{"id":2275,"date":"2014-12-13T15:26:11","date_gmt":"2014-12-13T14:26:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2275"},"modified":"2014-12-13T15:26:36","modified_gmt":"2014-12-13T14:26:36","slug":"rigsmal-das-lied-von-rigr","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2275","title":{"rendered":"R\u00eegsm\u00e2l (Das Lied von Rigr)"},"content":{"rendered":"<p>So wird gesagt in alten Sagen, da\u00df Einer der Asen, der Heimdall hie\u00df, auf seiner Fahrt zu einer Meeresk\u00fcste kam. Da fand er ein Haus und nannte sich Rigr. Und nach dieser Sage wird die\u00df gesungen:<\/p>\n<p>Einst, sagen sie, ging   auf gr\u00fcnen Wegen<br \/>\nDer kraftvolle, edle,   vielkundige As,<br \/>\nDer r\u00fcstige, rasche   Rigr einher.<\/p>\n<p>Weiter wandelnd   des Weges inmitten<br \/>\nTraf er ein Haus   mit offener Th\u00fcr.<br \/>\nEr ging hinein,   am Estrich gl\u00fcht\u2019 es;<br \/>\nDa sa\u00df ein Ehpaar,   ein altes, am Feuer,<br \/>\nAi und Edda   in \u00fcbelm Gewand.<\/p>\n<p>Zu rathen wuste   Rigr den alten;<br \/>\nEr sa\u00df zu beiden   der Bank inmitten,<br \/>\nDie Eheleute   zur Linken und Rechten.<\/p>\n<p>Da nahm Edda   einen Laib aus der Asche,<br \/>\nSchwer und klebricht,   der Kleien voll.<br \/>\nMehr noch trug sie   auf den Tisch alsbald:<br \/>\nSchlemm in der Sch\u00fc\u00dfel   ward aufgesetzt,<br \/>\nUnd das beste Gericht   war ein Kalb in der Br\u00fche.<\/p>\n<p>Auf stand darnach   des Schlafes begierig<br \/>\nRigr, der ihnen   wohl rathen konnte,<br \/>\nLegte zu beiden   ins Bett sich mitten,<br \/>\nDie Eheleute   zur Linken und Rechten.<\/p>\n<p>Da blieb er drauf   drei N\u00e4chte lang,<br \/>\nDann ging er und wanderte   des Wegs inmitten.<br \/>\nDarnach vergingen   der Monden neun.<\/p>\n<p>Edda genas,   genetzt ward das Kind,<br \/>\nWeil schwarz von Haut   gehei\u00dfen Thr\u00e4l.<\/p>\n<p>Es begann zu wachsen   und wohl zu gedeihn.<br \/>\nRauh an den H\u00e4nden   war dem Rangen das Fell,<br \/>\nDie Gelenke knotig   (von Knorpelgeschwulst),<br \/>\nDie Finger fei\u00dft,   fratzig das Antlitz,<br \/>\nDer R\u00fccken krumm,   vorragend die Hacken.<\/p>\n<p>In Kurzem lernt\u2019 er   die Kr\u00e4fte brauchen,<br \/>\nMit Bast binden   und B\u00fcrden schn\u00fcren.<br \/>\nHeim schleppt\u2019 er Reiser   den heilen Tag.<\/p>\n<p>Da kam in den Bau   die G\u00e4ngelbeinige,<br \/>\nSchw\u00e4ren am Hohlfu\u00df,   die Arme sonnverbrannt,<br \/>\nGedr\u00fcckt die Nase   Thyr die Dirne.<\/p>\n<p>Breit auf der Bank   alsbald nahm sie Platz,<br \/>\nIhr zur Seite   des Hauses Sohn.<br \/>\nRedeten, raunten,   ein Lager bereiteten,<br \/>\nDa der Abend einbrach,   der Enk und die Dirne.