{"id":2327,"date":"2014-12-27T12:18:26","date_gmt":"2014-12-27T11:18:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2327"},"modified":"2014-12-27T12:18:26","modified_gmt":"2014-12-27T11:18:26","slug":"gudhrunarkvidha-oennur-das-andere-gudrunenlied","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2327","title":{"rendered":"Gudhr\u00fbnarkvidha \u00f6nnur (Das andere Gudrunenlied)"},"content":{"rendered":"<p>K\u00f6nig Dietrich war bei Atli und hatte dort die meisten seiner Mannen verloren. Dietrich und Gudrun klagten einander ihr Leid. Sie sprach zu ihm und sang:<\/p>\n<p>Die Maid der Maide   erzog mich die Mutter<br \/>\nIm leuchtenden Saal.   Ich liebte die Br\u00fcder,<br \/>\nBis mich Giuki   mit Gold bereifte,<br \/>\nMit Gold bereifte   und Sigurden gab.<\/p>\n<p>So war Sigurd   bei den S\u00f6hnen Giukis<br \/>\nWie \u00fcber Halme   sich hebt edler Lauch,<br \/>\nWie hoch der Hirsch ragt   \u00fcber Hasen und F\u00fcchse<br \/>\nUnd glutrothes Gold scheint   \u00fcber graues Silber.<\/p>\n<p>Bis mir nicht g\u00f6nnen   mochten die Br\u00fcder<br \/>\nDen Helden zu haben,   den hehrsten aller.<br \/>\nSie mochten nicht ruhen,   nicht richten und schlichten<br \/>\nBis sie Sigurden   erschlagen lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Vom Thinge traurig   traben h\u00f6rt ich Grani;<br \/>\nSigurden selber   sah ich nicht.<br \/>\nAlle Rosse waren   roth von Blut<br \/>\nUnd in Schwei\u00df geschlagen   von den Sch\u00e4chern.<\/p>\n<p>Gramvoll ging ich   mit Grani reden,<br \/>\nBefragte das Pferd   mit der feuchten Wange;<br \/>\nDa senkte Grani   ins Gras das Haupt:<br \/>\nWohl wuste der Hengst,   sein Herr sei todt.<\/p>\n<p>Lange zaudert\u2019 ich,   zweifelte lange<br \/>\nBevor ich den Volkshirten   frug nach dem K\u00f6nig.<\/p>\n<p>Gunnar hing das Haupt;   doch H\u00f6gni sagte<br \/>\nMir meines Sigurd   mordlichen Tod:<br \/>\nJenseits des Stroms (Rheins)   erschlagen liegt er,<br \/>\nDen Guthorm f\u00e4llte,   zum Fra\u00df den W\u00f6lfen.<\/p>\n<p>Sieh den Sigurd   gegen S\u00fcden dort,<br \/>\nH\u00f6re Kr\u00e4hen   kr\u00e4chzen und Raben,<br \/>\nAdler jauchzen   der Atzung froh,<br \/>\nUnd W\u00f6lfe heulen   um deinen Helden. \u2014<\/p>\n<p>\u201eWie hast du mir, H\u00f6gni,   des Harms soviel,<br \/>\nDem wonnewaisen   Weibe gesagt?<br \/>\nDa\u00df Raben und Falken   das Herz dir zerf\u00fchrten<br \/>\nWeiter \u00fcber Land   als du Leute kennst!\u201c<\/p>\n<p>H\u00f6gni antwortete   mit einem Mal<br \/>\nDes sanften Sinnes   mit Schmerz beraubt:<br \/>\n\u201eDas g\u00e4be dir, Gudrun,   erst Grund zu weinen,<br \/>\nWenn Mir auch die Raben   zerri\u00dfen das Herz!\u201c<\/p>\n<p>Vor ihrem Anblick   einsam ging ich da,<br \/>\nDie Brocken zu lesen   von der W\u00f6lfe Leichenschmaus.<br \/>\nIch schluchzte nicht,   noch schlug ich die H\u00e4nde,<br \/>\nBrach nicht in Klagen aus   wie Brauch ist der Frauen,<br \/>\nDa ich schmerzvoll sa\u00df   \u00fcber Sigurden.<\/p>\n<p>Die Nacht dauchte mich   Neumonddunkel,<br \/>\nDa ich sorgend sa\u00df   \u00fcber Sigurds Leiche.<br \/>\nViel sanfter w\u00fcrden   die W\u00f6lfe mir scheinen,<br \/>\nLie\u00dfen sie mich   das Leben missen,<br \/>\nOder brennte man mich   wie Birkenholz.<\/p>\n<p>Ich fuhr aus dem Forst;   nach der f\u00fcnften Nacht<br \/>\nNaht ich den hohen   Hallen Alfs.<br \/>\nSieben Halbjahre   sa\u00df ich bei Thora,<br \/>\nHakons Maid   in D\u00e4nemark.