{"id":2242,"date":"2014-12-11T19:49:32","date_gmt":"2014-12-11T18:49:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2242"},"modified":"2014-12-11T19:49:32","modified_gmt":"2014-12-11T18:49:32","slug":"havamal-des-hohen-lied","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.tlausl.de\/?page_id=2242","title":{"rendered":"H\u00e2vam\u00e2l (Des Hohen Lied)"},"content":{"rendered":"<p>Der Ausg\u00e4nge halber   bevor du eingehst<br \/>\nStelle dich sicher,<br \/>\nDenn ungewiss ist,   wo Widersacher<br \/>\nIm Hause halten.<\/p>\n<p>Heil dem Geber!   der Gast ist gekommen:<br \/>\nWo soll er sitzen?<br \/>\nAthemlos ist,   der unterwegs<br \/>\nSein Gesch\u00e4ft besorgen soll.<\/p>\n<p>W\u00e4rme w\u00fcnscht   der vom Wege kommt<br \/>\nMit erkaltetem Knie;<br \/>\nMit Kost und Kleidern   erquicke den Wandrer,<br \/>\nDer \u00fcber Felsen fuhr.<\/p>\n<p>Wa\u00dfer bedarf,   der Bewirthung sucht,<br \/>\nEin Handtuch und holde N\u00f6thigung.<br \/>\nMit guter Begegnung   erlangt man vom Gaste<br \/>\nWort und Wiedervergeltung.<\/p>\n<p>Witz bedarf man   auf weiter Reise;<br \/>\nDaheim hat man Nachsicht.<br \/>\nZum Augengesp\u00f6tt   wird der Unwi\u00dfende,<br \/>\nDer bei Sinnigen sitzt.<\/p>\n<p>Doch steife sich Niemand   auf seinen Verstand,<br \/>\nAcht hab er immer.<br \/>\nWer klug und wortkarg   zum Wirthe kommt<br \/>\nSchadet sich selten:<br \/>\nDenn festern Freund   als kluge Vorsicht<br \/>\nMag der Mann nicht haben.<\/p>\n<p>Vorsichtiger Mann,   der zum Male kommt,<br \/>\nSchweigt lauschend still.<br \/>\nMit Ohren horcht er,   mit Augen sp\u00e4ht er<br \/>\nUnd forscht zuvor verst\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Selig ist,   der sich erwirbt<br \/>\nLob und guten Leumund.<br \/>\nUnser Eigentum   ist doch ungewiss<br \/>\nIn des Andern Brust.<\/p>\n<p>Selig ist,   wer selbst sich mag<br \/>\nIm Leben l\u00f6blich rathen,<br \/>\nDenn \u00fcbler Rath   wird oft dem Mann<br \/>\nAus des Andern Brust.<\/p>\n<p>Nicht be\u00dfre B\u00fcrde   bringt man auf Reisen<br \/>\nAls Wi\u00dfen und Weisheit.<br \/>\nSo frommt das Gold   in der Fremde nicht,<br \/>\nIn der Noth ist nichts so n\u00fctze.<\/p>\n<p>Nicht \u00fcblern Begleiter   giebt es auf Reisen<br \/>\nAls Betrunkenheit ist,<br \/>\nUnd nicht so gut   als Mancher glaubt<br \/>\nIst \u00c4l den Erdens\u00f6hnen,<br \/>\nDenn um so minder   je mehr man trinkt<br \/>\nHat man seiner Sinne Macht.<\/p>\n<p>Der Verge\u00dfenheit Reiher   \u00fcberrauscht Gelage<br \/>\nUnd stiehlt die Besinnung.<br \/>\nDes Vogels Gefieder   befing auch Mich<br \/>\nIn Gunl\u00f6ds Haus und Gehege.<\/p>\n<p>Trunken ward ich   und \u00fcbertrunken<br \/>\nIn des schlauen Fialars Felsen.<br \/>\nTrunk mag taugen,   wenn man ungetr\u00fcbt<br \/>\nSich den Sinn bewahrt.<\/p>\n<p>Schweigsam und vorsichtig   sei des F\u00fcrsten Sohn<br \/>\nUnd k\u00fchn im Kampf.<br \/>\nHeiter und wohlgemuth   erweise sich Jeder<br \/>\nBis zum Todestag.<\/p>\n<p>Der unwerthe Mann   meint ewig zu leben,<br \/>\nWenn er vor Gefechten flieht.<br \/>\nDas Alter g\u00f6nnt ihm   doch endlich nicht Frieden.<br \/>\nObwohl der Sper ihn spart.<\/p>\n<p>Der T\u00f6lpel glotzt,   wenn er zum Gastmal kommt,<br \/>\nMurmelnd sitzt er und mault.<br \/>\nHat er sein Theil   getrunken hernach,<br \/>\nSo sieht man welchen Sinns er ist.