<\/p>\n<p>Sie lebten knapp   und zeugten Kinder,<br \/>\nGehei\u00dfen, h\u00f6rt ich,   Hreimr und Fiosnir;<br \/>\nKlur und Kleggi,   Keffir, Fulnir,<br \/>\nDrumbr, Digraldi,   Dr\u00f6ttr und H\u00f6swir,<br \/>\nLutr und Leggialdi.   Sie legten Hecken an,<br \/>\nMisteten \u00c4cker,   m\u00e4steten Schweine,<br \/>\nH\u00fcteten Gei\u00dfen   und gruben Torf.<\/p>\n<p>Die T\u00f6chter hie\u00dfen   Trumba und Kumba,<br \/>\n\u00d6ckwinkalfa und Arinnefja;<br \/>\nYsja und Ambatt,   Eikintiasna,<br \/>\nT\u00f6trughypia   und Tr\u00f6nubenja,<br \/>\nVon ihnen entsprang   der Knechte Geschlecht.<\/p>\n<p>Weiter ging Rigr   gerades Weges,<br \/>\nKam an ein Haus,   halboffen die Th\u00fcr.<br \/>\nEr ging hinein,   am Estrich gl\u00fcht\u2019 es;<br \/>\nDa sa\u00df ein Ehpaar   gesch\u00e4ftig am Werk.<\/p>\n<p>Der Mann sch\u00e4lte   die Weberstange,<br \/>\nGestr\u00e4lt war der Bart,   die Stirne frei.<br \/>\nKnapp lag das Kleid an,   die Kiste stand am Boden.<\/p>\n<p>Das Weib daneben   bewand den Rocken<br \/>\nUnd f\u00fchrte den Faden   zu feinem Gespinst.<br \/>\nAuf dem Haupt die Haube,   am Hals ein Schmuck,<br \/>\nEin Tuch um den Nacken,   Nesteln an der Achsel:<br \/>\nAfi und Amma   im eigenen Haus.<\/p>\n<p>Rigr wuste   den Werthen zu rathen;<br \/>\nAuf stand er vom Tische   des Schlafs begierig.<br \/>\nDa legt\u2019 er zu beiden   ins Bette sich mitten,<br \/>\nDie Eheleute   zur Linken und Rechten.<\/p>\n<p>Da blieb er drauf   drei N\u00e4chte lang;<br \/>\n(Dann ging er und wanderte   des Wegs inmitten.)<br \/>\nDarnach vergingen   der Monden neun.<br \/>\nAmma genas,   genetzt ward das Kind<br \/>\nUnd Karl gehei\u00dfen;   das h\u00fcllte das Weib.<br \/>\nRoth wars und frisch   mit funkelnden Augen.<\/p>\n<p>Er begann zu wachsen   und wohl zu gedeihn:<br \/>\nDa z\u00e4hmt\u2019 er Stiere,   zimmerte Pfl\u00fcge,<br \/>\nSchlug H\u00e4user auf,   erh\u00f6hte Scheuern,<br \/>\nF\u00fchrte den Pflug   und fertigte Wagen.<\/p>\n<p>Da fuhr in den Hof   mit Schl\u00fc\u00dfeln beh\u00e4ngt<br \/>\nIm Ziegenkleid   die Verlobte Karls;<br \/>\nSn\u00f6r (Schnur) gehei\u00dfen   sa\u00df sie im Linnen.<br \/>\nSie wohnten beisammen   und wechselten Ringe,<br \/>\nBreiteten Betten   und bauten ein Haus.<\/p>\n<p>Sie zeugten Kinder   und zogen sie froh:<br \/>\nHalr und Drengr,   H\u00f6ldr, Degn und Smidr,<br \/>\nBreidrbondi,   Bundinskeggi,<br \/>\nBui und Boddi,   Brattskeggr und Seggr.<\/p>\n<p>Die T\u00f6chter nannten sie   mit diesen Namen:<br \/>\nSnot, Brudr, Swanni,   Swarri, Spracki,<br \/>\nFliod, Sprund und Wif,   Feima, Ristil.<br \/>\nVon den Beiden entsprang   der Bauern Geschlecht.<\/p>\n<p>Weiter ging Rigr   gerades Weges;<br \/>\nKam er zum Saal   mit s\u00fcdlichem Thor.