{"id":2294,"date":"2014-12-13T20:06:31","date_gmt":"2014-12-13T19:06:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2294"},"modified":"2014-12-13T20:06:31","modified_gmt":"2014-12-13T19:06:31","slug":"helgakvidha-hundingsbana-oennur-das-andere-lied-von-helgi-dem-hundingstoedter","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2294","title":{"rendered":"Helgakvidha Hundingsbana \u00f6nnur (Das andere Lied von Helgi dem Hundingst\u00f6dter)"},"content":{"rendered":"<p>K\u00f6nig Sigmund, W\u00f6lsungs Sohn, hatte Borghilden von Bralundr zur Frau. Sie nannten ihren Sohn Helgi und zwar nach Helgi, Hi\u00f6rwards Sohne. Den Helgi erzog Hagal. Hunding hie\u00df ein m\u00e4chtiger K\u00f6nig; nach ihm ist Hundland genannt. Er war ein gro\u00dfer Kriegsmann und hatte viel S\u00f6hne, die bei der Heerfahrt waren. Unfriede und Feindschaft war zwischen den K\u00f6nigen Hunding und Sigmund: sie erschlugen einander die Freunde. K\u00f6nig Sigmund und seine Nachkommen hie\u00dfen W\u00f6lsungen und \u00dclfinge (W\u00f6lfinge). Helgi fuhr aus und sp\u00e4hte insgeheim an Hundings Hofe. H\u00e4ming, K\u00f6nig Hundings Sohn, war daheim. Als aber Helgi fortzog, begegnete er einem Hirtenbuben und sprach:<\/p>\n<p>Sag du dem H\u00e4ming,   da\u00df es Helgi war,<br \/>\nDen in das Eisenhemd   M\u00e4nner h\u00fcllten,<br \/>\nDen ihr im Hause   wolfsgrau hattet,<br \/>\nAls ihn f\u00fcr Hamal   Hunding ansah.<\/p>\n<p>Hamal hie\u00df der Sohn Hagals. K\u00f6nig Hunding sandte M\u00e4nner zu Hagal, den Helgi zu suchen, und Helgi, da er nicht anders entrinnen konnte, zog die Kleider einer Magd an und ging in die M\u00fchle. Sie suchten den Helgi und fanden ihn nicht. Da sprach Blindr, der unheilvolle:<\/p>\n<p>\u201eScharf sind die Augen   der Schaffnerin Hagals,<br \/>\nNicht gemeinen Mannes Kind   steht an der M\u00fchle:<br \/>\nDie Steine brechen,   die M\u00fchle zerspringt.<br \/>\nEin hartes Loo\u00df hat   der Held ergriffen,<br \/>\nDa hier ein K\u00f6nig   Gerste malen mu\u00df.<br \/>\nBe\u00dfer st\u00fcnde   so starker Hand wohl<br \/>\nDes Schwertes Griff   als die Mandelstange.\u201c<\/p>\n<p>Hagal antwortete und sprach:<\/p>\n<p>Das mu\u00df nicht wundern   wenn die M\u00fchle dr\u00f6hnt,<br \/>\nDa eine K\u00f6nigsmaid   die Mandel r\u00fchrt.<br \/>\nH\u00f6her schwebte   sie sonst als Wolken,<br \/>\nDie gleich Wikingen wagte   des Kampfs zu walten<br \/>\nBevor sie Helgi   gef\u00fchrt zur Haft.<br \/>\nDie Schwester ist sie   Sigars und H\u00f6gnis:<br \/>\nDrum hat scharfe Augen   der \u00dclfinge Magd.<\/p>\n<p>Helgi entkam und fuhr auf Kriegsschiffen. Er f\u00e4llte K\u00f6nig Hunding und hie\u00df nun Helgi der Hundingst\u00f6dter. Er lag mit seinem Heere in Brunawagir, lie\u00df am Strand das Vieh zusammen treiben und a\u00df rohes Fleisch mit den Helden. H\u00f6gni hie\u00df ein K\u00f6nig; dessen Tochter war Sigrun. Sie war Walk\u00fcre und ritt Luft und Meer. Sie war die wiedergeborene Swawa. Sigrun ritt zu Helgis Schiffen und sprach:<\/p>\n<p>Wer l\u00e4\u00dft die Flotte   flie\u00dfen zum Strande?