<\/p>\n<p>Der wei\u00df allein,   der weit gereist ist,<br \/>\nUnd Vieles hat erfahren,<br \/>\nWelches Witzes   jeglicher waltet,<br \/>\nWofern ihn selbst der Sinn nicht fehlt.<\/p>\n<p>Lange zum Becher nur,   doch leer ihn mit Ma\u00df,<br \/>\nSprich gut oder schweig.<br \/>\nNiemand wird es   ein Laster nennen,<br \/>\nWenn du fr\u00fch zur Ruhe f\u00e4hrst.<\/p>\n<p>Der gierige Schlemmer,   vergi\u00dft er der Tischzucht,<br \/>\nSchlingt sich schwere Krankheit[WS 1] an;<br \/>\nOft wirkt Verspottung,   wenn er zu Weisen kommt,<br \/>\nTh\u00f6richtem Mann sein Magen.<\/p>\n<p>Selbst Heerden wi\u00dfen,   wann zur Heimkehr Zeit ist<br \/>\nUnd gehn vom Grase willig;<br \/>\nDer Unkluge   kennt allein nicht<br \/>\nSeines Magens Ma\u00df.<\/p>\n<p>Der Armselige,   \u00dcbelgesinnte<br \/>\nHohnlacht \u00fcber Alles<br \/>\nUnd wei\u00df doch selbst nicht   was er wi\u00dfen sollte,<br \/>\nDa\u00df er nicht fehlerfrei ist.<\/p>\n<p>Unweiser Mann   durchwacht die N\u00e4chte<br \/>\nUnd sorgt um alle Sachen;<br \/>\nMatt nur ist er,   wenn der Morgen kommt,<br \/>\nDer Jammer w\u00e4hrt wie er war.<\/p>\n<p>Ein unkluger Mann   meint sich Alle hold,<br \/>\nDie ihn lieblich anlachen.<br \/>\nEr versieht es sich nicht,   wenn sie Schlimmes von ihm reden<br \/>\nSo er zu Kl\u00fcgern kommt.<\/p>\n<p>Ein unkluger Mann   meint sich Alle hold,<br \/>\nDie ihm kein Widerwort geben;<br \/>\nKommt er vor Gericht,   so erkennt er bald,<br \/>\nDa\u00df er wenig Anw\u00e4lte hat.<\/p>\n<p>Ein unkluger Mann   meint Alles zu k\u00f6nnen,<br \/>\nWenn er sich einmal zu wahren wuste.<br \/>\nDoch wenig wei\u00df er   was er antworten soll,<br \/>\nWenn er mit Schwerem versucht wird.<\/p>\n<p>Ein unkluger Mann,   der zu Andern kommt,<br \/>\nSchweigt am Besten still.<br \/>\nNiemand bemerkt,   da\u00df er nichts versteht<br \/>\nSo lang er zu sprechen scheut.<br \/>\nNur freilich wei\u00df   wer wenig wei\u00df<br \/>\nAuch das nicht, wann er schweigen soll.<\/p>\n<p>Weise d\u00fcnkt sich schon   wer zu fragen wei\u00df<br \/>\nUnd zu sagen versteht;<br \/>\nDoch Unwi\u00dfenheit mag   kein Mensch verbergen,<br \/>\nDer mit Leuten leben mu\u00df.<\/p>\n<p>Der schwatzt zuviel,   der nimmer geschweigt<br \/>\nEitel unn\u00fctzer Worte.<br \/>\nDie zappelnde Zunge,   die kein Zaum verh\u00e4lt,<br \/>\nErgellt sich selten Gutes.<\/p>\n<p>Mach nicht zum Spott   der Augen den Mann,<br \/>\nDer vertrauend Schutz will suchen.<br \/>\nKlug d\u00fcnkt sich leicht,   der von Keinem befragt wird<br \/>\nUnd mit heiler Haut daheim sitzt.<\/p>\n<p>Klug d\u00fcnkt sich gern,   wer Gast den Gast<br \/>\nVerh\u00f6hnend, Heil in der Flucht sucht.<br \/>\nOft merkt zu sp\u00e4t,   der beim Male Hohn sprach,<br \/>\nWie gr\u00e4mlichen Feind er ergrimmte.<\/p>\n<p>Zu oft geschiehts,   da\u00df sonst nicht Verfeindete<br \/>\nSich als Tischgesellen schrauben.<br \/>\nDieses Aufziehn   wird ewig w\u00e4hren:<br \/>\nDer Gast grollt dem Gaste.<\/p>\n<p>Bei Zeiten nehme   den Imbi\u00df zu sich,<br \/>\nDer nicht zu gutem Freunde f\u00e4hrt.<br \/>\nSonst sitzt er und schnappt   und will verschmachten<br \/>\nUnd hat zum Reden nicht Ruhe.<\/p>\n<p>Ein Umweg ists   zum untreuen Freunde,<br \/>\nWohnt er gleich am Wege;<br \/>\nZum trauten Freunde   f\u00fchrt ein Richtsteig<br \/>\nWie weit der Weg sich wende.<\/p>\n<p>Zu gehen schickt sich,   nicht zu gasten st\u00e4ts<br \/>\nAn derselben Statt.<br \/>\nDer Liebe wird leid,   der lange weilt<br \/>\nIn des Andern Haus.