{"id":2333,"date":"2014-12-27T12:25:36","date_gmt":"2014-12-27T11:25:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2333"},"modified":"2014-12-27T12:25:36","modified_gmt":"2014-12-27T11:25:36","slug":"oddrunargratr-oddruns-klage","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2333","title":{"rendered":"Oddr\u00fbnargr\u00e2tr (Oddruns Klage)"},"content":{"rendered":"<p>Heidrek hie\u00df ein K\u00f6nig, seine Tochter hie\u00df Borgny und Wilmund ihr Geliebter. Sie konnte nicht geb\u00e4ren bis Oddrun hinzu kam, Atlis Schwester. Die war Gunnars Geliebte gewesen, des Sohnes Giukis. Von dieser Sage ist hier die Rede.<\/p>\n<p>Ich h\u00f6rte sagen   in alten Geschichten,<br \/>\nDa\u00df eine Maid kam   gen Morgenland.<br \/>\nNiemand wuste   auf weiter Erde<br \/>\nDer Tochter Heidreks   H\u00fclfe zu leisten.<\/p>\n<p>Das h\u00f6rte Oddrun,   Atlis Schwester,<br \/>\nIn schweren Wehen   winde die Jungfrau sich.<br \/>\nSie zog aus dem Stalle   den scharfgez\u00e4umten<br \/>\nUnd schwang dem Schwarzgaul   den Sattel auf.<\/p>\n<p>Sie spornte den schnellen   den ebnen Sandweg<br \/>\nBis sie die hohe   Halle stehn sah.<br \/>\nVon des Rosses R\u00fccken   ri\u00df sie den Sattel,<br \/>\nTrat ein und schritt   den Saal entlang.<br \/>\nDie\u00df war das erste   Wort, das sie sprach:<\/p>\n<p>In diesen Gauen   giebt es was Neues?<br \/>\nWas h\u00f6rt man Gutes   in Hunnenland?<\/p>\n<p>Eine Magd sprach:<br \/>\nBorgny liegt hier   \u00fcberb\u00fcrdet mit Schmerzen,<br \/>\nDeine Freundin, Oddrun:   eil ihr zur H\u00fclfe.<\/p>\n<p>Oddrun.<br \/>\nWelcher der F\u00fcrsten   f\u00fcgte den Schimpf dir?<br \/>\nWarum ist so bitter   Borgnys Qual?<\/p>\n<p>Die Magd.<br \/>\nWilmund hei\u00dft   des Herschers Vertrauter:<br \/>\nEr wand die Maid   in warme Decken<br \/>\nF\u00fcnf volle Winter   ohne des Vaters Wi\u00dfen. \u2014<\/p>\n<p>Sie sprachen, d\u00fcnkt mich,   die\u00df und nicht mehr.<br \/>\nMildreich sa\u00df sie   der Maid vor die Kniee.<br \/>\nKr\u00e4ftig sang Oddrun,   m\u00e4chtig sang Oddrun<br \/>\nZauberlieder   der Borgny zu.<\/p>\n<p>Da konnte den Kiesweg   Knab und M\u00e4dchen treten,<br \/>\nHolde Spr\u00f6\u00dflinge   des H\u00f6gnit\u00f6dters.<br \/>\nZu sprechen s\u00e4umte nicht   die sieche Maid;<br \/>\nDie\u00df war das erste   Wort, das sie sprach:<\/p>\n<p>\u201eSo m\u00f6gen milde   M\u00e4chte dir helfen,<br \/>\nFrigg und Freyja   und viel der G\u00f6tter,<br \/>\nWie du mich befreitest   aus f\u00e4hrlicher Noth.\u201c<\/p>\n<p>Oddrun.<br \/>\nNicht hub ich mich her   dir H\u00fclfe zu bringen<br \/>\nWeil du es werth w\u00e4rst   gewesen irgend.<br \/>\nIch gelobte, und leistete   mein Gel\u00fcbde jetzt,<br \/>\nBeistand zu leisten   allen Leidenden,<br \/>\nAls die Edlinge   das Erbe theilten.<\/p>\n<p>Borgny.<br \/>\nIrr bist du, Oddrun,   und ohne Besinnung,<br \/>\nDa\u00df du im Eifer   also sprichst.<br \/>\nWir lebten doch lange   im Lande zusammen<br \/>\nZ\u00e4rtlich, wie zweier   Br\u00fcder Erzeugte.<\/p>\n<p>Oddrun.<br \/>\nWohl noch wei\u00df ich,   wie du des Abends sprachst,<br \/>\nAls ich Gunnarn   das Gastmal bereitete:<br \/>\nSo arge Unsitte,   sprachst du eifernd,<br \/>\nWerde nach mir   keine Maid mehr \u00fcben. \u2014<\/p>\n<p>Da setzte sich nieder   die sorgenm\u00fcde,<br \/>\nIhr Leid zu k\u00fcnden   aus des Kummers F\u00fclle:<\/p>\n<p>Oddrun.<br \/>\nIch wuchs empor   in pr\u00e4chtiger Halle,<br \/>\nMich lobten Viele   und Keinem missfiel es;<br \/>\nDoch freut ich der Jugend   und des Vaterguts<br \/>\nMich der Winter f\u00fcnf nur   bei des Vaters Leben.<\/p>\n<p>Da war es das letzte   Wort, das er sprach<br \/>\nBevor er starb   der stolze K\u00f6nig:<\/p>\n<p>Mit rothem Golde   begaben hie\u00df er mich<br \/>\nUnd s\u00fcdw\u00e4rts senden   dem Sohne Grimhilds.