{"id":2260,"date":"2014-12-13T14:42:31","date_gmt":"2014-12-13T13:42:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2260"},"modified":"2014-12-13T14:42:31","modified_gmt":"2014-12-13T13:42:31","slug":"skirnisfoer-skirnirs-fahrt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2260","title":{"rendered":"Sk\u00eernisf\u00f6r (Skirnirs Fahrt)"},"content":{"rendered":"<p>Freyr, der Sohn Ni\u00f6rds, hatte sich einst auf Hlidskialf gesetzt und \u00fcberschaute die Welten alle. Da sah er nach J\u00f6tunheim und sah eine sch\u00f6ne Jungfrau aus ihres Vaters Haus in ihre Frauenkammer gehen. Daraus erwuchs ihm gro\u00dfe Gem\u00fcthskrankheit. Skirnir hie\u00df Freys Diener. Ni\u00f6rdr bat ihn, Freyr zum Reden zu bringen. Da sprach<\/p>\n<p>Skadi.<br \/>\nSteh nun auf, Skirnir,   ob du unsern Sohn<br \/>\nMagst zu reden verm\u00f6gen<br \/>\nUm das zu erkunden,   wem der kluge wohl<br \/>\nSo bitterb\u00f6se sei.<\/p>\n<p>Skirnir.<br \/>\n\u00dcbler Antwort verseh ich mich   von euerm Sohne,<br \/>\nWenn ich die Red an ihn richte<br \/>\nUm das zu erkunden,   wem der kluge wohl<br \/>\nSo bitterb\u00f6se sei.<\/p>\n<p>Sage mir, Freyr,   volkwaltender Gott,<br \/>\nWas ich zu wi\u00dfen w\u00fcnsche:<br \/>\nWas weilst du allein   im weiten Saal,<br \/>\nHerr, den heilen Tag?<\/p>\n<p>Freyr.<br \/>\nWie soll ich sagen   dir jungem Gesellen<br \/>\nDer Seele gro\u00dfen Gram?<br \/>\nDie Alfenbestralerin   leuchtet alle Tage,<br \/>\nDoch nicht zu meiner Liebeslust.<\/p>\n<p>Skirnir.<br \/>\nDein Gram mag   so gro\u00df nicht sein,<br \/>\nDa\u00df du ihn mir nicht sagen solltest.<br \/>\nTheilten wir doch   die Tage der Jugend:<br \/>\nSo m\u00f6gen wir Zwei uns Zutraun schenken.<\/p>\n<p>Freyr.<br \/>\nIn Gymirs G\u00e4rten   sah ich gehen<br \/>\nMir liebe Maid.<br \/>\nIhre Arme leuchteten   und Luft und Meer<br \/>\nSchimmerten von dem Scheine.<\/p>\n<p>Mehr lieb ich die Maid   als ein J\u00fcngling mag<br \/>\nIm Lenz seines Lebens.<br \/>\nVon Asen und Alfen   will es nicht Einer,<br \/>\nDa\u00df wir beisammen seien.<\/p>\n<p>Skirnir.<br \/>\nGib mir dein rasches   Ross, das mich sicher<br \/>\nDurch die flackernde Flamme f\u00fchrt;<br \/>\nGib mir das Schwert,   das von selbst sich schwingt<br \/>\nGegen der Reifriesen Brut.<\/p>\n<p>Freyr.<br \/>\nNimm denn mein rasches   Ross, das dich sicher<br \/>\nDurch die flackernde Flamme f\u00fchrt;<br \/>\nNimm mein Schwert,   das von selbst sich schwingt<br \/>\nIn des Beherzten Hand.<\/p>\n<p>Skirnir sprach zu dem Rosse:<br \/>\nDunkel ists drau\u00dfen:   wohl d\u00fcnkt es mich Zeit<br \/>\n\u00dcber feuchte Berge zu fahren.<br \/>\nWir beide vollf\u00fchrens,   f\u00e4ngt uns nicht beide<br \/>\nJener kraftreiche Riese.<\/p>\n<p>Skirnir fuhr gen J\u00f6tunheim zu Gymirs Wohnung. Da waren w\u00fcthige Hunde an die Th\u00fcre des h\u00f6lzernen Zaunes gebunden, der Gerdas Saal umschlo\u00df. Er ritt dahin, wo der Viehhirt am H\u00fcgel sa\u00df und sprach zu ihm:<\/p>\n<p>Sage mir, Hirt,   der am H\u00fcgel sitzt<br \/>\nUnd die Wege bewacht,<br \/>\nWie mag ich schauen   die sch\u00f6ne Maid<br \/>\nVor Gymirs Grauhunden?<\/p>\n<p>Der Hirt.<br \/>\nBist du dem Tode nah   oder todt bereits<br \/>\n(Mann auf der M\u00e4hre R\u00fccken?),<br \/>\nZu sprechen ungeg\u00f6nnt   bleibt dir immerdar<br \/>\nMit Gymirs g\u00f6ttlicher Tochter.<\/p>\n<p>Skirnir.<br \/>\nK\u00fchnheit steht be\u00dfer   als Klagen ihm an,<br \/>\nDer da fertig ist zur Fahrt.