<\/p>\n<p>Eigen Haus,   ob eng, geht vor,<br \/>\nDaheim bist du Herr,<br \/>\nZwei Ziegen nur   und dazu ein Strohdach<br \/>\nIst be\u00dfer als Betteln.<\/p>\n<p>Eigen Haus,   ob eng, geht vor,<br \/>\nDaheim bist du Herr.<br \/>\nDas Herz blutet Jedem,   der erbitten mu\u00df<br \/>\nSein Mal alle Mittag.<\/p>\n<p>Von seinen Waffen   weiche Niemand<br \/>\nEinen Schritt im freien Feld:<br \/>\nNiemand wei\u00df   unterwegs wie bald<br \/>\nEr seines Spers bedarf.<\/p>\n<p>Nie fand ich so milden   und kostfreien Mann,<br \/>\nDer nicht gerne Gab empfing,<br \/>\nMit seinem Gute   so freigebig Keinen,<br \/>\nDem Lohn w\u00e4r leid gewesen.<\/p>\n<p>Des Verm\u00f6gens,   das der Mann erwarb,<br \/>\nSoll er sich selbst nicht Abbruch thun:<br \/>\nOft spart man dem Leiden   was man dem Lieben bestimmt;<br \/>\nViel f\u00fcgt sich schlimmer als man denkt.<\/p>\n<p>Freunde sollen mit Waffen   und Gew\u00e4ndern sich erfreun,<br \/>\nDen sch\u00f6nsten, die sie besitzen:<br \/>\nGab und Gegengabe   begr\u00fcndet Freundschaft,<br \/>\nWenn sonst nichts entgegen steht.<\/p>\n<p>Der Freund soll dem Freunde   Freundschaft bew\u00e4hren<br \/>\nUnd Gabe gelten mit Gabe.<br \/>\nHohn mit Hohn   soll der Held erwiedern,<br \/>\nUnd Losheit mit L\u00fcge.<\/p>\n<p>Der Freund soll dem Freunde   Freundschaft bew\u00e4hren,<br \/>\nIhm selbst und seinen Freunden.<br \/>\nAber des Feindes   Freunde soll Niemand<br \/>\nSich gewogen erweisen.<\/p>\n<p>Weist du den Freund,   dem du wohl vertraust<br \/>\nUnd erhoffst du Holdes von ihm,<br \/>\nSo tausche Gesinnung   und Geschenke mit ihm,<br \/>\nUnd suche manchmal sein Haus heim.<\/p>\n<p>Weist du den Mann,   dem du wenig vertraust<br \/>\nUnd hoffst doch Holdes von ihm,<br \/>\nSei fromm in Worten   und falsch im Denken<br \/>\nUnd zahle Losheit mit L\u00fcge.<\/p>\n<p>Weist du dir Wen,   dem du wenig vertraust,<br \/>\nWeil dich sein Sinn verd\u00e4chtig d\u00fcnkt,<br \/>\nDen magst du anlachen,   und an dich halten:<br \/>\nDie Vergeltung gleiche der Gabe.<\/p>\n<p>Jung war ich einst,   da ging ich einsam<br \/>\nVerla\u00dfne Wege wandern.<br \/>\nDoch f\u00fchlt ich mich reich,   wenn ich Andere fand:<br \/>\nDer Mann ist des Mannes Lust.<\/p>\n<p>Der milde, muthige   Mann ist am gl\u00fccklichsten,<br \/>\nDen selten Sorge beschleicht;<br \/>\nDoch der Verzagte   zittert vor Allem<br \/>\nUnd kargt verk\u00fcmmernd mit Gaben.<\/p>\n<p>Mein Gewand   gab ich im Walde<br \/>\nMoosm\u00e4nnern zweien.<br \/>\nBekleidet dauchten   sie K\u00e4mpen sich gleich,<br \/>\nW\u00e4hrend Hohn den Nackten neckt.<\/p>\n<p>Der Dornbusch dorrt,   der im Dorfe steht,<br \/>\nIhm bleibt nicht Blatt noch Borke.<br \/>\nSo geht es dem Mann,   den Niemand mag:<br \/>\nWas soll er l\u00e4nger leben?<\/p>\n<p>Hei\u00dfer brennt   als Feuer der B\u00f6sen<br \/>\nFreundschaft f\u00fcnf Tage lang;<br \/>\nDoch sicher am sechsten   ist sie erstickt<br \/>\nUnd alle Lieb erloschen.<\/p>\n<p>Die Gabe mu\u00df   nicht immer gro\u00df sein:<br \/>\nOft erwirbt man mit Wenigem Lob.<br \/>\nEin halbes Brot,   eine Neig[WS 2] im Becher<br \/>\nGewann mir wohl den Gesellen.<\/p>\n<p>Wie K\u00f6rner im Sand   klein an Verstand<br \/>\nIst kleiner Seelen Sinn.<br \/>\nUngleich ist   der Menschen Einsicht,<br \/>\nZwei H\u00e4lften hat die Welt.<\/p>\n<p>Der Mann mu\u00df   m\u00e4\u00dfig weise sein,<br \/>\nDoch nicht allzuweise.