{"id":2306,"date":"2014-12-13T20:29:07","date_gmt":"2014-12-13T19:29:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2306"},"modified":"2014-12-13T20:29:07","modified_gmt":"2014-12-13T19:29:07","slug":"fafnismal-das-lied-von-fafnir","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2306","title":{"rendered":"Fafnism\u00e2l (Das Lied von Fafnir)"},"content":{"rendered":"<p>Sigurd und Regin fuhren aufw\u00e4rts zur Gnitahaide und fanden da Fafnirs Weg, auf dem er zum Wa\u00dfer kroch. Da machte Sigurd eine gro\u00dfe Grube im Wege und stellte sich hinein. Als aber Fafnir von seinem Golde kroch, blies er Gift von sich und das fiel dem Sigurd von oben aufs Haupt. Als aber Fafnir \u00fcber die Grube wegglitt, stach ihm Sigurd das Schwert ins Herz. Fafnir sch\u00fcttelte sich und schlug mit Haut und Schweif. Da sprang Sigurd aus der Grube, wo denn Einer den Andern sah. Fafnir sprach:<\/p>\n<p>Gesell und Gesell,   welcher Gesell erzeugte dich,<br \/>\nWas bist du mir ein Menschenkind?<br \/>\nDer in Fafnir f\u00e4rbtest   den funkelnden Stahl;<br \/>\nMir haftet im Herzen dein Schwert.<\/p>\n<p>Aber Sigurd verhehlte seinen Namen, weil es im Altertum Glaube war, da\u00df eines Sterbenden Wort viel verm\u00f6chte, wenn er seinen Feind mit Namen verw\u00fcnschte. Er sprach:<\/p>\n<p>Wunderthier hei\u00df ich,   ich wank umher,<br \/>\nEin Kind, das keine Mutter kennt.<br \/>\nAuch miss ich den Vater,   den Menschen sonst haben,<br \/>\nIch gehe einsam, allein.<\/p>\n<p>Fafnir.<br \/>\nMissest du den Vater,   den Menschen sonst haben,<br \/>\nWelches Wunder erzeugte dich?<\/p>\n<p>Sigurd.<br \/>\nMein Geschlecht   ist dir schwerlich kund<br \/>\nUnd ich selber auch nicht.<br \/>\nSigurd hei\u00df ich,   Sigmund hie\u00df mein Vater;<br \/>\nMeine Waffe verwundete dich.<\/p>\n<p>Fafnir.<br \/>\nWer reizte dich?   Wie lie\u00dfest du dich reizen<br \/>\nMein Leben zu morden,<br \/>\nKlar\u00e4ugiger Knabe?   k\u00fchn war dein Vater:<br \/>\nDem Ungebornen vererbt\u2019 er den Sinn.<\/p>\n<p>Sigurd.<br \/>\nMich reizte das Herz;   die H\u00e4nde vollbrachtens<br \/>\nUnd mein scharfes Schwert.<br \/>\nKeiner ist k\u00fchn,   wenn die Jahre kommen,<br \/>\nDer von Kindesbeinen bl\u00f6d war.<\/p>\n<p>Fafnir.<br \/>\nW\u00e4rst du erwachsen   an der Verwandten Brust,<br \/>\nMan kennte dich k\u00fchn im Kampfe;<br \/>\nIn Haft bist du hier,   ein Heergefangner:<br \/>\nSt\u00e4ts, sagt man, bebt der Gebundne.<\/p>\n<p>Sigurd.<br \/>\nWelcher Vorwurf, Fafnir,   als ob ich fern w\u00e4r<br \/>\nMeinem Mutterlande?<br \/>\nNicht war ich in Haft hier,   auch als Heergefangner;<br \/>\nDu f\u00fchlst wohl, da\u00df ich frei bin.<\/p>\n<p>Fafnir.<br \/>\nEinen Vorwurf findest du   in freundlichem Wort;<br \/>\nAber Eins verk\u00fcnd ich dir:<br \/>\nDas gellende Gold,   der glutrothe Schatz,<br \/>\nDiese Ringe verderben dich.<\/p>\n<p>Sigurd.<br \/>\nGoldes walten   will ein Jeder<br \/>\nSt\u00e4ts bis an den Einen Tag.<br \/>\nDenn Einmal mu\u00df   jeder Mann doch<br \/>\nFahren von hinnen zu Hel.