<br \/>\nBis auf Einen Tag   ist mein Alter bestimmt<br \/>\nUnd meines Lebens L\u00e4nge.<\/p>\n<p>Gerda.<br \/>\nWelch Get\u00f6se   ert\u00f6nen h\u00f6r ich<br \/>\nHier in unsern Hallen?<br \/>\nDie Erde bebt davon   und alle Wohnungen<br \/>\nIn Gymirsgard erzittern.<\/p>\n<p>Die Magd.<br \/>\nEin Mann ist hier au\u00dfen   von der M\u00e4hre gestiegen<br \/>\nUnd l\u00e4\u00dft sie im Grase grasen.<\/p>\n<p>Gerda.<br \/>\nBitt ihn einzutreten   in unsern Saal<br \/>\nUnd den milden Meth zu trinken,<br \/>\nObwohl mir ahnt,   da\u00df hier au\u00dfen sei<br \/>\nMeines Bruders M\u00f6rder.<\/p>\n<p>Wer ist es der Alfen   oder Asens\u00f6hne,<br \/>\nOder weisen Wanen?<br \/>\nDurch flackernde Flamme   was fuhrst du allein<br \/>\nUnsre S\u00e4le zu schauen?<\/p>\n<p>Skirnir.<br \/>\nBin nicht von den Alfen   noch den Asens\u00f6hnen,<br \/>\nNoch den weisen Wanen;<br \/>\nDurch flackernde Flamme   doch fuhr ich allein<br \/>\nEure S\u00e4le zu schauen.<\/p>\n<p>Der \u00c4pfel eilf   hab ich allgolden,<br \/>\nDie will ich, Gerda, dir geben,<br \/>\nDeine Liebe zu kaufen,   da\u00df du Freyr bekennst,<br \/>\nDa\u00df dir kein liebrer lebe.<\/p>\n<p>Gerda.<br \/>\nDer \u00c4pfel eilf   nehm ich nicht an<br \/>\nUm eines Mannes Minne,<br \/>\nNoch mag ich und Freyr,   dieweil wir athmen beide,<br \/>\nJe zusammen sein.<\/p>\n<p>Skirnir.<br \/>\nDen Ring geb ich,   der in der Glut lag<br \/>\nMit Odhins jungem Erben.<br \/>\nAcht enttr\u00e4ufeln ihm   ebenschwere<br \/>\nIn jeder neunten Nacht.<\/p>\n<p>Gerda.<br \/>\nDen Ring verlang ich nicht,   der in der Lohe lag<br \/>\nMit Odhins jungem Erben.<br \/>\nIn Gymisgard   bedarf ich Goldes nicht:<br \/>\nMir schont der Vater die Sch\u00e4tze.<\/p>\n<p>Skirnir.<br \/>\nSiehst du, M\u00e4dchen, das Schwert,   das scharfe, zaubernde,<br \/>\nDas ich halt in der Hand?<br \/>\nDas Haupt hau ich   vom Hals dir ab,<br \/>\nSo du dich ihm weigern willst.<\/p>\n<p>Gerda.<br \/>\nZu keiner Zeit   werd ich Zwang erdulden<br \/>\nUm Mannesminne.<br \/>\nWohl aber w\u00e4hn ich,   gewahrt dich Gymir,<br \/>\nDa\u00df ihr K\u00fchnen zum Kampfe kommt.<\/p>\n<p>Skirnir.<br \/>\nSiehst du, M\u00e4dchen, das Schwert,   das scharfe, zaubernde,<br \/>\nDas ich halt in der Hand?<br \/>\nSeine Schneide   erschl\u00e4gt den alten Riesen,<br \/>\nF\u00e4llt deinen Vater todt.<\/p>\n<p>Mit der Zauberruthe   zwingen werd ich dich,<br \/>\nMaid, zu meinem Willen.<br \/>\nDahin wirst du kommen,   wo Kinder der Menschen<br \/>\nDich nicht mehr sollen sehen.<\/p>\n<p>Auf des Aaren Felsen   in der Fr\u00fche sollst du sitzen,<br \/>\nWeg von der Welt gewandt zu Hel.<br \/>\nSpeise sei dir widriger   als Wem auf Erden<br \/>\nDer menschenleide Midgardswurm.<\/p>\n<p>Ein scheusliches Wunder   wirst du drau\u00dfen,<br \/>\nDa\u00df Hrimnir dich angafft,   dich Alles anstarrt.<br \/>\nWeitkunder wirst du   als der W\u00e4chter der G\u00f6tter:<br \/>\nGaffe denn hervor am Gitter.<\/p>\n<p>Einsamkeit und Abscheu,   Zwang und Ungeduld<br \/>\nMehren dir Tr\u00fcbsinn und Thr\u00e4nen.<br \/>\nSitze nieder,   so sag ich dir<br \/>\nDes Leides schwellenden Strom,<br \/>\nDen zweischneidigen Schmerz.<\/p>\n<p>Riegel sollen dich \u00e4ngsten   all den Tag<br \/>\nHier im Gehege der Joten.<br \/>\nVor der Hrimthursen Hallen   sollst du den heilen Tag<br \/>\nDich kr\u00fcmmen kostberaubt,<br \/>\nDich kr\u00fcmmen kostverzweifelt.<br \/>\nLeid f\u00fcr Lust   wird dir zum Lohn,<br \/>\nMit Thr\u00e4nen tr\u00e4gst du dein Ungl\u00fcck.