{"id":2309,"date":"2014-12-14T11:32:37","date_gmt":"2014-12-14T10:32:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2309"},"modified":"2014-12-14T11:32:37","modified_gmt":"2014-12-14T10:32:37","slug":"sigrdrifumal-das-lied-von-sigurdrifa","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2309","title":{"rendered":"Sigrdr\u00eefum\u00e2l (Das Lied von Sigurdrifa)"},"content":{"rendered":"<p>Sigurd ritt hinaus nach Hindarfiall und wandte sich s\u00fcdw\u00e4rts gen Frankenland. Auf dem Berge sah er ein gro\u00dfes Licht gleich als brennte ein Feuer, von dem es zum Himmel emporleuchtete. Aber wie er hinzukam, stand da eine Schildburg und oben heraus ein Banner. Sigurd ging in die Schildburg und sah, da\u00df da ein Mann lag und schlief in voller R\u00fcstung. Dem zog er zuerst den Helm vom Haupt: da sah er, da\u00df es ein Weib war. Die Br\u00fcnne war fest als w\u00e4r sie ans Fleisch gewachsen. Da ritzte er mit Gram die Br\u00fcnne durch vom Haupt herab und darnach auch an beiden Armen. Darauf zog er ihr die Br\u00fcnne ab; aber sie erwachte, richtete sich empor, sah den Sigurd an und sprach:<\/p>\n<p>Was zerschnitt mir die Br\u00fcnne?   Wie brach mir der Schlaf?<br \/>\nWer befreite mich   der falben Bande?<\/p>\n<p>Sigurd.<br \/>\nSigmunds Sohn:   eben zerschnitt<br \/>\nDas Wehrgewand   dir Sigurds Waffe.<\/p>\n<p>Sigurdrifa.<br \/>\nLange schlief ich,   lange hielt mich der Schlummer,<br \/>\nLange lasten Menschenloo\u00dfe.<br \/>\nSo waltete Odhin,   ich wuste nicht<br \/>\nDie Schlummerrunen abzusch\u00fctteln.<\/p>\n<p>Sigurd setzte sich nieder und frug nach ihrem Namen. Da nahm sie ein Horn voll Meths und gab ihm Minnetrank.<\/p>\n<p>Heil dir Tag,   Heil euch Tagess\u00f6hnen,<br \/>\nHeil dir Nacht und n\u00e4hrende Erde:<br \/>\nMit unzorngen Augen   schaut auf Uns<br \/>\nUnd gebt uns Sitzenden Sieg.<\/p>\n<p>Heil euch Asen,   Heil euch Asinnen,<br \/>\nHeil dir, fruchtbares Feld!<br \/>\nWort und Weisheit   gew\u00e4hrt uns edeln Zwein<br \/>\nUnd immer heilende H\u00e4nde!<\/p>\n<p>Sie nannte sich Sigrdrifa und war Walk\u00fcre. Sie erz\u00e4hlte, wie zwei K\u00f6nige sich bekriegten: der Eine hie\u00df Hialmgunnar, der war alt und der gr\u00f6ste Krieger, und Odhin hatte ihm Sieg verhei\u00dfen:<\/p>\n<p>Der Andre hie\u00df Agnar,   Adas Bruder:<br \/>\nDem wollte Niemand   Schutz gew\u00e4hren.<\/p>\n<p>Sigrdrifa f\u00e4llte den Hialmgunnar in der Schlacht; aber Odhin stach sie zur Strafe daf\u00fcr mit einem Schlafdorn und sagte, von nun an solle sie nie wieder Sieg erfechten im Kampfe, sondern sich verm\u00e4hlen. \u201eAber ich sagte ihm, da\u00df ich das Gel\u00fcbde th\u00e4te, mich keinem Manne zu verm\u00e4hlen, der sich f\u00fcrchten k\u00f6nne.