<br \/>\n[Brynhilden hie\u00df er   den Helm zu tragen,<br \/>\nWeil sie Wunschmagd   zu werden bestimmt sei.]<br \/>\nEs m\u00f6g unterm Monde   so edle Maid<br \/>\nNicht geben, wenn g\u00fcnstig   der Gott mir bleibe.<\/p>\n<p>Brynhild wirkte   Borten am Rahmen;<br \/>\nSie hatte Land   und Leute vor sich.<br \/>\nErde schlief noch   und \u00dcberhimmel,<br \/>\nAls die Burg ersah   der Besieger Fafnirs.<\/p>\n<p>Kampf war gek\u00e4mpft   mit welscher Klinge<br \/>\nUnd gebrochen die Burg,   da Brynhild sa\u00df.<br \/>\nNicht lange w\u00e4hrt\u2019 es,   nur wunderkurz,<br \/>\nSo konnte sie alle   die schlauen K\u00fcnste.<\/p>\n<p>Die Sachen suchte sie   so schwer zu r\u00e4chen,<br \/>\nDa\u00df wir Alle \u00fcble   Arbeit gewannen.<br \/>\nDas wei\u00df man soweit   als Menschen wohnen<br \/>\nWie sie bei Sigurd   sich selber t\u00f6dtete.<\/p>\n<p>Aber schon g\u00fcnstig   dem Gunnar war ich,<br \/>\nDem Baugeverschenker,   wie Brynhild gesollt.<\/p>\n<p>Rothe Ringe   boten die Recken gleich<br \/>\nMeinem Bruder   und Bu\u00dfen viel.<br \/>\nF\u00fcr mich bot Gunnar   der G\u00fcter funfzehn<br \/>\nUnd Granis R\u00fcckenlast,   wenn er es gerne n\u00e4hme.<\/p>\n<p>Das weigerte Atli:   er wolle nicht,<br \/>\nDa\u00df ihm Brautgabe g\u00e4ben   Giukis S\u00f6hne.<br \/>\nDoch wir mochten nicht mehr   die Minne bezwingen,<br \/>\nWenn ich des Ringbrechers   Haupt nicht ber\u00fchrte.<\/p>\n<p>Da murmelten Manche   meiner Verwandten<br \/>\nSie h\u00e4tten uns beide   auf Buhlschaft betroffen.<br \/>\nAber Atli meinte,   solch Unrecht w\u00fcrd ich<br \/>\nSchwerlich begehen,   mir Schande zu machen.<br \/>\nDoch Solches sollte   so sicher Niemand<br \/>\nVon dem Andern l\u00e4ugnen,   wo Liebe waltet.<\/p>\n<p>Seine Sp\u00e4her   sandte Atli,<br \/>\nIm tiefen Tann   mein Thun zu belauschen.<br \/>\nSie kamen, wohin sie   nicht kommen sollten:<br \/>\nWo wir selbander lagen   unter Einem Linnen.<\/p>\n<p>Rothe Ringe   den Recken boten wir,<br \/>\nDa\u00df sie dem Atli   Alles verschwiegen.<br \/>\nAber Alles   dem Atli sagten sie;<br \/>\nSie hatten Hast   nach Haus zu kommen.<\/p>\n<p>Aber der Gudrun   g\u00e4nzlich hehlten sies,<br \/>\nDer es zu wi\u00dfen doch   doppelt geziemte.<\/p>\n<p>Goldhufige Hengste   h\u00f6rte man traben,<br \/>\nDa die S\u00f6hne Giukis   in den Schlo\u00dfhof ritten.<br \/>\nMan hieb dem H\u00f6gni   das Herz aus dem Leibe<br \/>\nUnd senkte den Gunnar   in den Schlangenthurm.<\/p>\n<p>Nun war ich einst   wie \u00f6fter geschah<br \/>\nZu Geirmund gegangen   das Gastmal zu r\u00fcsten.<br \/>\nDer hohe Herscher   begann zu harfen:<br \/>\nHoffnung hegte   der hochgeborne<br \/>\nK\u00f6nig, ich k\u00f6nnt ihm   zu H\u00fclfe kommen.<\/p>\n<p>Da h\u00f6rt ich, und lauschte   von Hlesey her,<br \/>\nWie harmvoll schollen   die Saitenstr\u00e4nge.<\/p>\n<p>Ich mahnte die M\u00e4gde   mit mir zu eilen:<br \/>\nFristen wollt ich   dem F\u00fcrsten das Leben.<br \/>\nWir f\u00fchrten das Fahrzeug   dem Forst vorbei<br \/>\nBis wir Atlis Wohnungen   alle gewahrten.<\/p>\n<p>Da hinkte her   die heillose<br \/>\nMutter Atlis:   m\u00f6chte sie faulen!<br \/>\nUnd grub sich ganz   in Gunnars Herz,<br \/>\nDa\u00df ich den ruhmreichen   nicht retten mochte.<\/p>\n<p>Oft verwundert mich,   Wurmbettgeschm\u00fcckte!<br \/>\nWie ich nun l\u00e4nger   noch leben m\u00f6ge,<br \/>\nDie den Gewaltigen   w\u00e4hnte zu lieben,<br \/>\nDen Schwertverschenker,   mir selber gleich.<\/p>\n<p>Du sa\u00dfest und lauschtest,   dieweil ich dir sagte<br \/>\nUnerme\u00dfliches Leid,   meines und ihres.<br \/>\nWir Alle leben   nach eignem Geschick:<br \/>\nHier ist Oddruns   Klage zu Ende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heidrek hie\u00df ein K\u00f6nig, seine 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