<\/p>\n<p>In Gold stickte sie   mich zu zerstreuen<br \/>\nIn deutschen S\u00e4len   d\u00e4nische Wikinge.<\/p>\n<p>Wir bildeten k\u00fcnstlich   der Krieger Spiele,<br \/>\nDie Helden der Herscher   in Handgewirke;<br \/>\nRothe R\u00e4nder,   Recken des Hunnenlands,<br \/>\nMit Helm und Harnisch   der Herscher Geleit.<\/p>\n<p>Vom Strande segelten   Sigmunds Rosse<br \/>\nMit goldnem Schiffshaupt,   geschnitztem Steuer.<br \/>\nWir wirkten und webten   die Waffenthaten<br \/>\nSigmunds und Siggeirs   s\u00fcdlich in Frone.<\/p>\n<p>Da h\u00f6rte Grimhild,   die gotische Frau,<br \/>\nWie tief ihre Tochter   betraure den Gemahl.<br \/>\nSie warf ihr Gewebe fort,   winkte den S\u00f6hnen,<br \/>\nDas zu erfahren   frug sie und sprach:<br \/>\nWer Bu\u00dfe wolle   der Schwester bieten,<br \/>\nDen erschlagnen Gatten   vergelten der Frau?<\/p>\n<p>Gunnar erbot sich   ihr Gold zu bieten,<br \/>\nIhren Harm zu s\u00fchnen,   und so auch H\u00f6gni.<br \/>\nDa fragte sie ferner,   wer fahren wolle<br \/>\nDie S\u00e4umer zu satteln,   die Wagen zu schirren,<br \/>\nDen Hengst zu tummeln,   den Habicht zu werfen,<br \/>\nDen Bolzen zu schie\u00dfen   vom Eibenbogen?<\/p>\n<p>Waldar den D\u00e4nen   und Jarisleif,<br \/>\nEimod zum dritten   und Jarisskar<br \/>\nF\u00fchrten sie vor mich,   F\u00fcrsten gleich.<br \/>\nRothe Waffenr\u00f6cke trugen   des Langb\u00e4rtgen Recken,<br \/>\nHohe Helme   und helle Br\u00fcnnen,<br \/>\nBreite Schwerter,   die braungelockten.<\/p>\n<p>Ein Jeder verhie\u00df mir   herlichen Schmuck,<br \/>\nHerlichen Schmuck   mit schmeichelnden Reden,<br \/>\nOb sie mich m\u00f6chten   f\u00fcr manches Leid<br \/>\nAuf Trost vertr\u00f6sten;   aber ich traute nicht.<\/p>\n<p>Grimhild brachte   den Becher mir dar,<br \/>\nDen kalten, herben,   da\u00df ich Harms verg\u00e4\u00dfe.<br \/>\nDer Kelch war gekr\u00e4ftigt   aus der Quelle Urds,<br \/>\nMit urkalter See   und s\u00fchnendem Blut.<\/p>\n<p>In das Horn hatten sie   allerhand St\u00e4be<br \/>\nR\u00f6thlich geritzt;   ich errieth sie nicht.<br \/>\nDen langen Lindwurm   des Lands der Haddinge,<br \/>\nUngeschnittne \u00c4hre   und Eingang von Thieren.<\/p>\n<p>Im Gebr\u00e4ude beisammen   war Bosheit viel,<br \/>\nAllerlei Wurzeln   und Waldeckern,<br \/>\nThau des Heerdes   und Thiergeweide,<br \/>\nGesottne Schweinsleber,   die den Schmerz bet\u00e4ubt.<\/p>\n<p>So vergeben   verga\u00df ich da<br \/>\nDer Gespr\u00e4che Sigurds   all im Saal.<br \/>\nK\u00f6nige kamen   vor die Kniee mir drei<br \/>\nEhe sie selber   naht\u2019 und sagte:<\/p>\n<p>\u201eIch gebe dir, Gudrun,   das Gold empfange,<br \/>\nDein volles Erbgut   nach des Vaters Tod,<br \/>\nBlanke Ringe,   die Burgen Hl\u00f6dwers<br \/>\nUnd des todten F\u00fcrsten   Fahrniss all.<\/p>\n<p>Hunische T\u00f6chter,   die Teppiche wirken<br \/>\nUnd Goldg\u00fcrtel,   dich zu ergetzen.<br \/>\nDu allein sollst schalten   \u00fcber die Sch\u00e4tze Budlis<br \/>\nMit Gold begabt   als die Gattin Atlis.<\/p>\n<p>Gudrun.<br \/>\nKeinem Manne mehr   will ich verm\u00e4hlt sein,<br \/>\nNoch Brynhildens   Bruder haben.<br \/>\nMir geziemt nicht   mit dem Erzeugten Budlis<br \/>\nDas Geschlecht zu mehren   und zusammen zu leben.<\/p>\n<p>Grimhild.<br \/>\nNicht wolle den Harm   den Helden vergelten,<br \/>\nBegannen wir Giukungen   gleich den Zwist.<br \/>\nSo sollst du la\u00dfen   als lebten dir beide,<br \/>\nSigurd und Sigmund,   wenn du S\u00f6hne gewinnst.<\/p>\n<p>Gudrun.