<\/p>\n<p>Fafnir.<br \/>\nDu nimmst f\u00fcr Nichts   der Nornen Spruch,<br \/>\nMein Wort f\u00fcr unweise Rede.<br \/>\nDoch ertrinkst du im Wa\u00dfer,   ob du beim Winde ruderst:<br \/>\nAlles sterbt ihn, der sterben soll.<\/p>\n<p>Der Schreckenshelm   sch\u00fctzte mich lange,<br \/>\nDa ich \u00fcber Kleinoden kroch;<br \/>\nAllein daucht ich mich   st\u00e4rker als alle<br \/>\nUnd fand selten meinen Mann.<\/p>\n<p>Sigurd.<br \/>\nKeinen mag sch\u00fctzen   der Schreckenshelm,<br \/>\nWo Zornige kommen zu k\u00e4mpfen.<br \/>\nWer mit Vielen ficht   befindet bald:<br \/>\nKeiner ist allein der K\u00fchnste.<\/p>\n<p>Fafnir.<br \/>\nGift blies ich,   da ich auf dem Golde lag,<br \/>\nDem Vielen, meines Vaters.<\/p>\n<p>Sigurd.<br \/>\nWohl warst du furchtbar,   du funkelnder Wurm;<br \/>\nEin hartes Herz erhieltest du.<br \/>\nDer Muth schwillt m\u00e4chtig   den Menschens\u00f6hnen,<br \/>\nDie solchen Helm haben.<\/p>\n<p>La\u00df dich fragen, Fafnir,   da du vorschauend bist<br \/>\nUnd wohl Manches weist:<br \/>\nWelches sind die Nornen,   die nothl\u00f6send hei\u00dfen<br \/>\nUnd M\u00fctter m\u00f6gen entbinden?<\/p>\n<p>Fafnir.<br \/>\nVerschiedenen Geschlechts   scheinen die Nornen mir<br \/>\nUnd nicht Eines Ursprungs.<br \/>\nEinige sind Asen,   andere Alfen,<br \/>\nDie dritten T\u00f6chter Dwalins.<\/p>\n<p>Sigurd.<br \/>\nLa\u00df dich fragen, Fafnir,   da du vorschauend bist<br \/>\nUnd wohl Manches weist:<br \/>\nWie hei\u00dft der Holm,   wo Herzblut mischen<br \/>\nSurtur einst und Asen?<\/p>\n<p>Fafnir.<br \/>\nOskopnir (unvermeidlich) hei\u00dft er,   wo alle G\u00f6tter<br \/>\nDereinst mit Speren spielen.<\/p>\n<p>Bifr\u00f6st bricht   eh beide sich scheiden<br \/>\nUnd im Strome schwimmen die Rosse.<\/p>\n<p>Nun rath ich dir, Sigurd,   nimm an den Rath<br \/>\nUnd reit heim von hinnen.<br \/>\nDas gellende Gold,   der glutrothe Schatz,<br \/>\nDiese Ringe verderben dich.<\/p>\n<p>Sigurd.<br \/>\nRath ist mir gerathen;   ich reite dennoch<br \/>\nZu dem Hort auf der Haide.<br \/>\nDu Fafnir lieg   in letzten Z\u00fcgen<br \/>\nBis du hin must zu Hel.<\/p>\n<p>Fafnir.<br \/>\nRegin verrieth mich,   er verr\u00e4th auch dich,<br \/>\nEr bringt uns beiden den Tod.<br \/>\nSein Leben mu\u00df   nun Fafnir la\u00dfen,<br \/>\nDeine Macht bemeistert mich.<\/p>\n<p>Regin war fortgegangen, w\u00e4hrend Sigurd Fafnirn t\u00f6dtete; er kam zur\u00fcck, als Sigurd das Blut vom Schwerte wischte. Regin sprach:<\/p>\n<p>Heil dir nun, Sigurd,   du hast Sieg erk\u00e4mpft<br \/>\nUnd den Fafnir gef\u00e4llt.<br \/>\nVon allen M\u00e4nnern,   die auf Erden wandeln,<br \/>\nAcht ich dich den Unverzagtesten.<\/p>\n<p>Sigurd.<br \/>\nUngewiss bleibt,   wo alle vereint sind,<br \/>\nDer Siegg\u00f6tter S\u00f6hne,<br \/>\nWelcher der unverzagteste ist:<br \/>\nMancher ist k\u00fchn,   der die Klinge nie<br \/>\nBarg in des Andern Brust.<\/p>\n<p>Regin.<br \/>\nStolz bist du, Sigurd,   und siegesfreudig,<br \/>\nDa du Gram im Grase wischest.<br \/>\nDen Bruder hast du   mir umgebracht;<br \/>\nDoch trag ich selbst der Schuld ein Theil.