{"id":2282,"date":"2014-12-13T15:43:22","date_gmt":"2014-12-13T14:43:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2282"},"modified":"2019-07-01T09:49:26","modified_gmt":"2019-07-01T08:49:26","slug":"voelundarkvidha-das-lied-von-woelundur","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2282","title":{"rendered":"V\u00f6lundarkvidha (Das Lied von W\u00f6lundur)"},"content":{"rendered":"<p>Nidudr hie\u00df ein K\u00f6nig in Schweden. Er hatte zwei S\u00f6hne und eine Tochter; die hie\u00df B\u00f6dwild. Es waren drei Br\u00fcder, S\u00f6hne des Finnenk\u00f6nigs (?); der eine hie\u00df Slagfidr, der andre Egil, der dritte W\u00f6lundur. Die schritten auf dem Eise und jagten das Wild. Sie kamen nach Ulfdalir (Wolfsthal) und bauten sich da H\u00e4user. Da ist ein Wa\u00dfer, das hei\u00dft Ulfsiar (Wolfssee). Fr\u00fch am Morgen fanden sie am Wa\u00dferstrand drei Frauen, die spannen Flachs; bei ihnen lagen ihre Schwanenhemden; es waren Walk\u00fcren. Zweie von ihnen waren T\u00f6chter K\u00f6nig L\u00f6dwers: Hladgud Swanhwit (Schwanwei\u00df) und Herw\u00f6r Alhwit (Allwei\u00df); aber die dritte war \u00c4lrun, die Tochter Kiars von Walland. Die Br\u00fcder f\u00fchrten sie mit sich heim. Egil nahm die \u00c4lrun, Slagfidr die Swanhwit und W\u00f6lundur die Alhwit. Sie wohnten sieben Winter beisammen: da flogen die Weiber Kampf zu suchen, und kamen nicht wieder. Da schritt Egil aus die \u00c4lrun zu suchen und Slagfidr suchte Swanhwit; aber W\u00f6lundur sa\u00df in Ulfdalir. Er war der kunstreichste Mann, von dem man in alten Sagen wei\u00df. K\u00f6nig Nidudr lie\u00df ihn handgreifen so wie hier besungen ist.<\/p>\n<p>Durch Myrkwidr flogen   M\u00e4dchen von S\u00fcden,<br \/>\nAlhwit die junge,   Urlog (Schicksal, Kampf) zu entscheiden.<br \/>\nSie sa\u00dfen am Strande   der See und ruhten;<br \/>\nSch\u00f6nes Linnen spannen   die s\u00fcdlichen Frauen.<\/p>\n<p>Ihrer Eine   hegte sich Egiln,<br \/>\nDie liebliche Maid,   am lichten Busen;<br \/>\nDie andre war Swanhwit,   die Schwanfedern trug<br \/>\n(Um Slagfidr   schlang sie die H\u00e4nde);<br \/>\nDoch die dritte,   deren Schwester,<br \/>\nUmwand W\u00f6lundurs   wei\u00dfen Hals.<\/p>\n<p>So sa\u00dfen sie   sieben Winter lang;<br \/>\nDen ganzen achten   gr\u00e4mten sie sich<br \/>\nBis im Neunten   die Noth sie schied:<br \/>\nDie M\u00e4dchen verlangte   nach Myrkwidr;<br \/>\nAlhwit die junge   wollt Urlog treiben.<\/p>\n<p>Hladgud und Herw\u00f6r   stammten von Hl\u00f6dwer;<br \/>\nVerwandt war \u00c4lrun, die Tochter Kiars.<br \/>\nDie schritt geschwinde   den Saal entlang,<br \/>\nStand auf dem Estrich   und erhob die Stimme:<br \/>\n\u201eSie freun sich nicht,   die aus dem Forste kommen.\u201c<\/p>\n<p>Von Waidwerk kamen   die wegm\u00fcden Sch\u00fctzen,<br \/>\nSlagfidr und Egil,   fanden \u00f6de S\u00e4le,<br \/>\nGingen aus und ein   und sahen sich um.