<br \/>\nWo habt ihr Helden   eure Heimat?<br \/>\nWorauf wartet ihr   in Brunawagir?<br \/>\nWohin gel\u00fcstet euch   die Fahrt zu lenken?<\/p>\n<p>Helgi.<br \/>\nHamal l\u00e4\u00dft die Flotte   flie\u00dfen zum Strande;<br \/>\nIn Hlesey haben wir   unsre Heimat.<br \/>\nFahrwind erwarten wir   in Brunawagir;<br \/>\n\u00d6stlich gel\u00fcstet uns   die Fahrt zu lenken.<\/p>\n<p>Sigrun.<br \/>\nWo hast du, K\u00f6nig,   Kampf erweckt,<br \/>\nWo die V\u00f6gel   der Kriegsschwestern gef\u00fcttert?<br \/>\nWie ist dir mit Blut   die Br\u00fcnne bespritzt!<br \/>\nUnter Helmen e\u00dft ihr   ungesottnes Fleisch.<\/p>\n<p>Helgi.<br \/>\nDas \u00fcbt\u2019 ich zuj\u00fcngst,   ein \u00dclfingensohn,<br \/>\nWestlich dem Meer,   wenn dichs zu wi\u00dfen l\u00fcstet,<\/p>\n<p>Da\u00df ich B\u00e4ren jagte   in Bragalundr<br \/>\nUnd mit Spie\u00dfen s\u00e4ttigte   der Aare Geschlecht.<br \/>\nNun weist du, Maid,   warum es geschieht:<br \/>\nDrum ist selten gekochte   Kost hier am Meer.<\/p>\n<p>Sigrun.<br \/>\nDu zielst auf Kampf;   von Helgi bezwungen<br \/>\nSank Hunding im Kampf auch,   der K\u00f6nig, aufs Feld.<br \/>\nEin Kampf auch wars,   da ihr Verwandte r\u00e4chtet,<br \/>\nUnd die Schneiden bespritztet   der Schwerter mit Blut.<\/p>\n<p>Helgi.<br \/>\nWie magst du wi\u00dfen,   da\u00df die es waren,<br \/>\nVielkluge Frau,   die ihre Freunde r\u00e4chten?<br \/>\nTapfer im Kampf   sind der Krieger viel,<br \/>\nDer Feindschaft voll   auch unsern Freunden.<\/p>\n<p>Sigrun.<br \/>\nIch war nicht fern,   F\u00fchrer des Schlachtkeils,<br \/>\nDa mancher Held   durch Mich dir hinsank.<br \/>\nDoch nenn ich dich schlau,   Sigmunds Erbe,<br \/>\nDa\u00df du in Kampfrunen   k\u00fcndest die Schlacht.<\/p>\n<p>Ich sah dich fahren   vorn auf dem Langschiff,<br \/>\nDa du standest   auf dem blutgen Steven<br \/>\nVon urkalten   Wellen umspielt.<br \/>\nNun will sich hehlen   der Held vor mir;<br \/>\nAber H\u00f6gnis Maid   kennt ihren Mann.<\/p>\n<p>Granmar hie\u00df ein m\u00e4chtiger K\u00f6nig, der zu Swarinsh\u00fcgel sa\u00df. Er hatte viel S\u00f6hne: Einer hie\u00df H\u00f6dbroddr, der andere Gudmund, der dritte Starkadr. H\u00f6dbroddr war in einer K\u00f6nigsversammlung und lie\u00df sich Sigrun, H\u00f6gnis Tochter, verloben. Als sie das h\u00f6rte, ritt sie fort mit Walk\u00fcren durch Luft und Meer und suchte Helgi. Helgi war da auf Logafi\u00f6ll und hatte mit Hundings S\u00f6hnen gek\u00e4mpft: da f\u00e4llte er Alf und Eyolf, Hi\u00f6rward und Herward, und war nun ganz kampfm\u00fcde und sa\u00df unterm Aarstein. Da fand ihn Sigrun und fiel ihm um den Hals und k\u00fcsste ihn und sagte ihm ihr Gesuch, wie es im alten W\u00f6lsungenliede gemeldet ist.<\/p>\n<p>Sigrun suchte   den freudigen Sieger;<br \/>\nHelgis Hand   zog sie ans Herz,<br \/>\nGr\u00fc\u00dfte und k\u00fcsste   den K\u00f6nig unterm Helme.