<br \/>\nDas sch\u00f6nste Leben   ist dem beschieden,<br \/>\nDer recht wei\u00df was er wei\u00df.<\/p>\n<p>Der Mann mu\u00df   m\u00e4\u00dfig weise sein,<br \/>\nDoch nicht allzuweise.<br \/>\nDes Weisen Herz   erheitert sich selten<br \/>\nWenn er zu weise wird.<\/p>\n<p>Der Mann mu\u00df   m\u00e4\u00dfig weise sein,<br \/>\nDoch nicht allzuweise.<br \/>\nSein Schicksal kenne   Keiner voraus,<br \/>\nSo bleibt der Sinn ihm sorgenfrei.<\/p>\n<p>Brand entbrennt an Brand   bis er zu Ende brennt,<br \/>\nFlamme belebt sich an Flamme.<br \/>\nDer Mann wird durch den Mann   der Rede m\u00e4chtig:<br \/>\nIm Verborgnen bleibt er bl\u00f6de.<\/p>\n<p>Fr\u00fch aufstehen soll   wer den Andern sinnt<br \/>\nUm Haupt und Habe zu bringen:<br \/>\nDem schlummernden Wolf   gl\u00fcckt selten ein Fang,<br \/>\nNoch schlafendem Mann ein Sieg.<\/p>\n<p>Fr\u00fch aufstehen soll   wer wenig Arbeiter hat,<br \/>\nUnd schaun nach seinem Werke.<br \/>\nManches vers\u00e4umt   wer den Morgen verschl\u00e4ft:<br \/>\nDem Raschen geh\u00f6rt der Reichtum halb.<\/p>\n<p>D\u00fcrrer Scheite   und deckender Schindeln<br \/>\nWei\u00df der Mann das Ma\u00df,<br \/>\nUnd all des Holzes,   womit er ausreicht<br \/>\nW\u00e4hrend der Jahreswende.<\/p>\n<p>Rein und ges\u00e4ttigt   reit zur Versammlung<br \/>\nUm sch\u00f6nes Kleid unbek\u00fcmmert.<br \/>\nDer Schuh und der Hosen   sch\u00e4me sich Niemand,<br \/>\nNoch des Hengstes, hat er nicht guten.<\/p>\n<p>Zu sagen und zu fragen   verstehe Jeder,<br \/>\nDer nicht dumm will d\u00fcnken.<br \/>\nNur Einem vertrau er,   nicht auch dem Andern;<br \/>\nWi\u00dfens dreie, so wei\u00df es die Welt.<\/p>\n<p>Verlangend lechzt   eh er landen mag<br \/>\nDer Aar auf der ewigen See.<br \/>\nSo geht es dem Mann   in der Menge des Volks,<br \/>\nDer keinen Anwalt antrifft.<\/p>\n<p>Der Macht mu\u00df   der Mann, wenn er klug ist,<br \/>\nSich mit Bedacht bedienen,<br \/>\nDenn bald wird er finden,   wenn er sich Feinde macht,<br \/>\nDa\u00df dem Starken ein St\u00e4rkrer lebt.<\/p>\n<p>Umsichtig und verschwiegen   sei ein Jeder<br \/>\nUnd im Zutraun zaghaft.<br \/>\nWorte, die Andern   anvertraut wurden,<br \/>\nB\u00fc\u00dft man oft bitter.<\/p>\n<p>An manchen Ort   kam ich allzufr\u00fch;<br \/>\nAllzusp\u00e4t an andern.<br \/>\nBald war getrunken   das Bier, bald zu frisch;<br \/>\nUnlieber kommt immer zur Unzeit.<\/p>\n<p>Hier und dort   h\u00e4tte mir Labung gewinkt,<br \/>\nWenn ich des bedurfte.<br \/>\nZwei Schinken noch hingen   in des Freundes Halle,<br \/>\nWo ich Einen schon geschmaust.<\/p>\n<p>* * *<\/p>\n<p>Feuer ist das Beste   dem Erdgebornen,<br \/>\nUnd der Sonne Schein;<br \/>\nNur sei Gesundheit   ihm nicht versagt<br \/>\nUnd lasterlos zu leben.<\/p>\n<p>Ganz ungl\u00fccklich ist Niemand,   ist er gleich nicht gesund:<br \/>\nEiner hat an S\u00f6hnen Segen,<br \/>\nEiner an Freunden,   Einer an vielem Gut,<br \/>\nEiner an trefflichem Thun.<\/p>\n<p>Leben ist be\u00dfer,   auch Leben in Armut:<br \/>\nDer Lebende kommt noch zur Ruh.<br \/>\nFeuer sah ich des Reichen   Reicht\u00fcmer fre\u00dfen,<br \/>\nUnd der Tod stand vor der Th\u00fcr.<\/p>\n<p>Der Hinkende reite,   der Handlose h\u00fcte,<br \/>\nDer Taube taugt noch zur Tapferkeit.<br \/>\nBlind sein ist be\u00dfer   als verbrannt werden:<br \/>\nDer Todte n\u00fctzt zu nichts mehr.<\/p>\n<p>Ein Sohn ist be\u00dfer,   ob sp\u00e4t geboren<br \/>\nNach des Vaters Hinfahrt.