<br \/>\nNicht mag ich mich mehr   ermuntern, Grimhild,<br \/>\nUnd keinem Helden   Hoffnung gew\u00e4hren,<br \/>\nSeit ich schwelgen   an Sigurds Herzblut<br \/>\nDen Raben sah,   den raubgierigen.<\/p>\n<p>Grimhild.<br \/>\nIhn hab ich von Allen   den edelstgebornen<br \/>\nDer F\u00fcrsten befunden   und in Vielem den besten.<br \/>\nSo freie den F\u00fcrsten:   bis dich fe\u00dfelt das Alter<br \/>\nWirst du verwaist sein,   w\u00e4hlst du nicht Ihn.<\/p>\n<p>Gudrun.<br \/>\nBiete mir nicht   das bosheitvolle,<br \/>\nSo aufdringlich   mir dieses Geschlecht.<br \/>\nDem Gunnar giebt er   grimmen Tod,<br \/>\nSchneidet dem H\u00f6gni   das Herz aus dem Leibe.<br \/>\nNicht f\u00e4nd ich dann Frieden   bevor ich das Leben<br \/>\nGek\u00fcrzt dem freveln   Kriegsbrandsch\u00fcrer. \u2014<\/p>\n<p>Mit Grausen h\u00f6rte   Grimhild das Wort,<br \/>\nDenn ihren Kindern   k\u00fcndet\u2019 es Verderben<br \/>\nUnd den Untergang   all ihrem Geschlecht.<\/p>\n<p>Grimhild.<br \/>\nNoch leih ich dir Land   und Leute viel,<br \/>\nWinbi\u00f6rg, Walbi\u00f6rg,   willst du sie haben.<br \/>\nNimm sie lebenslang   und la\u00df den Zorn.<\/p>\n<p>Gudrun.<br \/>\nNun will ich ihn kiesen   unter den K\u00f6nigen;<br \/>\nDoch wider Willen,   auf der Freunde Wunsch.<br \/>\nNie wird der Gatte   Gl\u00fcck mir bringen,<br \/>\nMeine S\u00f6hne b\u00fc\u00dfen   der Br\u00fcder Mord. \u2014<\/p>\n<p>Rasch auf die Rosse   sa\u00dfen die Recken da,<br \/>\nDie welschen Weiber   zu Wagen hoben sie.<br \/>\nSieben Tage   durchtrabten wir kaltes Land,<br \/>\n\u00dcber See setzten   wir sieben andre,<br \/>\nDurch d\u00fcrre Steppen   gings die dritten sieben.<\/p>\n<p>Da hoben die W\u00e4chter   der hohen Burg<br \/>\nDas Gitter empor:   durch die Pforte ritten wir.<br \/>\nAtli weckte mich;   aber ich schien ihm<br \/>\nDer Vorahnung voll   von der Freunde Tod.<\/p>\n<p>Atli.<br \/>\nSo haben auch neulich   mich Nornen geweckt;<br \/>\nVerg\u00f6nnte das Graunbild   g\u00fcnstige Deutung!<br \/>\nIch w\u00e4hnte dich, Gudrun,   Giukis Tochter,<br \/>\nMir die Brust durchbohren   mit blankem Dolch.<\/p>\n<p>Gudrun.<br \/>\nDer Traum von Dolchen   bedeutet Feuer,<br \/>\nHolde Heimlichkeit   der Hausfrau Zorn.<br \/>\nIch brenne dir bald   ein b\u00f6ses Geschw\u00fcr aus,<br \/>\nIch heile und lindre,   wie leid du mir seist.<\/p>\n<p>Atli.<br \/>\nReiser im Garten   sah ich ausgeri\u00dfen,<br \/>\nDie ich da wachsen   la\u00dfen wollte.<br \/>\nEntrauft mit der Wurzel,   ger\u00f6thet im Blut<br \/>\nUnd aufgetragen,   da\u00df ich sie \u00e4\u00dfe.<\/p>\n<p>Ich sah von der Hand   mir Habichte fliegen<br \/>\nOhne Atzung,   dem Untergang zu.<br \/>\nIhre Herzen w\u00e4hnt ich   mit Honig zu e\u00dfen<br \/>\nSorgenschwer,   geschwollen von Blut.<\/p>\n<p>Welfe w\u00e4hnt\u2019 ich   entw\u00e4nden sich mir,<br \/>\nIch h\u00f6rte sie harmvoll   heulen und wimmern.<br \/>\nIhr Fleisch, f\u00fcrcht ich,   war faul geworden:<br \/>\nMit Ekel a\u00df ich   von dem Aase da.<\/p>\n<p>Gudrun.<br \/>\nDir werden Sch\u00e4cher   im Schlafgemach richten,<br \/>\nDen Lichtgelockten   die H\u00e4upter l\u00f6sen:<br \/>\nSie werden erschlagen   nach wenig N\u00e4chten,<br \/>\nKurz vor Tag, und aufgetischt. \u2014<\/p>\n<p>Seitdem lieg ich   den Schlummer meidend<br \/>\nTrotzig im Bette:   thun will ich so.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6nig Dietrich war bei Atli und hatte dort die meisten seiner Mannen verloren. 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