<\/p>\n<p>Da ward der F\u00fcrst   der Jungfrau gewogen,<br \/>\nDie l\u00e4ngst schon hold war   von ganzem Herzen<br \/>\nDem Sohne Sigmunds   eh er sie gesehn.<\/p>\n<p>\u201eDem H\u00f6dbroddr ward ich   vor dem Heere verlobt;<br \/>\nDoch einen Andern   zur Ehe wollt ich.<br \/>\nNun f\u00fcrcht ich, F\u00fcrst,   der Freunde Zorn:<br \/>\nDen alten Wunsch   vereitelt ich dem Vater.\u201c<\/p>\n<p>Nicht wider ihr Herz   sprach H\u00f6gnis Tochter:<br \/>\nHelgis Huld, sprach sie,   m\u00fc\u00dfe sie haben.<\/p>\n<p>Helgi.<br \/>\nHege nicht Furcht   vor H\u00f6gnis Zorn<br \/>\nNoch dem Unwillen   deiner Verwandten.<br \/>\nDu sollst, junge Maid,   mit Mir nun leben:<br \/>\nDu bist edler Abkunft,   das ist mir gewiss.<\/p>\n<p>Helgi sammelte da ein gro\u00dfes Schiffsheer und fuhr gen Frekastein. Aber auf dem Meere traf sie ein m\u00e4nnerverderbliches Unwetter. Blitze fuhren \u00fcber sie hin und Wetterstralen schlugen in die Schiffe. Da sahen sie in der Luft neun Walk\u00fcren reiten und erkannten Sigrun. Alsbald legte sich der Sturm und gl\u00fccklich kamen sie ans Land. Granmars S\u00f6hne sa\u00dfen auf einem Berge, da die Schiffe zu Lande segelten. Gudmund sprang aufs Pferd und ritt auf Kundschaft von dem Berge nach dem Meere. Da zogen die W\u00f6lsungen die Segel nieder. Aber Gudmund sprach wie zuvor geschrieben ist im Helgiliede:<\/p>\n<p>Wie hei\u00dft der Herzog,   der dem Heere gebeut,<br \/>\nDie\u00df furchtbare Volk   zu Land uns f\u00fchrt?<\/p>\n<p>Die\u00df sprach Gudmund, Granmars Sohn:<\/p>\n<p>Wie hei\u00dft   der F\u00fcrst, der die Flotte steuert,<br \/>\nDie goldne Kriegsfahne   am Steven entfaltet?<br \/>\nNicht deutet auf Frieden   das Borderschiff.<br \/>\nWaffenr\u00f6the   umstralt die Wikinge.<\/p>\n<p>Sinfi\u00f6tli.<br \/>\nHier mag H\u00f6dbroddr   den Helgi schauen,<br \/>\nDen fluchttr\u00e4gen F\u00fcrsten,   in der Flotte Mitten.<br \/>\nEr hat das Besitztum   deines Geschlechts,<br \/>\nDas Erbe der Fische,   sich unterworfen.<\/p>\n<p>Gudmund.<br \/>\nDrum fechten wir l\u00e4nger nicht   bei Frekastein<br \/>\nDen Streit zu schlichten   mit sanften Worten:<br \/>\nZeit ists, H\u00f6dbroddr!   Rache zu heischen,<br \/>\nOb l\u00e4nger ein leides   Loo\u00df uns f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Sinfi\u00f6tli.<br \/>\nEher magst du, Gudmund,   Gei\u00dfen h\u00fcten<br \/>\nUnd durch Spalten schl\u00fcpfen   auf schroffen Bergen,<br \/>\nAls Hirt die Hasel-   gert in der Hand:<br \/>\nSchwertentscheidung   geziemt dir schlecht.<\/p>\n<p>Helgi.<br \/>\nEs st\u00fcnde be\u00dfer dir,   Sinfi\u00f6tli, an,<br \/>\nKampf zu fechten   und Aare zu freuen,<br \/>\nAls euch mit unn\u00fctzen   Worten zu eifern,<br \/>\nHehlen auch Helden   den Ha\u00df nicht gern.<\/p>\n<p>Auch Mich nicht gut   d\u00fcnken Granmars S\u00f6hne;<br \/>\nDoch ists Recken r\u00fchmlicher,   reden sie Wahrheit.<br \/>\nSie habens gezeigt   bei Moinsheim,<br \/>\nDa\u00df ihnen Muth nicht gebricht,   die Schwerter zu brauchen:<br \/>\nHelden sind sie   hurtig und schnell.