\u201c Sigurd antwortete und bat sie, ihn Weisheit zu lehren, da sie die M\u00e4ren aus allen Welten wi\u00dfe.<\/p>\n<p>Sigurdrifa sprach:<br \/>\nBier bring ich dir,   du Baum in der Schlacht,<br \/>\nMit Macht gemischt   und Mannesruhm,<br \/>\nVoll der Lieder   und lindernder Spr\u00fcche,<br \/>\nGuter Zauber voll   und Freudenrunen.<\/p>\n<p>Siegrunen schneide,   wenn du Sieg willst haben;<br \/>\nGrabe sie auf des Schwertes Griff;<br \/>\nAuf die Seiten Einige,   Andere auf das Stichblatt<br \/>\nUnd nenne zweimal Tyr.<\/p>\n<p>\u00c4lrunen kenne,   da\u00df des Andern Frau<br \/>\nDich nicht tr\u00fcge wenn du traust.<br \/>\nAuf das Horn ritze sie   und den R\u00fccken der Hand<br \/>\nUnd mal ein N (Noth) auf den Nagel.<\/p>\n<p>Die F\u00fcllung segne   vor Gefahr dich zu sch\u00fctzen<br \/>\nUnd lege Lauch in den Trank.<br \/>\nSo wei\u00df ich wohl   wird dir nimmerdar<br \/>\nDer Meth mit Mein[WS 1] gemischt.<\/p>\n<p>Bergrunen schneide,   wenn du bergen willst<br \/>\nUnd l\u00f6sen die Frucht von Frauen,<\/p>\n<p>In die hohle Hand   und hart um die Kn\u00f6chel<br \/>\nUnd heische der Disen H\u00fclfe.<\/p>\n<p>Brandungsrunen schneide,   wenn du bergen willst<br \/>\nIm Sund die Segelrosse;<br \/>\nAufs Steven sollst du sie   und aufs Steuerblatt ritzen,<br \/>\nDabei ins Ruder brennen:<br \/>\nNicht so wild ist der Sturm,   nicht so schwarz die Welle,<br \/>\nHeil kommst du heim vom Meere.<\/p>\n<p>Astrunen kenne,   wenn du Arzt willst sein<br \/>\nUnd Wunden wi\u00dfen zu heilen.<br \/>\nIn die Rinde ritze sie   und das Reis am Baum,<br \/>\nWo ostw\u00e4rts die \u00c4ste sich wenden.<\/p>\n<p>Gerichtsrunen kenne,   wenn du der Rache willst<br \/>\nDeiner Sch\u00e4den sicher sein.<br \/>\nDie winde du ein,   die wickle du ein<br \/>\nUnd setze sie alle zusammen<br \/>\nBei der Mahlst\u00e4tte,   wo M\u00e4nner sollen<br \/>\nZu vollz\u00e4hligem Gerichte ziehen.<\/p>\n<p>Geistrunen schneide,   willst du kl\u00fcger scheinen<br \/>\nAls ein anderer Mann.<br \/>\nDie ersann und sprach,   die schnitt zuerst<br \/>\nOdhin, der sie auserdacht<br \/>\nAus der Flut, die geflo\u00dfen war<br \/>\nAus dem Hirn Heiddraupnirs;<br \/>\nAus dem Horn Hoddraupnirs.<\/p>\n<p>Auf dem Berge stand er   mit blankem Schwert,<br \/>\nDen Helm auf dem Haupte.<br \/>\nDa hub Mimirs15 Haupt an   weise das erste Wort<br \/>\nUnd sagte wahre St\u00e4be.