<br \/>\nBautasteine[WS 3]   stehn am Wege selten,<br \/>\nWenn sie der Freund dem Freund nicht setzt.<\/p>\n<p>Zweie geh\u00f6ren zusammen   und doch schl\u00e4gt die Zunge das Haupt.<br \/>\nUnter jedem Gewand   erwart ich eine Faust.<\/p>\n<p>Der Nacht freut sich   wer des Vorraths gewiss ist,<br \/>\nDoch herb ist die Herbstnacht.<br \/>\nF\u00fcnfmal wechselt   oft das Wetter am Tag:<br \/>\nWie viel mehr im Monat!<\/p>\n<p>Wer wenig wei\u00df,   der wei\u00df auch nicht,<br \/>\nDa\u00df Einen oft der Reichtum \u00e4fft;<br \/>\nEiner ist reich,   ein Andrer arm:<br \/>\nDen soll Niemand narren.<\/p>\n<p>Das Vieh stirbt,   die Freunde sterben<br \/>\nEndlich stirbt man selbst;<br \/>\nDoch nimmer mag ihm   der Nachruhm sterben,<br \/>\nWelcher sich guten gewann.<\/p>\n<p>Das Vieh stirbt,   die Freunde sterben,<br \/>\nEndlich stirbt man selbst;<br \/>\nDoch Eines wei\u00df ich,   da\u00df immer bleibt:<br \/>\nDas Urtheil \u00fcber den Todten.<\/p>\n<p>Volle Speicher sah ich   bei Fettlings Spro\u00dfen,<br \/>\nDie heuer am Hungertuch nagen:<br \/>\n\u00dcberflu\u00df w\u00e4hrt   einen Augenblick,<br \/>\nDann flieht er, der falscheste Freund.<\/p>\n<p>Der alberne Geck, gewinnt er etwa<br \/>\nGut oder Gunst der Frauen,<br \/>\nGleich schwillt ihm der Kamm,   doch die Klugheit nicht;<br \/>\nNur im Hochmuth nimmt er zu.<\/p>\n<p>Was wirst du finden,   befragst du die Runen,<br \/>\nDie hochheiligen,<br \/>\nWelche G\u00f6tter schufen,   Hohepriester schrieben?<br \/>\nDa\u00df nichts be\u00dfer sei als Schweigen.<\/p>\n<p>* * *<\/p>\n<p>Den Tag lob Abends,   die Frau im Tode,<br \/>\nDas Schwert, wenns versucht ist,<br \/>\nDie Braut nach der Hochzeit,   eh es bricht das Eis,<br \/>\nDas \u00c4l, wenns getrunken ist.<\/p>\n<p>Im Sturm f\u00e4ll den Baum,   stich bei Fahrwind in See,<br \/>\nMit der Maid spiel im Dunkeln:   manch Auge hat der Tag.<br \/>\nDas Schiff ist zum Segeln,   der Schild zum Decken gut,<br \/>\nDie Klinge zum Hiebe,   zum K\u00fcssen das M\u00e4dchen.<\/p>\n<p>Trink \u00c4l am Feuer,   auf Eis lauf Schrittschuh,<br \/>\nKauf mager das Ross   und rostig das Schwert.<br \/>\nZieh den Hengst daheim,   den Hund im Vorwerk.<\/p>\n<p>M\u00e4dchenreden   vertraue kein Mann,<br \/>\nNoch der Weiber Worten.<br \/>\nAuf geschwungnem Rad   geschaffen ward ihr Herz,<br \/>\nTrug in der Brust verborgen.<\/p>\n<p>Krachendem Bogen,   knisternder Flamme,<br \/>\nSchnappendem Wolf,   geschw\u00e4tziger Kr\u00e4he,<br \/>\nGrunzender Bache,   wurzellosem Baum,<br \/>\nSchwellender Meerflut,   sprudelndem Ke\u00dfel;<\/p>\n<p>Fliegendem Pfeil,   fallender See,<br \/>\nEinn\u00e4chtgem Eis,   geringelter Natter,<br \/>\nBettrede der Braut,   bruchigem Schwert,<br \/>\nKosendem B\u00e4ren   und K\u00f6nigskinde;<\/p>\n<p>Siechem Kalb,   gef\u00e4lligem Knecht,<br \/>\nWahrsagendem Weib,   auf der Walstatt Besiegtem,<br \/>\nHeiterm Himmel,   lachendem Herrn,<br \/>\nHinkendem K\u00f6ter   und Trauerkleidern;<\/p>\n<p>Dem M\u00f6rder deines Bruders,   wie breit w\u00e4r die Stra\u00dfe,<br \/>\nHalbverbranntem Haus,   windschnellem Hengst,<br \/>\n(Bricht ihm ein Bein,   so ist er unbrauchbar):<br \/>\nDem Allen soll Niemand   voreilig trauen.<\/p>\n<p>Fr\u00fchbes\u00e4tem Feld   trau nicht zu viel,<br \/>\nNoch altklugem Kind.<br \/>\nWetter braucht die Saat   und Witz das Kind:<br \/>\nDas sind zwei zweiflige Dinge.