<\/p>\n<p>Gudmund ritt heim, die Kriegsbotschaft zu bringen. Da sammelten Granmars S\u00f6hne ein Heer, zu dem viel K\u00f6nige stie\u00dfen, darunter H\u00f6gni, Sigruns Vater, und seine S\u00f6hne Bragi und Dag. Da geschah eine gro\u00dfe Schlacht und fielen alle S\u00f6hne Granmars und alle ihre H\u00e4uptlinge; nur Dag, H\u00f6gnis Sohn, erhielt Frieden und leistete den W\u00f6lsungen Eide. Sigrun ging auf die Walst\u00e4tte und fand H\u00f6dbroddr dem Tode nah. Sie sprach:<\/p>\n<p>Nicht wirst du Sigrun   vom Sewafi\u00f6ll,<br \/>\nK\u00f6nig H\u00f6dbroddr,   im Arme hegen.<br \/>\nVorbei ist das Leben:   das Beil naht,<br \/>\nGranmars Sohn,   deinem grauen Haupt.<\/p>\n<p>Hierauf fand sie den Helgi und freute sich sehr. Helgi sprach:<\/p>\n<p>Nicht Alles, Gute,   erging dir nach Wunsch;<br \/>\nDoch tragen die Nornen   ein Theil der Schuld.<br \/>\nIn der Fr\u00fche fielen   bei Frekastein<br \/>\nBragi und H\u00f6gni:   ich bin ihr T\u00f6dter!<\/p>\n<p>Bei Styrkleif sank   K\u00f6nig Starkadr,<br \/>\nUnd bei Hlebi\u00f6rg   Hrollaugs S\u00f6hne.<br \/>\nSo grimmig gemuthen   wie Gylfi sah ich nie:<br \/>\nDer Rumpf hieb noch um sich,   da das Haupt gefallen war.<\/p>\n<p>Zur Erde sanken   allermeist<br \/>\nDeine lieben Freunde   in Leichen verkehrt.<br \/>\nDu gewannst nicht beim Siege:   es war dein Schicksal,<br \/>\nDurch Blut zu erlangen   den Liebeswunsch.<\/p>\n<p>Da weinte Sigrun; er aber sprach:<\/p>\n<p>Weine nicht, Sigrun,   du warst uns Hilde,<br \/>\nNicht besiegen F\u00fcrsten ihr Schicksal.<\/p>\n<p>Sie sprach:<\/p>\n<p>Beleben m\u00f6cht ich jetzt   die Leichen sind;<br \/>\nAber zugleich im Arm dir ruhn.<\/p>\n<p>Helgi empfing Sigrun zur Ehe und zeugte S\u00f6hne mit ihr. Aber Helgi ward nicht alt. Dag, H\u00f6gnis Sohn, opferte dem Odhin f\u00fcr Vaterrache. Da lieh Odhin ihm seinen Spie\u00df. Dag fand den Helgi, seinen Schwager, bei Fi\u00f6turlundr (Fe\u00dfelwald); er durchbohrte Helgi mit dem Spie\u00dfe. Da fiel Helgi; aber Dag ritt gen Sewafi\u00f6ll und brachte Sigrun die Zeitung:<\/p>\n<p>Betr\u00fcbt bin ich, Schwester,   dir Trauer zu k\u00fcnden,<br \/>\nDie ich wider Willen   zum Weinen brachte.<br \/>\nIn der Fr\u00fche fiel   bei Fi\u00f6turlundr<br \/>\nDer Edlinge edelster   unter der Sonne.<br \/>\nViel F\u00fcrsten setzt\u2019 er   den Fu\u00df auf den Hals.<\/p>\n<p>Sigrun.<br \/>\nSo sollen dich alle   Eide scheiden,<br \/>\nDie du dem Helgi   hast geschworen<br \/>\nBei der Leiptr   leuchtender Flut<br \/>\nUnd der urkalten   Wa\u00dferklippe.<\/p>\n<p>Das Schiff fahre nicht,   das unter dir f\u00e4hrt,<br \/>\nWeht auch erw\u00fcnschter   Wind dahinter.<br \/>\nDas Ross renne nicht,   das unter dir rennt,<br \/>\nM\u00fcstest du auch fliehen   vor deinen Feinden.<\/p>\n<p>Das Schwert schneide nicht,   das du schwingst,<br \/>\nEs schwirre denn   dir selber ums Haupt.<br \/>\nRache h\u00e4tt ich da   f\u00fcr Helgis Tod,<br \/>\nWenn du ein Wolf w\u00e4rst   im Walde drau\u00dfen<br \/>\nDes Beistands bar   und bar der Freunde,<br \/>\nDer Nahrung ledig,   du spr\u00e4ngst denn um Leichen.