<\/p>\n<p>Auf dem Schilde st\u00fcnden sie   vor dem scheinenden Gott,<br \/>\nAuf Arwakurs Ohr   und Alfwidurs Huf,<br \/>\nAuf dem Rad, das da rollt   unter R\u00f6gnirs (\u00d6kuth\u00f4rs) Wagen,<br \/>\nAuf Sleipnirs Z\u00e4hnen,   auf des Schlittens B\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Auf des B\u00e4ren Tatze,   auf Bragis Zunge,<br \/>\nAuf den Klauen des Wolfs   und den Krallen des Adlers,<br \/>\nAuf blutigen Schwingen,   auf der Br\u00fccke Kopf,<br \/>\nAuf des L\u00f6senden Hand   und des Lindernden Spur.<\/p>\n<p>Auf Gold und Glas,   auf dem Gl\u00fcck der Menschen,<br \/>\nIn Wein und W\u00fcrze,   auf der Wala Sitz,<br \/>\nAuf Gungnirs Spitze   und Granis Brust,<br \/>\nAuf dem Nagel der Norn   und der Nachteule Schnabel.<\/p>\n<p>Geschabt wurden alle,   die geschnitten waren,<br \/>\nMit hehrem Meth geheiligt<br \/>\nUnd gesandt auf weite Wege.<br \/>\nDie sind bei den Asen,   die bei den Alfen,<br \/>\nDie bei weisen Wanen,<br \/>\nEinige unter Menschen.<\/p>\n<p>Das sind Buchrunen,   das sind Bergrunen,<br \/>\nDie\u00df alle \u00c4lrunen<br \/>\nUnd r\u00fchmliche Machtrunen,<br \/>\nWer sie unverwirrt und unverdorben<br \/>\nWalten l\u00e4\u00dft zu seinem Wohl.<br \/>\nLerne sie und la\u00df sie wirken<br \/>\nBis die G\u00f6tter vergehn.<\/p>\n<p>W\u00e4hle nun,   da die Wahl dir geboten ist,<br \/>\nScharfer Waffenstamm:<br \/>\nSagen oder Schweigen   ersinne dir selber;<br \/>\nAlle Meinthat hat ihr Ma\u00df.<\/p>\n<p>Sigurd.<br \/>\nNicht werd ich weichen,   w\u00e4r gewiss mir der Tod,<br \/>\nIch bin nicht bl\u00f6de geboren.<br \/>\nDeinem treuen Rath   vertrauen werd ich<br \/>\nSo lange mir Leben w\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Sigurdrifa.<br \/>\nDas rath ich zuv\u00f6rderst,   gegen Freunde st\u00e4ts<br \/>\nLedig zu leben aller Schuld.<br \/>\nSei zu Rache nicht rasch,   wenn sie dir Unrecht thun<br \/>\nDas sagt man, taugt im Tode.<\/p>\n<p>Das rath ich zum Andern,   keinen Eid zu schw\u00f6ren,<br \/>\nDer sich als wahr nicht bew\u00e4hrt.<br \/>\nGrimme Fe\u00dfeln   folgen dem Meineid,<br \/>\nUnselig ist der Schwurbrecher.<\/p>\n<p>Das rath ich zum dritten,   da\u00df du beim Dingmahl nicht<br \/>\nMit l\u00e4ppischen Leuten rechtest.<br \/>\nEin unkluger Mann   kann oft doch sagen<br \/>\nSchlimmere Dinge denn er wei\u00df.<\/p>\n<p>Schlimm bleiben sie st\u00e4ts,   denn schweigst du dazu,<br \/>\nSo d\u00fcnkst du bl\u00f6de geboren,<br \/>\nOder nicht mit Unrecht angeklagt.<br \/>\nViel liegt am Leumund,<br \/>\nDrum gieb dir M\u00fch um guten.<br \/>\nLa\u00df andern Tags   sein Leben enden:<br \/>\nSo lohne den Leuten die L\u00fcge.<\/p>\n<p>Das rath ich zum vierten,   wenn eine Vettel wo<br \/>\nAm Wege wohnt, der Schanden voll,<br \/>\nBe\u00dfer als bleiben   dabei ist fortgehn,<br \/>\n\u00dcbern\u00e4hme dich auch die Nacht.