<\/p>\n<p>Sigurd.<br \/>\nDu riethest dazu,   da\u00df ich reiten sollte<br \/>\n\u00dcber die heiligen Berge her.<\/p>\n<p>Gut und Leben geg\u00f6nnt w\u00e4r   dem gl\u00e4nzenden Wurm,<br \/>\nTriebest du mich nicht zur That.<\/p>\n<p>Da ging Regin zu Fafnir und schnitt ihm das Herz aus mit dem Schwerte, das Ridil hei\u00dft und trank dann das Blut aus der Wunde.<\/p>\n<p>Regin.<br \/>\nSitze nun, Sigurd;   ich schlafe derweil,<br \/>\nUnd halte Fafnirs   Herz ans Feuer.<br \/>\nIch will das Herz   zu e\u00dfen haben<br \/>\nAuf den Bluttrunk,   den ich trank.<\/p>\n<p>Sigurd.<br \/>\nFern entflohst du,   w\u00e4hrend in Fafnir ich<br \/>\nR\u00f6thete das scharfe Schwert.<br \/>\nMeine St\u00e4rke setzt ich   wider den starken Wurm,<br \/>\nSo lange du auf der Haide lagst.<\/p>\n<p>Regin.<br \/>\nLange liegen   lie\u00dfest du auf der Haide<br \/>\nJenen alten Joten,<br \/>\nWenn du das Schwert nicht schwangst,   das ich dir schuf,<br \/>\nDie wohlgewetzte Waffe.<\/p>\n<p>Sigurd.<br \/>\nMuth in der Brust   ist be\u00dfer als Stahl,<br \/>\nWo sich Tapfere treffen.<br \/>\nDen K\u00fchnen immer   sah ich erk\u00e4mpfen<br \/>\nMit stumpfem Schwerte den Sieg.<\/p>\n<p>Der K\u00fchne mag be\u00dfer   als der Bange kann<br \/>\nSich im Kriegesspiel versuchen.<br \/>\nMehr gelingt dem Muntern   als dem M\u00fcrrischen<br \/>\nWas er hab in der Hand.<\/p>\n<p>Sigurd nahm Fafnirs Herz und briet es am Spie\u00df. Und als er dachte, da\u00df es gar w\u00e4re, und der Saft aus dem Herzen sch\u00e4umte, da stie\u00df er daran mit seinem Finger und versuchte ob es gar gebraten w\u00e4re. Er verbrannte sich und steckte den Finger in den Mund. Aber als Fafnirs Herzblut ihm auf die Zunge kam, da verstand er der V\u00f6gel Stimmen. Er h\u00f6rte, da\u00df Adlerinnen auf den Zweigen zwitscherten.<\/p>\n<p>Die Eine sang:<br \/>\nDa sitzt Sigurd   blutbespritzt<br \/>\nUnd br\u00e4t am Feuer   Fafnirs Herz.<br \/>\nKlug d\u00e4uchte mich   der Ringverderber,<br \/>\nWenn er das leuchtende   Lebensfleisch \u00e4\u00dfe.<\/p>\n<p>Die andere.<br \/>\nDa liegt nun Regin   und geht zu Rath<br \/>\nWie er triege den Mann,   der ihm vertraute;<br \/>\nSinnt in der Bosheit   auf falsche Beschuldigung:<br \/>\nDer Unheilschmied br\u00fctet   dem Bruder Rache.<\/p>\n<p>Die dritte.<br \/>\nHauptes k\u00fcrzer la\u00df er   den haargrauen Schw\u00e4tzer<br \/>\nFahren von hinnen zu Hel.<br \/>\nSo soll er den Schatz   besitzen allein,<br \/>\nWie viel des unter Fafnir lag.<\/p>\n<p>Die vierte.<br \/>\nEr d\u00e4uchte mich klug,   ged\u00e4cht er zu n\u00fctzen<br \/>\nDen Anschlag, Schwestern,   den ihr wohl ersannt.<br \/>\nEr berathe sich rasch   die Raben zu erfreuen,<br \/>\nDenn den Wolf erwart ich,   gewahr ich sein Ohr.<\/p>\n<p>Die f\u00fcnfte.<br \/>\nSo klug ist nicht   der Kampfesbaum,<br \/>\nWie ich den Heerweiser   h\u00e4tte gew\u00e4hnt,<br \/>\nL\u00e4\u00dft er den einen   Bruder ledig<br \/>\nUnd hat den andern   umgebracht.<\/p>\n<p>Die sechste.