<\/p>\n<p>Dag.<br \/>\nIrr bist du, Schwester,   und aberwitzig,<br \/>\nDa\u00df du dem Bruder   Verw\u00fcnschung erbittest.<br \/>\nOdhin allein hat   an dem Unheil Schuld,<br \/>\nDer zwischen Verwandte   Zwistrunen warf.<\/p>\n<p>Dir bietet rothe   Ringe der Bruder,<br \/>\nGanz Wandilswe   und Wigdalir;<br \/>\nHabe dir halb das Reich   dem Harm zur Bu\u00dfe,<br \/>\nSpangengeschm\u00fcckte,   den S\u00f6hnen und dir.<\/p>\n<p>Sigrun.<br \/>\nNicht sitz ich mehr selig   zu Sewafi\u00f6ll<br \/>\nFr\u00fch noch sp\u00e4t,   da\u00df mich freute zu leben,<\/p>\n<p>Es brech ein Glanz denn   aus dem Grabe des F\u00fcrsten,<br \/>\nWigbl\u00e4r das Ross   renne mit ihm daher,<br \/>\nDas goldgez\u00e4umte,   den so gern ich umfinge.<\/p>\n<p>So schuf Helgi   Schrecken und Angst<br \/>\nAll seinen Feinden   und ihren Freunden,<br \/>\nWie vor W\u00f6lfen   w\u00fcthig rennen<br \/>\nGei\u00dfe am Berghang   des Grauens voll.<\/p>\n<p>So hob sich Helgi   \u00fcber die Helden all<br \/>\nWie die edle Esche   \u00fcber die Dornen<br \/>\nOder wie thaubetr\u00e4uft   das Thierkalb springt:<br \/>\nWeit \u00fcberholt es   anderes Wild<br \/>\nUnd gegen den Himmel   gl\u00fchn seine H\u00f6rner.<\/p>\n<p>Ein H\u00fcgel ward \u00fcber Helgi gemacht; aber als er nach Walhall kam, bot Odhin ihm an, die Herschaft mit ihm zu theilen. Helgi sprach:<\/p>\n<p>Nun must du, Hunding,   den M\u00e4nnern all<br \/>\nDas Fu\u00dfbad bereiten,   das Feuer z\u00fcnden;<br \/>\nDie Hunde binden,   der Hengste warten<br \/>\nUnd die Schweine f\u00fcttern   eh du schlafen gehst.<\/p>\n<p>Sigruns Magd ging am Abend zum H\u00fcgel Helgis und sah, da\u00df Helgi zum H\u00fcgel ritt mit gro\u00dfem Gefolge.<\/p>\n<p>Die Magd sprach:<br \/>\nIsts Sinnentrug,   was ich zu schauen meine,<br \/>\nIsts der j\u00fcngste Tag?   Todte reiten.<br \/>\nDie raschen Rosse   reizt ihr mit Sporen:<br \/>\nIst den Helden   Heimfahrt geg\u00f6nnt?<\/p>\n<p>Helgi sprach:<br \/>\nNicht Sinnentrug ists,   was du zu schauen meinst,<br \/>\nNoch Weltverw\u00fcstung,   obwohl du uns siehst<br \/>\nDie raschen Rosse   mit Sporen reizen;<br \/>\nSondern den Helden   ist Heimfahrt geg\u00f6nnt.<\/p>\n<p>Da ging die Magd heim und sprach zu Sigrun:<\/p>\n<p>Geh schnell, Sigrun   von Sewafi\u00f6ll,<br \/>\nWenn dich den Volksf\u00fcrsten   zu finden l\u00fcstet.<br \/>\nDer H\u00fcgel ist offen,   Helgi gekommen.<br \/>\nDie Kampfspuren bluten;   der K\u00f6nig bittet dich,<br \/>\nDu wollest die weinenden   Wunden ihm stillen.<\/p>\n<p>Sigrun ging in den H\u00fcgel zu Helgi und sprach:<\/p>\n<p>Nun bin ich so froh   dich wieder zu finden,<br \/>\nWie die aasgierigen   Habichte Odhins,<br \/>\nWenn sie Leichen wittern   und warmes Blut,<br \/>\nOder thautriefend   den Tag schimmern sehn.<\/p>\n<p>Nun will ich k\u00fcssen   den entseelten K\u00f6nig<br \/>\nEh du die blutige   Br\u00fcnne noch abwirfst.