<\/p>\n<p>Mit dreik\u00f6pfigem Thursen   teilst du das Leben<br \/>\nOder alterst unverm\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Sehnsucht scheucht dich<br \/>\nVon Morgen zu Morgen;<br \/>\nWie die Distel dorrst du,   die sich gedr\u00e4ngt hat<br \/>\nIn des Ofens \u00d6ffnung.<\/p>\n<p>Zum H\u00fcgel ging ich,   ins tiefe Holz,<br \/>\nZauberruthen zu finden:<br \/>\nZauberruthen fand ich.<\/p>\n<p>Gram ist dir Odhin,   gram ist dir der Asenf\u00fcrst,<br \/>\nFreyr verflucht dich.<br \/>\nFlieh, \u00fcble Maid,   bevor dich vernichtet<br \/>\nDer G\u00f6tter Zauberzorn.<\/p>\n<p>H\u00f6rt es, Joten,   h\u00f6rt es, Hrimthursen,<br \/>\nSuttungs S\u00f6hne,   ihr Asen selber!<br \/>\nWie ich verbiete,   wie ich banne<br \/>\nMannes Gesellschaft der Maid,<br \/>\nMannes Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Hrimgrimnir hei\u00dft der Riese,   der dich haben soll<br \/>\nHinterm Todtenthor,<br \/>\nWo verworfene Knechte   in knotige Wurzeln<br \/>\nDir Gei\u00dfenharn gie\u00dfen.<br \/>\nAnderer Trank   wird dir nicht eingeschenkt,<br \/>\nMaid, nach deinem Willen,<br \/>\nMaid nach meinem Willen!<\/p>\n<p>Ein Thurs (Th) schneid ich dir   und drei St\u00e4be:<br \/>\nOhnmacht, Unmuth, Ungeduld.<br \/>\nSo schneid ich es ab   wie ich es einschnitt,<br \/>\nWenn es Noth thut so zu thun.<\/p>\n<p>Gerda.<br \/>\nHeil sei dir vielmehr,   Held, und nimm den Eiskelch<br \/>\nFirnen Methes voll.<br \/>\nAhnte mir doch nie,   da\u00df ich einen w\u00fcrde<br \/>\nVom Stamm der Wanen w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Skirnir.<br \/>\nMeiner Werbung Erfolg   w\u00fcst ich gesichert gern<br \/>\nEh ich mich hinnen hebe.<br \/>\nWann meinst du in Minne   dem mannlichen Sohn<br \/>\nDes Ni\u00f6rdr zu nahen?<\/p>\n<p>Gerda.<br \/>\nBarri hei\u00dft,   den wir beide wi\u00dfen,<br \/>\nStiller Wege Wald:<br \/>\nNach neun N\u00e4chten   will Ni\u00f6rds Sohne da<br \/>\nGerda Freude g\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Da ritt Skirnir heim. Freyr stand drau\u00dfen, gr\u00fc\u00dfte ihn und fragte nach der Zeitung:<\/p>\n<p>Sage mir, Skirnir,   eh du den Sattel abwirfst<br \/>\nOder vorr\u00fcckst den Fu\u00df,<br \/>\nWas du ausgerichtet   hast in Riesenheim<br \/>\nNach meiner Meinung und deiner.<\/p>\n<p>Skirnir.<br \/>\nBarri hei\u00dft,   den wir beide wi\u00dfen,<br \/>\nStiller Wege Wald:<br \/>\nNach neun N\u00e4chten   will Ni\u00f6rds Sohne da<br \/>\nGerda Freude g\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Freyr.<br \/>\nLang ist Eine Nacht,   l\u00e4nger sind zweie:<br \/>\nWie mag ich dreie dauern?<br \/>\nOft daucht\u2019 ein Monat   mich minder lang<br \/>\nAls eine halbe Nacht des Harrens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freyr, der Sohn Ni\u00f6rds, hatte sich einst auf Hlidskialf gesetzt und \u00fcberschaute die Welten alle.&hellip;<\/p>\n<p> <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2260\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2260","page","type-page","status-publish"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2260","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2260"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2260\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2261,"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2260\/revisions\/2261"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.tlausl.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2260"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}