<br \/>\nDa schritt Egil ostw\u00e4rts   \u00c4lrunen nach<br \/>\nUnd s\u00fcdw\u00e4rts Slagfidr   Swanhwit zu finden.<\/p>\n<p>Derweil im Wolfsthal   sa\u00df W\u00f6lundr,<br \/>\nSchlug funkelnd Gold   um festes Gestein<br \/>\nUnd band die Ringe   mit Lindenbast.<br \/>\nAlso harrt\u2019 er   seines holden<br \/>\nWeibes, wenn sie   ihm wieder k\u00e4me.<\/p>\n<p>Das h\u00f6rte Nidudr,   der Niaren Drost,<br \/>\nDa\u00df W\u00f6lundr einsam   in Wolfsthal s\u00e4\u00dfe.<br \/>\nBei Nacht fuhren M\u00e4nner   in genagelten Br\u00fcnnen (Panzern);<br \/>\nIhre Schilde schienen   wider den geschnittnen Mond.<\/p>\n<p>Stiegen vom Sattel   an des Saales Giebelwand,<br \/>\nGingen dann ein,   den ganzen Saal entlang.<br \/>\nSahen am Baste   schweben die Ringe,<br \/>\nSiebenhundert zusammen,   die der Mann besa\u00df.<\/p>\n<p>Sie banden sie ab   und wieder an den Bast,<br \/>\nAu\u00dfer einem,   den lie\u00dfen sie ab.<br \/>\nDa kam vom Waidwerk   der wegm\u00fcde Sch\u00fctze,<br \/>\nW\u00f6lundr, den weiten   Weg daher.<\/p>\n<p>Briet am Feuer   der B\u00e4rin Fleisch:<br \/>\nBald flammt\u2019 am Reisig   die trockne F\u00f6hre,<br \/>\nDas windd\u00fcrre Holz,   vor W\u00f6lundur.<\/p>\n<p>Ruht\u2019 auf der B\u00e4renschur,   die Ringe z\u00e4hlt\u2019 er,<br \/>\nDer Alfengesell:   einen vermisst\u2019 er,<br \/>\nDachte, den h\u00e4tte   Hl\u00f6dwers Tochter:<br \/>\nAlhwit die holde   war heimgekehrt.<\/p>\n<p>Sa\u00df er so lange   bis er entschlief:<br \/>\nDoch er erwachte   wonneberaubt.<br \/>\nMerkt harte Bande   sich um die H\u00e4nde,<br \/>\nF\u00fchlt um die F\u00fc\u00dfe   Fe\u00dfeln gespannt.<\/p>\n<p>\u201eWer sind die Leute,   die in Bande legten<br \/>\nDen freien Mann?   wer fe\u00dfelte mich?\u201c<\/p>\n<p>Da rief Nidudr,   der Niaren Trost:<br \/>\nWo erwarbst du, W\u00f6lundur,   Weiser der Alfen,<br \/>\nUnsere Sch\u00e4tze   in Ulfdalir?<\/p>\n<p>W\u00f6lundur.<br \/>\nHier war kein Gold   wie auf Granis Wege,<br \/>\nFern ist die\u00df Land   den Felsen des Rheins.<br \/>\nMehr der Kleinode   mochten wir haben,<br \/>\nDa wir heil daheim   in der Heimat sa\u00dfen.<\/p>\n<p>K\u00f6nig Nidudr gab seiner Tochter B\u00f6dwild den Goldring, den er vom Baste gezogen in W\u00f6lundurs Haus; aber er selber trug das Schwert, das W\u00f6lundur hatte. Da sprach die K\u00f6nigin:<\/p>\n<p>Er wird die Z\u00e4hne blecken   vor Zorn, wenn er das Schwert erkennt<br \/>\nUnd unsers Kindes Ring.<br \/>\nWild gl\u00fchn die Augen   dem gleissenden Wurm.<br \/>\nSo zerschneidet ihm   der Sehnen Kraft<br \/>\nUnd la\u00dft ihn sitzen   in S\u00e4warstadr.