{"id":2321,"date":"2014-12-27T12:05:47","date_gmt":"2014-12-27T11:05:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2321"},"modified":"2014-12-27T12:05:47","modified_gmt":"2014-12-27T11:05:47","slug":"gudhrunarkvidha-fyrsta-das-erste-gudrunenlied","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2321","title":{"rendered":"Gudhr\u00fbnarkvidha fyrsta (Das erste Gudrunenlied)"},"content":{"rendered":"<p>Gudrun sa\u00df \u00fcber dem todten Sigurd; sie weinte nicht wie andere Frauen, aber schier w\u00e4re sie vor Leid zersprungen. Auch traten Frauen und M\u00e4nner hinzu sie zu tr\u00f6sten; aber das war nicht leicht. Es wird gesagt, Gudrun habe etwas gege\u00dfen von Fafnirs Herzen und seitdem der V\u00f6gel Stimmen verstanden. Auch die\u00df wird von Gudrun gesagt:<\/p>\n<p>Einst ergings, da\u00df Gudrun   zu sterben begehrte,<br \/>\nDa sie sorgend sa\u00df   \u00fcber Sigurden.<br \/>\nNicht schluchzte sie,   noch schlug sie die H\u00e4nde,<br \/>\nBrach nicht in Klagen aus   wie Brauch ist der Frauen.<\/p>\n<p>Ihr nahten Helden,   h\u00f6fische M\u00e4nner,<br \/>\nDas lastende Leid   ihr zu lindern bedacht.<br \/>\nDoch Gudrun konnte   vor Gram nicht weinen,<br \/>\nSchier zersprungen   w\u00e4re sie vor Schmerz.<\/p>\n<p>Herliche Frauen   der Helden sa\u00dfen,<br \/>\nGoldgeschm\u00fcckte,   Gudrun zur Seite.<br \/>\nEine Jede sagte   von ihrem Jammer,<br \/>\nDem traurigsten, den sie   ertragen hatte.<\/p>\n<p>Da sprach Giafl\u00f6g,   Giukis Schwester:<br \/>\n\u201eMich acht ich auf Erden   die Unseligste.<br \/>\nDer M\u00e4nner verlor ich   nicht minder als f\u00fcnf,<br \/>\nDer T\u00f6chter zwei   und drei der Schwestern,<br \/>\nAcht Br\u00fcder;   ich allein lebe.\u201c<\/p>\n<p>Doch Gudrun konnte   vor Gram nicht weinen,<br \/>\nSo trug sie Trauer   um den Tod des Gemahls,<br \/>\nSo f\u00fcllte sie Grimm   um des F\u00fcrsten Mord.<\/p>\n<p>Da sprach Herborg,   die Hunenk\u00f6nigin:<br \/>\n\u201eIch habe von herberm   Harm zu sagen:<br \/>\nSieben S\u00f6hne sind   im s\u00fcdlichen Land<br \/>\nUnd mein Mann der achte   mir erschlagen.<\/p>\n<p>\u201e\u00dcber Vater und Mutter   und vier Br\u00fcder<br \/>\nHaben Wind   und Wellen gespielt:<br \/>\nDie Brandung zerbrach   die Borddielen.<\/p>\n<p>\u201eSelbst die Bestattung   besorgen must ich,<br \/>\nDie Holzh\u00fcrde selber zur   Helfahrt schlichten.<br \/>\nDas Alles litt ich   in Einem Halbjahr,<br \/>\nUnd Niemand tr\u00f6stete   in der Trauer mich.<\/p>\n<p>\u201eDann kam ich in Haft   als Heergefangne<br \/>\nNoch vor dem Schlu\u00df   desselben Halbjahrs.<br \/>\nDa besorgt ich den Schmuck   und die Schuhe band ich<br \/>\nAlle Morgen   der Gemahlin des Hersen.<\/p>\n<p>\u201eSie drohte mir immer   aus Eifersucht,<br \/>\nWozu sie mit harten   Hieben mich schlug.<br \/>\nNiemals fand ich   so freundlichen Herrn,<br \/>\nAber auch nirgend   so neidische Herrin.\u201c<\/p>\n<p>Doch Gudrun konnte   vor Gram nicht weinen,<br \/>\nSo trug sie Trauer   um den Tod des Gemahls,<br \/>\nSo f\u00fcllte sie Grimm   um des F\u00fcrsten Mord.<\/p>\n<p>Da sprach Gullr\u00f6nd,   Giukis Tochter:<br \/>\n\u201eWenig weist du, Pflegerin,   ob weise sonst,<br \/>\nDas Herz einer jungen   Frau zu erheitern.<br \/>\nWeshalb verh\u00fcllt ihr   des Helden Leiche?\u201c<\/p>\n<p>Sie schwang den Schleier   von Sigurd nieder,<br \/>\nUnd wandte ihm die Wange   zu des Weibes Schoo\u00df.<br \/>\n\u201eNun schau den Geliebten,   f\u00fcge den Mund zur Lippe<br \/>\nUnd umhals ihn wie einst   den heilen K\u00f6nig.\u201c<\/p>\n<p>Auf sah Gudrun   einmal nur,<br \/>\nSah des Helden Haar   erharscht vom Blute,<br \/>\nDie leuchtenden Augen   erloschen dem F\u00fcrsten,<br \/>\nVom Schwert durchbohrt   die Brust des K\u00f6nigs.<\/p>\n<p>Da sank aufs Kissen   zur\u00fcck die K\u00f6nigin,<br \/>\nIhr Stirnband ri\u00df,   roth war die Wange,<br \/>\nEin Regenschauer   rann in den Schoo\u00df.