<\/p>\n<p>Muntrer Augen   braucht ein Menschensohn,<br \/>\nWo es kommt zu hei\u00dfem Kampf.<br \/>\nAm Wege sitzen   b\u00f6se Weiber oft,<br \/>\nDie Schwert und Sinn bet\u00e4uben.<\/p>\n<p>Das rath ich dir f\u00fcnftens,   wo du sch\u00f6ne Frauen<br \/>\nSitzen siehst auf den B\u00e4nken,<br \/>\nLa\u00df Weibersch\u00f6nheit dir   den Schlaf nicht rauben,<br \/>\nNoch hoffe sie heimlich zu k\u00fcssen.<\/p>\n<p>Das rath ich dir sechstens,   wo M\u00e4nner gesellig<br \/>\nWorte wechseln hin und her,<br \/>\nTrunken tadle nicht   tapfre M\u00e4nner:<br \/>\nManchem raubt der Wein den Witz.<\/p>\n<p>Tobende Trunkenheit   hat Betr\u00fcbniss schon<br \/>\nManchem Manne gebracht,<br \/>\nEinigen Unheil,   Andern den Tod;<br \/>\nVielf\u00e4ltig ist das Leiden.<\/p>\n<p>Das rath ich zum siebenten,   wo du zu schaffen hast<br \/>\nMit beherzten Helden,<br \/>\nMehr frommt fechten   als in Feuer aufgehn<br \/>\nMit Hof und Halle.<\/p>\n<p>Das rath ich dir achtens,   Unrecht zu meiden<br \/>\nUnd List und lose T\u00fccke;<br \/>\nKeine Maid verf\u00fchre,   noch des Andern Gemahl,<br \/>\nVerleite sie nicht zur L\u00fcsternheit.<\/p>\n<p>Das rath ich dir neuntens,   nimm dich des Todten an<br \/>\nWo du im Feld ihn findest,<br \/>\nSei er siechtodt   oder seetodt,<br \/>\nOder am Stahl gestorben.<\/p>\n<p>Ein H\u00fcgel hebe sich   dem Hingegangenen,<br \/>\nGewaschen seien Haupt und Hand.<br \/>\nZur Kiste komm er   gek\u00e4mmt und trocken,<br \/>\nUnd bitte, da\u00df er selig schlafe.<\/p>\n<p>Das rath ich zum zehnten,   z\u00f6gre zu trauen<br \/>\nGesipptem Freund des Feindes,<br \/>\nDessen Bruder du umbrachtest,<br \/>\nDessen Vater du f\u00e4lltest:<br \/>\nDir steckt ein Wolf   im unm\u00fcndigen Sohn,<br \/>\nHat gleich ihn Gold beschwichtigt.<\/p>\n<p>W\u00e4hne Streit und Ha\u00df   nicht eingeschlafen,<br \/>\nNoch halte Harm f\u00fcr verge\u00dfen.<br \/>\nWitz und Waffen   wi\u00dfe zu brauchen,<br \/>\nDer von Allen der Erste sein will.<\/p>\n<p>Das rath ich dir eilftens,   betrachte das \u00dcbel,<br \/>\nWelchen Weg es nehmen will.<br \/>\nNicht lange w\u00e4hn ich   des K\u00f6nigs Leben:<br \/>\n\u00dcbler Trug ist angelegt.<\/p>\n<p>Sigurd sprach: Kein weiseres Weib ist zu finden als du, und das schw\u00f6r ich, da\u00df ich dich haben will, denn du bist nach meinem Sinn. Sie antwortete: Dich will ich und keinen Andern, h\u00e4tt ich auch zu w\u00e4hlen unter allen M\u00e4nnern. Und die\u00df befestigten sie unter sich mit Eiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sigurd ritt hinaus nach Hindarfiall und wandte sich s\u00fcdw\u00e4rts gen Frankenland. 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