<\/p>\n<p>So wurde gethan, ihm die Sehnen in den Kniekehlen zerschnitten und er in einen Holm gesetzt, der vor dem Strande lag und S\u00e4warstadr hie\u00df. Da schmiedete er dem K\u00f6nig allerhand Kleinode, und Niemand getraute sich, zu ihm zu gehen als der K\u00f6nig allein. W\u00f6lundur sprach:<\/p>\n<p>\u201eEs scheint Nidudurn   ein Schwert am G\u00fcrtel,<br \/>\nDas ich sch\u00e4rfte   so geschickt ich mochte,<br \/>\nDas ich h\u00e4rtete   so hart ich konnte.<br \/>\nDie\u00df lichte Waffen   entwendet ist mirs:<br \/>\nS\u00e4h ichs W\u00f6lundurn   zur Schmiede getragen!<\/p>\n<p>\u201eB\u00f6dwild tr\u00e4gt nun   meiner Getrauten<br \/>\nRothen Ring:   r\u00e4chen will ich das!\u201c<br \/>\nSchlaflos sa\u00df er   und schlug den Hammer;<br \/>\nTrug schuf er Nidudurn   schnell genug.<\/p>\n<p>Liefen zwei Knaben,   lauschten an der Th\u00fcre,<br \/>\nDie S\u00f6hne Nidudurs,   nach S\u00e4warstadr;<br \/>\nKamen zur Kiste   den Schl\u00fc\u00dfel erkundend;<br \/>\nOffen war die \u00fcble,   als sie hineinsahn.<\/p>\n<p>Viel Kleinode sahn sie,   die Knaben daucht es<br \/>\nRothes Gold   und gl\u00e4nzend Geschmeid.<br \/>\n\u201eKommt allein, ihr Zwei,   kommt andern Tags,<br \/>\nSo soll euch das Gold   gegeben werden.<\/p>\n<p>\u201eSagt es den M\u00e4gden nicht   noch dem Gesinde,<br \/>\nLa\u00dft es Niemand h\u00f6ren,   da\u00df ihr hier gewesen.\u201c<br \/>\nZeitig riefen   die Zweie sich an,<br \/>\nBruder den Bruder:   \u201eKomm die Brustringe schaun!\u201c<\/p>\n<p>Sie kamen zur Kiste   die Schl\u00fc\u00dfel erkundend;<br \/>\nOffen war die \u00fcble,   da sie hineinsahn.<br \/>\nUm die K\u00f6pfe k\u00fcrzt\u2019 er   die Knaben beide;<br \/>\nUnterm Fe\u00dfeltrog   barg er die F\u00fc\u00dfe.<\/p>\n<p>Aber die Sch\u00e4del   unter dem Schopfe<br \/>\nSchweift\u2019 er in Silber,   sandte sie Nidudurn.<br \/>\nAus den Augen macht\u2019 er   Edelsteine,<br \/>\nSandte sie der falschen   Frauen Nidudurs.<\/p>\n<p>Aus den Z\u00e4hnen   aber der Zweie<br \/>\nBildet\u2019 er Brustgeschmeid,   sandt\u2019 es B\u00f6dwilden<br \/>\nDa begann den Ring   zu r\u00fchmen B\u00f6dwild;<br \/>\nSie bracht ihn W\u00f6lundurn,   da er zerbrochen war:<br \/>\n\u201eKeinem darf ichs sagen   als dir allein.\u201c<\/p>\n<p>W\u00f6lundur.<br \/>\nIch be\u00dfre dir so   den Bruch am Goldring,<br \/>\nDeinen Vater   d\u00fcnkt er sch\u00f6ner,<br \/>\nDeine Mutter   merklich be\u00dfer;<br \/>\nAber dich selber   noch eben so gut. \u2014<\/p>\n<p>Er betrog sie mit Meth,   der schlauere Mann;<br \/>\nIn den Se\u00dfel sank   und entschlief die Maid.<br \/>\n\u201eNun hab ich gerochen   Harm und Sch\u00e4den<br \/>\nAlle bis auf Einen,   den unheilvollen.<\/p>\n<p>\u201eWohl mir,\u201c sprach W\u00f6lundur:   \u201ew\u00e4r ich auf den Sehnen,<br \/>\nDie mir Nidudurs   M\u00e4nner nahmen.\u201c<br \/>\nLachend hob sich   in die Luft W\u00f6lundur;<br \/>\nB\u00f6dwild wandte   sich weinend vom Holm<br \/>\nUm des Friedels Fahrt sorgend   und des Vaters Zorn.