st ich dich   und manchem Kleinod,<br \/>\nSchneewei\u00dfem Silber   wie du selbst es w\u00e4hlst.<\/p>\n<p>Gudrun.<br \/>\n\u201eDas w\u00e4hne nimmer:   ich sage Nein dazu.<br \/>\nS\u00fchne verschm\u00e4ht\u2019 ich   eh Solches erging.<br \/>\nGalt ich f\u00fcr grimmig,   nun bin ich es gar;<br \/>\nDen Harm verhehlt\u2019 ich   dieweil H\u00f6gni lebte.<\/p>\n<p>\u201eUns zogen sie auf   in Einem Hause,<br \/>\nViel Spiele zusammen   spielten wir im Walde.<br \/>\nGrimhild gab uns   Gold und Halsschmuck.<br \/>\nDu magst mir nicht b\u00fc\u00dfen   meiner Br\u00fcder Mord:<br \/>\nWas du thust und l\u00e4\u00dfest,   leid ist mir Alles.<\/p>\n<p>\u201eDoch der Frauen Willen wandelt   der M\u00e4nner Gewalt.<br \/>\nDie Krone verdirbt,   wenn die Zweige dorren;<br \/>\nWenn der Bast gebricht   geht der Baum zu Grunde:<br \/>\nDu allein magst, Atli,   aller Dinge nun walten.\u201c<\/p>\n<p>Aus argem Unverstand   schenkt\u2019 ihr Atli Vertrauen;<br \/>\nOffen war die Arglist,   h\u00e4tt er geachtet drauf.<br \/>\nSchlau hehlte Gudrun   des Herzens Meinung;<br \/>\nLeichtsinnig schien sie   auf zwei Schultern zu tragen.<\/p>\n<p>Ein Gelage lie\u00df sie r\u00fcsten   zum Leichenschmaus der Br\u00fcder<br \/>\nAtli wollte auch   seine Todten ehren.<\/p>\n<p>Sie lie\u00dfen die Rede,   das Gelage zu beschicken,<br \/>\nDa\u00df F\u00fcll und \u00dcberflu\u00df   bei der Feier war.<br \/>\nStreng war die Stolze   den Entstammten Budlis:<br \/>\nGegen den Gatten   sann sie grause Rache.<\/p>\n<p>Auf den Block sie zu legen   lockte sie die Kleinen;<br \/>\nDie wilden scheuten,   doch weinten sie nicht:<br \/>\n\u201eAuf der Mutter Schoo\u00df hier   was sollen wir beide?\u201c<\/p>\n<p>\u201eMu\u00df ich es melden?   Ermorden will ich euch;<br \/>\nMich l\u00fcstete l\u00e4ngst   euch das Leben zu nehmen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchlachte die S\u00f6hne denn,   es sch\u00fctzt uns niemand;<br \/>\nDoch lange w\u00e4hrt der Zorn nicht   l\u00e4\u00dfest du ihn aus<br \/>\nAn der muntern Kindheit.\u201c   Die kampfge\u00fcbte Frau<br \/>\nVollbracht es alsbald,   l\u00f6s\u2019te beiden den Hals.<\/p>\n<p>Oft frug Atli,   ob beim Spiel<br \/>\nDie S\u00f6hne seien?   er sehe sie nicht.<\/p>\n<p>Gudrun.<br \/>\nIch eilte mich, Atli,   dir Antwort zu sagen.<br \/>\nDie That verhehlt dir nicht   die Tochter Grimhilds.<br \/>\nNicht freut es dich freilich,   wenn du alles erf\u00e4hrst;<br \/>\nAuch mir schufst du scharfe Pein:   du erschlugst mir die Br\u00fcder.<\/p>\n<p>Selten schlief ich   seit sie gefallen sind.<br \/>\nIch dr\u00e4ute dir heftig;   gedenkst du daran?<br \/>\nMorgen ists, sprachst du:   mir gedenkt es wohl;<br \/>\nNun kam der Abend,   da k\u00fcnd ich dir Gleiches.<\/p>\n<p>Du verlorst die S\u00f6hne,   wie dich nicht verlangte;<br \/>\nAls Becherschalen   stehn ihre Sch\u00e4del hier;<br \/>\nIm Becher bracht ich dir   ihr Blut, das rothe.<\/p>\n<p>An den Spie\u00df gesteckt   schmorten ihre Herzen,<br \/>\nIch gab sie dir zu kosten   f\u00fcr K\u00e4lberherzen:<br \/>\nDu a\u00dfest sie allein   und lie\u00dfest nichts \u00fcbrig,<br \/>\nHast gierig gege\u00dfen   mit guten Malmz\u00e4hnen.