<\/p>\n<p>Die Liebe der Frau,   die falschen Sinn hegt,<br \/>\nGleicht unbeschlagnem Ross   auf schl\u00fcpfrigem Eis,<br \/>\nMuthwillig, zweij\u00e4hrig,   und \u00fcbel gez\u00e4hmt;<br \/>\nOder steuerlosem Schiff   auf st\u00fcrmender Flut,<br \/>\nDer Gemsjagd des Lahmen   auf glatter Bergwand.<\/p>\n<p>Offen bekenn ich,   der beide wohl kenne,<br \/>\nDer Mann ist dem Weibe wandelbar;<br \/>\nWir reden am Sch\u00f6nsten,   wenn wir am Schlechtesten denken:<br \/>\nSo wird die Kl\u00fcgste gek\u00f6dert.<\/p>\n<p>Schmeichelnd soll reden   und Geschenke bieten<br \/>\nWer des M\u00e4dchens Minne will,<br \/>\nDen Liebreiz loben   der leuchtenden Jungfrau:<br \/>\nSo f\u00e4ngt sie der Freier.<\/p>\n<p>Der Liebe verwundern   soll sich kein Weiser<br \/>\nAn dem andern Mann.<br \/>\nOft fe\u00dfelt den Klugen   was den Thoren nicht f\u00e4ngt,<br \/>\nLiebreizender Leib.<\/p>\n<p>Unklugheit wundre   Keinen am Andern,<br \/>\nDenn Viele bef\u00e4llt sie.<br \/>\nWeise zu Tr\u00f6pfen   wandelt auf Erden<br \/>\nDer Minne Macht.<\/p>\n<p>* * *<\/p>\n<p>Das Gem\u00fcth wei\u00df allein,   das dem Herzen innewohnt<br \/>\nUnd seine Neigung verschlie\u00dft,<br \/>\nDa\u00df \u00e4rger \u00dcbel   den Edeln nicht qu\u00e4len mag<br \/>\nAls Liebesleid.<\/p>\n<p>Selbst erfuhr ich das,   als ich im Schilfe sa\u00df<br \/>\nUnd meiner Holden harrte.<br \/>\nHerz und Seele   war mir die s\u00fc\u00dfe Maid;<br \/>\nGleichwohl erwarb ich sie nicht.<\/p>\n<p>Ich fand Billungs Maid   auf ihrem Bette,<br \/>\nWei\u00df wie die Sonne,   schlafend.<br \/>\nAller F\u00fcrsten Freude   f\u00fchlt ich nichtig,<br \/>\nSollt ich ihrer l\u00e4nger ledig leben.<\/p>\n<p>\u201eAm Abend sollst du,   Odhin, kommen,<br \/>\nWenn du die Maid gewinnen willst.<br \/>\nNicht ziemt es sich,   da\u00df mehr als Zwei<br \/>\nVon solcher S\u00fcnde wi\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p>Ich wandte mich weg   Erwiedrung hoffend,<br \/>\nOb noch der Neigung ungewiss;<br \/>\nJedennoch dacht ich,   ich d\u00fcrft erringen<br \/>\nIhre Gunst und Liebesgl\u00fcck.<\/p>\n<p>So kehrt ich wieder:   da war zum Kampf<br \/>\nStrenge Schutzwehr auferweckt,<br \/>\nMit brennenden Lichtern,   mit lodernden Scheitern<br \/>\nMir der Weg verwehrt zur Lust.<\/p>\n<p>Am folgenden Morgen   fand ich mich wieder ein,<br \/>\nDa schlief im Saal das Gesind;<br \/>\nEin H\u00fcndlein sah ich   statt der herlichen Maid<br \/>\nAn das Bett gebunden.<\/p>\n<p>Manche sch\u00f6ne Maid,   wers merken will,<br \/>\nIst dem Freier falsch gesinnt.<br \/>\nDas erkannt ich klar,   als ich das kluge Weib<br \/>\nVerlocken wollte zu L\u00fcsten.<br \/>\nJegliche Schmach   that die Schlaue mir an<br \/>\nUnd wenig ward mir des Weibes.<\/p>\n<p>Munter sei der Hausherr   und heiter bei G\u00e4sten<br \/>\nNach geselliger Sitte,<br \/>\nBesonnen und gespr\u00e4chig:   so schein er verst\u00e4ndig,<br \/>\nUnd rathe st\u00e4ts zum Rechten.<\/p>\n<p>Der wenig zu sagen wei\u00df   wird ein Erztropf genannt,<br \/>\nEs ist des Albernen Art.<\/p>\n<p>Den alten Riesen besucht ich,   nun bin ich zur\u00fcck:<br \/>\nMit Schweigen erwarb ich da wenig.<br \/>\nManch Wort sprach ich   zu meinem Gewinn<br \/>\nIn Suttungs Saal.<\/p>\n<p>Gunnl\u00f6d schenkte mir   auf goldnem Se\u00dfel<br \/>\nEinen Trunk des theuern Meths.<br \/>\n\u00dcbel vergolten   hab ich gleichwohl<br \/>\nIhrem heiligen Herzen,<br \/>\nIhrer gl\u00fchenden Gunst.