<br \/>\nAngelehnt wars,   mit leuchtendem Ring.<\/p>\n<p>Er trat hinein,   bestreut war der Estrich.<br \/>\nDie Eheleute sa\u00dfen   und sahen sich an,<br \/>\nVater und Mutter   an den Fingern spielend.<\/p>\n<p>Der Hausherr sa\u00df   die Sehne zu winden,<br \/>\nDen Bogen zu spannen,   Pfeile zu sch\u00e4ften;<br \/>\nDieweil die Hausfrau   die H\u00e4nde besah,<br \/>\nDie Falten ebnete,   am \u00c4rmel zupfte.<\/p>\n<p>Im Schleier sa\u00df sie   ein Geschmeid an der Brust,<br \/>\nDie Schleppe wallend   am blauen Gewand;<br \/>\nDie Braue gl\u00e4nzender,   die Brust wei\u00dfer,<br \/>\nLichter der Nacken   als leuchtender Schnee.<\/p>\n<p>Rigr wuste   dem Paare zu rathen,<br \/>\nZu beiden sa\u00df er   der Bank inmitten,<br \/>\nDie Eheleute   zur Linken und Rechten.<\/p>\n<p>Da brachte die Mutter   gebl\u00fcmtes Gebild<br \/>\nVon schimmerndem Lein,   den Tisch zu spreiten.<br \/>\nLinde Semmel   legte sie dann<br \/>\nVon wei\u00dfem Weizen   gewandt auf das Linnen.<\/p>\n<p>Setzte nun silberne   Sch\u00fc\u00dfeln auf<br \/>\nMit Speck und Wildbr\u00e4t   und gesottnen V\u00f6geln;<br \/>\nIn kostbaren Kelchen   und Kannen war Wein:<br \/>\nSie tranken und sprachen   bis der Abend sank.<\/p>\n<p>Rigr stand auf,   das Bett war bereit.<br \/>\nDa blieb er drauf   drei N\u00e4chte lang:<br \/>\nDann ging er und wanderte   des Weges inmitten.<br \/>\nDarnach vergingen   der Monden neun.<\/p>\n<p>Die Mutter gebar   und barg in Seide<br \/>\nEin Kind, das genetzt   und genannt ward Jarl.<br \/>\nLicht war die Locke   und leuchtend die Wange,<br \/>\nDie Augen scharf   wie Schlangen blicken.<\/p>\n<p>Daheim erwuchs   in der Halle der Jarl:<br \/>\nDen Schild lernt\u2019 er sch\u00fctteln,   Sehnen winden,<br \/>\nBogen spannen   und Pfeile sch\u00e4ften,<br \/>\nSpie\u00dfe werfen,   Lanzen schie\u00dfen,<br \/>\nHunde hetzen,   Hengste reiten,<br \/>\nSchwerter schwingen,   den Sund durchschwimmen.<\/p>\n<p>Aus dem Walde kam der rasche   Rigr gegangen,<br \/>\nRigr gegangen   ihn Runen zu lehren,<br \/>\nNannte mit dem eignen   Namen den Sohn,<br \/>\nHie\u00df ihn zu Erb   und Eigen besitzen<br \/>\nErb und Eigen   und Ahnenschl\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Da ritt er dannen   auf dunkelm Pfade<br \/>\nDurch feuchtes Gebirg   bis vor die Halle.<br \/>\nDa schwang er die Lanze,   den Lindenschild,<br \/>\nSpornte das Ross   und zog das Schwert.<br \/>\nKampf ward erweckt,   die Wiese ger\u00f6thet,<br \/>\nDer Feind gef\u00e4llt,   erfochten das Land.<\/p>\n<p>Nun sa\u00df er und herschte   in achtzehn H\u00f6fen,<br \/>\nVertheilte die Sch\u00e4tze,   Alle beschenkend<br \/>\nMit Schmuck und Geschmeide   und schlanken Pferden.<br \/>\nEr spendete Ringe,   hieb Spangen entzwei.