<\/p>\n<p>Du kennst deiner Knaben Schicksal,   kaum giebts ein schlimmeres.<br \/>\nMein Loo\u00df erf\u00fcllt ich   und lache nicht drob.<\/p>\n<p>Atli.<br \/>\nGrimm warst du, Gudrun,   da du gegen dein Herz<br \/>\nDer Gebornen Blut mir   in den Becher mischtest,<\/p>\n<p>Deine S\u00f6hne erschlugst   wie dir am Schlimmsten anstand.<br \/>\nMir f\u00fcgst du Leid auf Leid,   l\u00e4\u00dfest mir nicht Ruh.<\/p>\n<p>Gudrun.<br \/>\nWohl erledigt\u2019 ich lieber   des Lebens dich selber;<br \/>\nSchwer genug straft man nicht   solchen K\u00f6nig.<br \/>\nDu vollbrachtest zuvor   beispiellose Unthat,<br \/>\nDie Welt wei\u00df nicht   so wahnsinngen Graus.<br \/>\nNeuen Frevel f\u00fcgtest du   zu dem vorigen heut,<br \/>\n\u00dcbtest arge Schande   beim eignen Leichenmal.<\/p>\n<p>Atli.<br \/>\nAuf Scheitern sollst du brennen,   erst gesteinigt werden.<br \/>\nSo wird dir zu Theil   wonach du trachtetest st\u00e4ts.<\/p>\n<p>Gudrun.<br \/>\nSieh selber morgen   solches zu meiden.<br \/>\nMich leitet sch\u00f6nrer Tod   in ein andres Licht. \u2014<\/p>\n<p>In einer Burg wohnten sie,   warfen sich Wuthblicke,<br \/>\nSchleuderten Fl\u00fcche;   ward keiner froh mehr.<\/p>\n<p>Groll wuchs im Niflungen:   auf Gro\u00dfthat sann er;<br \/>\nEr sagte Gudrunen,   grimm w\u00e4r er Atlin.<br \/>\nDie Frau hatt im Sinn   was H\u00f6gni erfuhr.<br \/>\nSie r\u00fchmt\u2019 ihn selig,   wenn er Rache n\u00e4hme.<br \/>\nDa ward Atli gef\u00e4llt,   unlange w\u00e4hrt\u2019 es:<br \/>\nH\u00f6gnis Sohn erschlug ihn,   und Gudrun selbst.<\/p>\n<p>Der Schnelle sprach   vom Schlaf erweckt,<br \/>\nDer Wunden bewust;   doch wollt er nicht H\u00fclfe:<br \/>\n\u201eWer schlug Budlis Sohn?   Sagt mir die Wahrheit.<br \/>\nNicht leicht verletzt\u2019 er mich:   mein Leben ist hin.\u201c<\/p>\n<p>Gudrun.<br \/>\nDir das zu hehlen ziemt   Grimhilds Erzeugter nicht:<br \/>\nLa\u00df mich die Ursach sein,   da\u00df dein Leben endet,<br \/>\nUnd H\u00f6gnis Sohn zumal,   da\u00df Wunden dich ermatten.<\/p>\n<p>Atli.<br \/>\nZum Mord ri\u00df dich Wuth,   zum widernat\u00fcrlichen.<br \/>\nFalsch ists, den Freund t\u00e4uschen,   der fest vertraut.<\/p>\n<p>Erbeten fuhr ich   dich zu freien von Haus,<br \/>\nDie verwaiste Wittwe,   die wildherzig hie\u00df:<br \/>\nKeine L\u00fcge war es,   das lie\u00dfest du schauen.<br \/>\nWir holten dich ein   mit gro\u00dfem Heergeleit.<br \/>\nAlles war auserw\u00e4hlt   bei unsrer Fahrt.<\/p>\n<p>Aller Pracht war genug   durch preiswerthe G\u00e4ste,<br \/>\nRinder in Vorrath,   die uns reichlich n\u00e4hrten.<br \/>\nF\u00fclle war und \u00dcberflu\u00df,   Viele geno\u00dfen es.<\/p>\n<p>Zum Mahlschatz vermacht ich dir   Menge des Schatzes,<br \/>\nKnechte zehnmal drei,   und zierer M\u00e4gde sieben,<br \/>\nEin sch\u00f6n Geschenk;   des Silbers war viel mehr.<\/p>\n<p>Das nahmst du Alles hin   als w\u00e4r es nichts<br \/>\nNach dem Lande verlangend,   das Budli mir lie\u00df.