<\/p>\n<p>Ratamund lie\u00df ich   den Weg mir r\u00e4umen<br \/>\nUnd den Berg durchbohren;<br \/>\nIn der Mitte schritt ich   zwischen Riesensteigen<br \/>\nUnd hielt mein Haupt der Gefahr hin.<\/p>\n<p>Schlauer Verwandlungen   Furcht erwarb ich,<br \/>\nWenig misslingt dem Listigen.<br \/>\nDenn Odhr\u00f6rir   ist aufgestiegen<br \/>\nZur weitbewohnten Erde.<\/p>\n<p>Zweifel heg ich   ob ich heim w\u00e4r gekehrt<br \/>\nAus der Riesen Reich,<br \/>\nWenn mir Gunnl\u00f6d nicht half,   die herzige Maid,<br \/>\nDie den Arm um mich schlang.<\/p>\n<p>Die Eisriesen eilten   des andern Tags<br \/>\nDes Hohen[WS 4] Rath zu h\u00f6ren<br \/>\nIn des Hohen Halle.<br \/>\nSie fragten nach B\u00f6lwerkr,   ob er heimgefahren sei<br \/>\nOder ob er durch Suttung fiel.<\/p>\n<p>Den Ringeid, sagt man,   hat Odhin geschworen:<br \/>\nWer traut noch seiner Treue?<br \/>\nDen Suttung beraubt\u2019 er   mit R\u00e4nken des Meths<br \/>\nUnd lie\u00df sich Gunnl\u00f6d gr\u00e4men.<\/p>\n<p>Loddfafnis-Lied.<\/p>\n<p>Zeit ists zu reden   vom Rednerstuhl.<br \/>\nAn dem Brunnen Urdas<br \/>\nSa\u00df ich und schwieg,   sa\u00df ich und dachte<br \/>\nUnd merkte der M\u00e4nner Reden.<\/p>\n<p>Von Runen h\u00f6rt ich reden   und vom Ritzen der Schrift<br \/>\nUnd vernahm auch n\u00fctze Lehren.<br \/>\nBei des Hohen Halle,   in des Hohen Halle<br \/>\nH\u00f6rt ich sagen so:<\/p>\n<p>Die\u00df rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,<br \/>\nWohl dir, wenn du sie merkst.<br \/>\nSteh Nachts nicht auf,   wenn die Noth nicht dr\u00e4ngt,<br \/>\nDu w\u00e4rst denn zum W\u00e4chter geordnet.<\/p>\n<p>Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,<br \/>\nWohl dir, wenn du sie merkst.<br \/>\nIn der Zauberfrau Schoo\u00df   schlaf du nicht,<br \/>\nSo da\u00df ihre Glieder dich g\u00fcrten.<\/p>\n<p>Sie beth\u00f6rt dich so,   du entsinnst dich nicht mehr<br \/>\nDes Gerichts und der Rede der F\u00fcrsten,<br \/>\nGedenkst nicht des Mals   noch m\u00e4nnlicher Freuden,<br \/>\nSorgenvoll suchst du dein Lager.<\/p>\n<p>Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,<br \/>\nWohl dir, wenn du sie merkst.<br \/>\nDes Andern Frau   verf\u00fchre du nicht<br \/>\nZu heimlicher Zwiesprach.<\/p>\n<p>Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,<br \/>\nWohl dir, wenn du sie merkst.<br \/>\n\u00dcber Furten und Felsen   so du zu fahren hast,<br \/>\nSo sorge f\u00fcr reichliche Speise.<\/p>\n<p>Dem \u00fcbeln Mann   er\u00f6ffne nicht<br \/>\nWas dir Widriges widerf\u00e4hrt:<br \/>\nVon argem Mann   erntest du nimmer doch<br \/>\nSo guten Vertrauns Vergeltung.<\/p>\n<p>Verderben stiften   einem Degen sah ich<br \/>\n\u00dcbeln Weibes Wort:<br \/>\nDie giftige Zunge   gab ihm den Tod,<br \/>\nNicht seine Schuld.<\/p>\n<p>Gewannst du den Freund,   dem du wohl vertraust,<br \/>\nSo besuch ihn nicht selten,<br \/>\nDenn Strauchwerk gr\u00fcnt   und hohes Gras<br \/>\nAuf dem Weg, den Niemand wandelt.<\/p>\n<p>Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,<br \/>\nWohl dir, wenn du sie merkst.<br \/>\nGuten Freund gewinne dir   zu erfreuender Zwiesprach;<br \/>\nHeilspruch lerne so lange du lebst.<\/p>\n<p>Altem Freunde   sollst du der erste<br \/>\nDen Bund nicht brechen.<br \/>\nDas Herz fri\u00dft dir Sorge,   magst du keinem mehr sagen<br \/>\nDeine Gedanken all.<\/p>\n<p>Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,<br \/>\nWohl dir, wenn du sie merkst.