<br \/>\nDas Haar ist dir, Helgi,   in Angstschwei\u00df geh\u00fcllt,<br \/>\nGanz mit Grabesthau   \u00fcbergo\u00dfen der K\u00f6nig;<br \/>\nDie H\u00e4nde sind urkalt   dem Eidam H\u00f6gnis:<br \/>\nWas bringt mir, Gebieter,   die Bu\u00dfe daf\u00fcr?<\/p>\n<p>Helgi.<br \/>\nDu Sigrun bist Schuld   von Sewafi\u00f6ll,<br \/>\nDa\u00df Helgi trieft   von thauendem Harm.<br \/>\nDu vergie\u00dfest, goldziere,   grimme Z\u00e4hren,<br \/>\nSonnige, s\u00fcdliche   eh du schlafen gehst.<br \/>\nJede fiel blutig   auf die Brust dem Helden,<br \/>\nGrub sich eiskalt   in die angstbeklommene.<\/p>\n<p>Wohl sollen wir trinken   k\u00f6stlichen Trank,<br \/>\nVerloren wir Lust   und Lande gleich.<br \/>\nStimme Niemand   ein Sterbelied an,<br \/>\nSchaut er durchbohrt   die Brust mir auch.<br \/>\nNun sind Br\u00e4ute   verborgen im H\u00fcgel,<br \/>\nK\u00f6nigstochter,   bei mir dem todten!<\/p>\n<p>Sigrun bereitete ein Bett im H\u00fcgel und sprach:<\/p>\n<p>Hier hab ich ein Bette   dir, Helgi, bereitet,<br \/>\nEin sorgenloses,   Sohn der \u00dclfinge.<\/p>\n<p>Ich will dir im Arme,   Edling, schlafen,<br \/>\nWie ich dem lebenden   K\u00f6nige lag.<\/p>\n<p>Helgi.<br \/>\nNun darf uns nichts   unm\u00f6glich d\u00fcnken<br \/>\nFr\u00fch noch sp\u00e4t   zu Sewafi\u00f6ll,<br \/>\nDa du dem Entseelten im Arme schl\u00e4fst<br \/>\nIm H\u00fcgel, holde   H\u00f6gnistochter,<br \/>\nUnd bist lebendig,   du K\u00f6nigsgeborne!<\/p>\n<p>Zeit ists, zu reiten   ger\u00f6thete Wege,<br \/>\nDen Flugsteg das fahle   Ross zu f\u00fchren.<br \/>\nWestlich mu\u00df ich stehn   vor Windhelms Br\u00fccke<br \/>\nEh Salgofnir kr\u00e4hend   das Siegervolk weckt.<\/p>\n<p>Helgi ritt seines Weges mit dem Geleit und die Frauen fuhren nach Hause. Den andern Abend lie\u00df Sigrun die Magd Wache halten am H\u00fcgel. Aber bei Sonnenuntergang, als Sigrun zum H\u00fcgel kam, sprach sie:<\/p>\n<p>Gekommen w\u00e4re nun,   ged\u00e4chte zu kommen<br \/>\nSigmunds Sohn   aus den S\u00e4len Odins.<br \/>\nDie Hoffnung ist hin   auf des Helden R\u00fcckkehr,<br \/>\nDa auf Eschenzweigen   die Aare sitzen<br \/>\nUnd alles Volk   zur Traumst\u00e4tte f\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Die Magd.<br \/>\nSei nicht so frevel   allein zu fahren,<br \/>\nSki\u00f6ldungentochter,   zu der Todten H\u00fctten.<br \/>\nSt\u00e4rker werden   st\u00e4ts in den N\u00e4chten<br \/>\nDer Helden Gespenster   als am hellen Tage.<\/p>\n<p>Sigrun lebte nicht lange mehr vor Harm und Leid. Es war Glauben im Altertum, da\u00df Helden wiedergeboren w\u00fcrden; aber das hei\u00dft nun alter Weiber Wahn. Von Helgi und Sigrun wird gesagt, da\u00df sie wiedergeboren w\u00e4ren: Er hie\u00df da Helgi Haddingia-Held; aber Sie Kara, Halfdans Tochter, so wie gesungen ist in den Kara-Liedern; und war sie Walk\u00fcre.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6nig Sigmund, W\u00f6lsungs Sohn, hatte Borghilden von Bralundr zur Frau. 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