<br \/>\nFallstricke flochst du mir,   ich empfing nichts Andres.<br \/>\nDie Schwieger lie\u00dfest du   oft sitzen in Thr\u00e4nen;<br \/>\nHeiter hielten wir   niemals Haus.<\/p>\n<p>Gudrun.<br \/>\nNun l\u00fcgst du, Atli!   Doch la\u00df ichs bewenden.<br \/>\nSelten war ich sanft;   doch s\u00e4test du Zwist.<br \/>\nUnb\u00e4ndig strittet   ihr jungen Br\u00fcder,<br \/>\nDa\u00df zu Hel die H\u00e4lfte   deines Hauses fuhr:<br \/>\nZu Grunde ging Alles   was Gl\u00fcck bringen sollte.<\/p>\n<p>Wir drei Geschwister   dauchten unbezwinglich;<br \/>\nWir fuhren von Lande   in Sigurds Gefolge,<br \/>\nSchweiften und steuerten,   sein Schiff ein Jeder,<br \/>\nAuf unsichern Ausgang   ins \u00f6stliche Land.<\/p>\n<p>Einen F\u00fcrsten f\u00e4llten wir;   uns fiel sein Land zu.<br \/>\nDie Hersen huldigten:   wir waren die Herrn.<br \/>\nNach Willk\u00fcr riefen wir   aus dem Wald Verbannte,<br \/>\nGaben dem die Macht,   der keinen Deut besa\u00df.<\/p>\n<p>Jener Hunnische starb,   mein Stand ward geniedert;<br \/>\nHerb war der Jungen Harm   verwittwet zu hei\u00dfen:<br \/>\nDoch h\u00e4rtere Qual wars,   in Atlis Haus zu kommen<br \/>\nDer Verm\u00e4hlten des Mannes,   den zu missen schwer war.<\/p>\n<p>Nie kamst du vom Kampf,   da\u00df uns Kunde ward,<br \/>\nDu habest Streit gesucht   und Sieg dir erfochten.<br \/>\nSt\u00e4ts wolltest du weichen,   nicht Widerstand thun,<br \/>\nDich heimlich halten   was Hohn schuf dem F\u00fcrsten.<\/p>\n<p>Atli.<br \/>\nNun l\u00fcgst du, Gudrun!   So linderst du nicht<br \/>\nUnser herbes Geschick,   das hart ist beiden.<br \/>\nG\u00f6nne nun, Gudrun,   durch deine G\u00fcte<br \/>\nUns die letzte Ehre   beim Leichenbeg\u00e4ngniss.<\/p>\n<p>Gudrun.<br \/>\nEinen Kiel will ich kaufen   und gemalte Kiste,<br \/>\nDas Leintuch w\u00e4chsen,   das den Leib verh\u00fclle,<br \/>\nAuf alle Nothdurft achten   als ob wir uns liebten. \u2014<\/p>\n<p>Todt war nun Atli,   die Freunde trauerten.<br \/>\nDa hielt die Hohe   alle Verhei\u00dfung.<br \/>\nNun sann sich Gudrun   selber zu t\u00f6dten;<br \/>\nDoch gel\u00e4ngt war ihr Leben,   andrer Tod ihr verliehn.<\/p>\n<p>Selig hei\u00dft seitdem   dem solch eine k\u00fchne<br \/>\nTochter geg\u00f6nnt ist,   wie Giuki zeugte.<br \/>\nIn allen Landen   \u00fcberleben wird<br \/>\nDer Verm\u00e4hlten Feindschaft,   wo sie Menschen h\u00f6ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Welt wei\u00df die Unthat, wie weiland M\u00e4nner Huben Rath zu halten, und den heimlichen&hellip;<\/p>\n<p> <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2339\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2339","page","type-page","status-publish"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2339","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2339"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2339\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2340,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2339\/revisions\/2340"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2339"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}