<br \/>\nSehr unklug scheint er mir,   schont er l\u00e4nger noch<br \/>\nDen gemeingef\u00e4hrlichen Feind.<br \/>\nDort liegt Regin,   der ihn verrathen will;<br \/>\nEr wei\u00df sich davor nicht zu wahren.<\/p>\n<p>Die siebente.<br \/>\nUm den Kopf k\u00fcrz er   den eiskalten Joten<br \/>\nUnd beraub ihn der Ringe.<br \/>\nSo sind die Sch\u00e4tze,   die Fafnir bese\u00dfen,<br \/>\nIhm allein zu eigen.<\/p>\n<p>Sigurd.<br \/>\nSo verr\u00e4th mich das Loo\u00df nicht,   da\u00df Regin sollte<br \/>\nMir zum M\u00f6rder werden:<br \/>\nBeide Br\u00fcder   sollen alsbald<br \/>\nFahren von hinnen zu Hel.<\/p>\n<p>Sigurd hieb Regin das Haupt ab, und a\u00df Fafnirs Herz und trank beider Blut, Regins und Fafnirs. Da h\u00f6rte Sigurd was die Adlerinnen sangen:<\/p>\n<p>Mit den rothen Ringen   bereife dich, Sigurd;<br \/>\nUm K\u00fcnftges sich k\u00fcmmern   ziemt K\u00f6nigen nicht.<br \/>\nEin Weib wei\u00df ich,   ein wundersch\u00f6nes,<br \/>\nGoldbegabt:   w\u00e4r sie dir geg\u00f6nnt!<\/p>\n<p>Zu Giuki gehen   gr\u00fcne Pfade:<br \/>\nDem Wandernden weist   das Schicksal den Weg.<br \/>\nDa hat eine Tochter   der theure K\u00f6nig:<br \/>\nDie magst du, Sigurd,   um Mahlschatz kaufen.<\/p>\n<p>Ein Hof ist auf dem hohen   Hindarfiall<br \/>\nGanz von Glut   umgeben au\u00dfen.<br \/>\nIhn haben hehre   Herscher geschaffen<br \/>\nAus undunkler   Erdenflamme.<\/p>\n<p>Auf dem Steine schl\u00e4ft   die Streiterfahrene,<br \/>\nUnd lodernd umleckt sie   der Linde Feind.<br \/>\nMit dem Dorn stach Yggr (Odhin)   sie einst in den Schleier<br \/>\nDie Maid, die M\u00e4nner   morden wollte.<\/p>\n<p>Schaun magst du, Mann,   die Maid unterm Helme,<br \/>\nDie aus dem Gew\u00fchl trug   Wingskornir das Ross.<br \/>\nNicht vermag Sigrdrifas   Schlaf zu brechen<br \/>\nEin F\u00fcrstensohn   eh die Nornen es f\u00fcgen.<\/p>\n<p>Sigurd ritt auf Fafnirs Spur nach dessen Hause und fand es offen und die Th\u00fcren von Eisen und aufgeklemmt. Von Eisen war auch alles Zimmerwerk am Hause und das Gold unten in die Erde gegraben. Da fand Sigurd gro\u00dfm\u00e4chtiges Gut und f\u00fcllte damit zwei Kisten. Da nahm er \u00d6gis Helm und die Goldbr\u00fcnne und das Schwert Hrotti und viele Kostbarkeiten und belud Grani damit. Aber das Ross wollte nicht fortgehen bis Sigurd auf seinen R\u00fccken stieg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sigurd und Regin fuhren aufw\u00e4rts zur Gnitahaide und fanden da Fafnirs Weg, auf dem er&hellip;<\/p>\n<p> <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2306\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2306","page","type-page","status-publish"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2306","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2306"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2306\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2307,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2306\/revisions\/2307"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2306"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}