<\/p>\n<p>Au\u00dfen stand Nidudurs   arges Weib,<br \/>\nGing hinein   den ganzen Saal entlang;<br \/>\n\u2014 Auf des Saales Sims   sa\u00df er, und ruhte \u2014<br \/>\n\u201eWachst du, Nidudur,   Niaren-Drost?\u201c \u2014<\/p>\n<p>Nidudur.<br \/>\nImmer wach ich,   wonnelos lieg ich,<br \/>\nMich gemahnts   an meiner S\u00f6hne Tod.<br \/>\nDas Haupt friert mir   von deinen falschen R\u00e4then:<br \/>\nNun wollt ich wohl   mit W\u00f6lundur rechten:<\/p>\n<p>Bekenne mir, W\u00f6lundur,   K\u00f6nig der Alfen,<br \/>\nWas ward aus meinen   wonnigen S\u00f6hnen?<\/p>\n<p>W\u00f6lundur.<br \/>\nErst sollst du alle   Eide mir leisten,<br \/>\nBei Schwertes Spitze   und Schiffes Bord,<br \/>\nBei Schildes Rand   und Rosses Bug,<\/p>\n<p>Da\u00df du W\u00f6lundurs   Weib nicht t\u00f6dtest,<br \/>\nNoch meiner Braut   zum M\u00f6rder werdest,<br \/>\nH\u00e4tt ich ein Weib auch   euch nah verwandt,<br \/>\nOder h\u00e4tte hier   im Haus ein Kind. \u2014<\/p>\n<p>\u201eSo geh zur Schmiede,   die du mir schufest,<br \/>\nDa liegen die B\u00e4lge   mit Blut bespritzt.<br \/>\nDie H\u00e4upter schnitt ich   deinen S\u00f6hnen ab;<br \/>\nUnterm Fe\u00dfeltrog   barg ich die F\u00fc\u00dfe.<\/p>\n<p>\u201eAber die Sch\u00e4del   unter dem Schopfe<br \/>\nSchweift ich in Silber,   schenkte sie Nidudurn.<br \/>\nAus den Augen macht ich   Edelsteine,<br \/>\nSandte sie der falschen   Frauen Nidudurs.<\/p>\n<p>\u201eAus den Z\u00e4hnen   der Zweie dann<br \/>\nBildet\u2019 ich Brustgeschmeid   und sandt es B\u00f6dwilden.<br \/>\nNun geht B\u00f6dwild   mit Kindesb\u00fcrde,<br \/>\nEuer beider   einzige Tochter.\u201c<\/p>\n<p>Nidudur.<br \/>\nNie sagtest du ein Wort,   das so mich betr\u00fcbte,<br \/>\nNie w\u00fcnscht\u2019 ich dich h\u00e4rter,   W\u00f6lundur, zu strafen.<br \/>\nDoch kein Mann ist so rasch,   der vom Ross dich n\u00e4hme,<br \/>\nSo geschickt kein Sch\u00fctze,   der dich niedersch\u00f6\u00dfe<br \/>\nWie du hoch dich   hebst zu den Wolken.<\/p>\n<p>Lachend hob sich   in die Luft W\u00f6lundur;<br \/>\nTraurig Nidudur   schaut\u2019 ihm nach:<\/p>\n<p>\u201eSteh auf, Thankrad,   meiner Thr\u00e4le bester,<br \/>\nBitte B\u00f6dwild,   die brauensch\u00f6ne,<br \/>\nDa\u00df die ringbereifte   mit dem Vater rede.<\/p>\n<p>\u201eIst das wahr, B\u00f6dwild,   was man mir sagte:<br \/>\nSa\u00dfest du mit W\u00f6lundur   zusammen im Holm?\u201c<\/p>\n<p>B\u00f6dwild.<br \/>\nWahr ist das, Nidudur,   was man dir sagte:<br \/>\nIch sa\u00df mit W\u00f6lundur   zusammen im Holm,<br \/>\nH\u00e4tte nie sein sollen!   eine Angststunde lang.<br \/>\nIch verstand ihm nicht   zu widerstehen,<br \/>\nIch vermocht ihm nicht   zu widerstehen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nidudr hie\u00df ein K\u00f6nig in Schweden. 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