<\/p>\n<p>Da fuhren Edle   auf feuchten Wegen,<br \/>\nKamen zur Halle   vom Hersir bewohnt.<br \/>\nEntgegen ging ihm   die G\u00fcrtelschlanke,<br \/>\nAdlige, artliche,   Erna gehei\u00dfen.<\/p>\n<p>Sie freiten und f\u00fchrten   dem F\u00fcrsten sie heim,<br \/>\nDes Jarls Verlobte   ging sie im Linnen.<br \/>\nSie wohnten beisammen   und waren sich hold,<br \/>\nF\u00fchrten fort den Stamm   froh bis ins Alter.<\/p>\n<p>Bur war der \u00e4lteste,   Barn der andere,<br \/>\nJod und Adal,   Arfi, M\u00f6gr,<br \/>\nNidr und Nidjungr;   Spielen geneigt<br \/>\nSonr und Swein,   sie schwammen und w\u00fcrfelten;<br \/>\nKundr hie\u00df Einer,   Konur der j\u00fcngste.<\/p>\n<p>Da wuchsen auf   des Edeln S\u00f6hne,<br \/>\nZ\u00e4hmten Hengste,   zierten Schilde,<br \/>\nSch\u00e4lten den Eschenschaft,   schliffen Pfeile.<\/p>\n<p>Konur der junge   kannte Runen,<br \/>\nZeitrunen   und Zukunftrunen;<br \/>\nZumal vermocht er   Menschen zu bergen,<br \/>\nSchwerter zu stumpfen,   die See zu stillen.<\/p>\n<p>V\u00f6gel verstand er,   wuste Feuer zu l\u00f6schen,<br \/>\nDen Sinn zu beschwichtigen,   Sorgen zu heilen.<br \/>\nAuch hatt er zumal   acht M\u00e4nner St\u00e4rke.<\/p>\n<p>Er stritt mit Rigr,   dem Jarl, in Runen,<br \/>\nIn allerlei Wi\u00dfen   erwarb er den Sieg.<br \/>\nDa ward ihm gew\u00e4hrt,   da war ihm geg\u00f6nnt,<br \/>\nSelbst Rigr zu hei\u00dfen   und runenkundig.<\/p>\n<p>Jung Konur   ritt durch Rohr und Wald,<br \/>\nWarf das Gescho\u00df   und stellte nach V\u00f6geln.<\/p>\n<p>Da sang vom einsamen   Ast die Kr\u00e4he:<br \/>\n\u201eWas willst du, F\u00fcrstensohn,   V\u00f6gel beizen?<br \/>\nDir ziemte be\u00dfer \u2014 \u2014<br \/>\nHengste reiten   und Heere f\u00e4llen!<\/p>\n<p>\u201eDan hat und Danpr   nicht sch\u00f6nere Hallen,<br \/>\nErb und Eigen   nicht reicher als Ihr.<br \/>\nDoch k\u00f6nnen sie wohl   auf Kielen reiten,<br \/>\nSchwerter pr\u00fcfen   und Wunden hauen.<\/p>\n<p>(Schluss scheint zu fehlen)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So wird gesagt in alten Sagen, da\u00df Einer der Asen, der Heimdall hie\u00df, auf seiner&hellip;<\/p>\n<p> <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2275\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2275","page","type-page","status-publish"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2275","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2275"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2275\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2277,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2275\/revisions\/2277"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2275"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}