<\/p>\n<p>Da jammerte Gudrun,   Giukis Tochter,<br \/>\nDie verhaltnen Thr\u00e4nen   tropften nieder,<br \/>\nUnd hell auf schrieen   im Hofe die G\u00e4nse,<br \/>\nDie zieren V\u00f6gel,   die Z\u00f6glinge Gudruns.<\/p>\n<p>Da sprach Gullr\u00f6nd,   Giukis Tochter:<br \/>\n\u201eEuch verm\u00e4hlte   die m\u00e4chtigste Liebe<br \/>\nVon allen, die je   auf Erden lebten.<br \/>\nDu fandest au\u00dfen   noch innen Frieden,<br \/>\nSchwester mein,   als bei Sigurd nur.\u201c<\/p>\n<p>Da sprach Gudrun,   Giukis Tochter:<br \/>\n\u201eSo war mein Sigurd   bei den S\u00f6hnen Giukis,<br \/>\nWie hoch aus Halmen   sich hebt edel Lauch,<br \/>\nOder ein blitzender Stein   am Bande getragen,<br \/>\nEin k\u00f6stlich Kleinod,   \u00fcber K\u00f6nige scheint.<\/p>\n<p>\u201eSo daucht auch ich   den Degen des K\u00f6nigs<br \/>\nH\u00f6her hier   als Herians Disen.<br \/>\nNun lieg ich verachtet   dem Laube gleich,<br \/>\nDas im Forste fiel,   nach des F\u00fcrsten Tod.<\/p>\n<p>\u201eNun miss ich beim Male,   miss ich im Bette<br \/>\nDen s\u00fc\u00dfen Gesellen:   das schufen die Giukungen.<br \/>\nDie Giukungen schufen   mir grimmes Leid,<br \/>\nSchufen der Schwester   endlosen Schmerz.<\/p>\n<p>\u201eSo habt ihr den Leuten   das Land verw\u00fcstet<br \/>\nWie ihr \u00fcbel   die Eide hieltet.<br \/>\nNicht wirst du, Gunnar,   des Goldes genie\u00dfen:<br \/>\nDir rauben die rothen   Ringe das Leben,<br \/>\nWeil du Sigurden   Eide schwurst.<\/p>\n<p>\u201eOft war im Volk   die Freude gr\u00f6\u00dfer,<br \/>\nAls mein Sigurd   den Grani sattelte,<br \/>\nUnd sie um Brynhild   zu bitten fuhren,<br \/>\nDie unselige,   zu \u00fcbelm Heil.\u201c<\/p>\n<p>Da sprach Brynhild,   Budlis Tochter:<br \/>\n\u201eMann und Kinder   misse die Vettel,<br \/>\nWelche dich, Gudrun,   weinen lehrte,<br \/>\nIn den Mund dir Worte   am Morgen legte!\u201c<\/p>\n<p>Da sprach Gullr\u00f6nd,   Giukis Tochter:<br \/>\n\u201eGeschweig der Worte,   Weltverha\u00dfte!<br \/>\nImmer den Edlingen   warst du zum Unheil;<br \/>\nWie sein schlimmes Schicksal   scheut dich Jeder;<br \/>\nSieben K\u00f6nigen   kostest du das Leben,<br \/>\nDie der Freunde viel   den Frauen erschlugst!\u201c<\/p>\n<p>Da sprach Brynhild,   Budlis Tochter:<br \/>\n\u201eAn allem Unheil   ist Atli Schuld,<br \/>\nBudlis Sohn,   der Bruder mein.<\/p>\n<p>\u201eAls wir in der Halle   des hunischen Volkes<br \/>\nDes Wurmbetts Feuer   an dem F\u00fcrsten ersahn,<br \/>\nDes Besuches hab ich   seitdem entgolten,<br \/>\nDieses Anblicks   mu\u00df immer mich reuen.\u201c<\/p>\n<p>Sie stand an der S\u00e4ule,   den Schaft ergriff sie;<br \/>\nEs brannte Brynhilden,   Budlis Tochter,<br \/>\nGlut in den Augen,   Gift spie sie aus,<br \/>\nAls sie die Wunden sah   an Sigurds Brust.<\/p>\n<p>Darauf ging Gudrun in W\u00e4lder und W\u00fcsten bis D\u00e4nemark, wo sie bei Thora, Hakons Tochter, sieben Halbjahre weilte. Brynhild wollte Sigurden nicht \u00fcberleben. Sie lie\u00df acht Knechte und f\u00fcnf M\u00e4gde t\u00f6dten. Darauf durchbohrte sie sich selbst mit dem Schwerte wie gesagt ist in dem k\u00fcrzern Sigurdsliede.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gudrun sa\u00df \u00fcber dem todten Sigurd; sie weinte nicht wie andere Frauen, aber schier w\u00e4re&hellip;<\/p>\n<p> <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2321\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2321","page","type-page","status-publish"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2321","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2321"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2321\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2322,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2321\/revisions\/2322"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2321"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}