<br \/>\nMit ungesalznem   Narren sollst du<br \/>\nNicht Worte wechseln.<\/p>\n<p>Von albernem Mann   magst du niemals<br \/>\nGuten Lohn erlangen.<br \/>\nNur der Wackere   mag dir erwerben<br \/>\nGuten Leumund durch sein Lob.<\/p>\n<p>Das ist Seelentausch,   sagt Einer getreulich<br \/>\nDem Andern Alles was er denkt.<br \/>\nNichts ist \u00fcbler   als unst\u00e4t sein:<br \/>\nDer ist kein Freund,   der zu Gefallen spricht.<\/p>\n<p>Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,<br \/>\nWohl dir, wenn du sie merkst.<br \/>\nDrei Worte nicht sollst du   mit dem Schlechtern wechseln:<br \/>\nOft unterliegt der Gute,<br \/>\nDer mit dem Schlechten streitet.<\/p>\n<p>Schuhe nicht sollst du   noch Sch\u00e4fte machen<br \/>\nF\u00fcr Andre als f\u00fcr dich:<br \/>\nSitzt der Schuh nicht,   ist krumm der Schaft,<br \/>\nW\u00fcnscht man dir alles \u00dcbel.<\/p>\n<p>Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,<br \/>\nWohl dir, wenn du sie merkst.<br \/>\nWo Noth du findest,   deren nimm dich an;<br \/>\nDoch gieb dem Feind nicht Frieden.<\/p>\n<p>Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,<br \/>\nWohl dir, wenn du sie merkst.<br \/>\nDich soll Andrer   Ungl\u00fcck nicht freuen;<br \/>\nIhren Vortheil la\u00df dir gefallen.<\/p>\n<p>Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,<br \/>\nWohl dir, wenn du sie merkst.<br \/>\nNicht aufschaun sollst du   im Schlachtget\u00f6se:<br \/>\nEbern \u00e4hnlich wurden   oft Erdenkinder;<br \/>\nSo aber zwingt dich kein Zauber.<\/p>\n<p>Willst du ein gutes Weib   zu deinem Willen bereden<br \/>\nUnd Freude bei ihr finden,<br \/>\nSo verhei\u00df ihr Holdes   und halt es treulich:<br \/>\nDes Guten wird die Maid nicht m\u00fcde.<\/p>\n<p>Sei vorsichtig,   doch seis nicht allzusehr,<br \/>\nAm meisten seis beim Meth<br \/>\nUnd bei des Andern Weib;   auch wahre dich<br \/>\nZum dritten vor der Diebe List.<\/p>\n<p>Mit Schimpf und Hohn   verspotte nicht<br \/>\nDen Fremden noch den Fahrenden.<br \/>\nSelten wei\u00df   der zu Hause sitzt<br \/>\nWie edel ist, der einkehrt.<\/p>\n<p>Laster und Tugenden   liegen den Menschen<br \/>\nIn der Brust beieinander.<br \/>\nKein Mensch ist so gut,   da\u00df nichts ihm mangle,<br \/>\nNoch so b\u00f6se,   da\u00df er zu nichts n\u00fctzt.<\/p>\n<p>Haarlosen Redner   verh\u00f6hne nicht:<br \/>\nOft ist gut was der Greis spricht.<br \/>\nAus welker Haut kommt   oft wei\u00dfer Rath;<br \/>\nH\u00e4ngt ihm die H\u00fclle gleich,<br \/>\nSchrinden ihn auch Schrammen,<br \/>\nDer unter Wichten wankt.<\/p>\n<p>Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,<br \/>\nWohl dir, wenn du sie merkst.<br \/>\nDen Wandrer fahr nicht an,   noch weis ihm die Th\u00fcr:<br \/>\nGieb dem Gehrenden[WS 5] gern.<\/p>\n<p>Stark w\u00e4r der Riegel,   der sich r\u00fccken sollte<br \/>\nAllen aufzuthun.<br \/>\nGieb einen Scherf[WS 6];   die\u00df Geschlecht sonst w\u00fcnscht<br \/>\nDir alles Unheil an.<\/p>\n<p>Die\u00df rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,<br \/>\nWohl dir, wenn du sie merkst:<br \/>\nWo \u00c4l getrunken wird,   ruf die Erdkraft an:<br \/>\nErde trinkt und wird nicht trunken.<br \/>\nFeuer hebt Krankheit,   Eiche Verh\u00e4rtung,<br \/>\n\u00c4hre Vergiftung,<br \/>\nDer Hausgeist h\u00e4uslichen Hader.<br \/>\nMond mindert Tobsucht,<br \/>\nHundbi\u00df heilt Hundshaar,<br \/>\nRune Beredung;<br \/>\nDie Erde nehme Na\u00df auf.<\/p>\n<p>Odhins Runenlied.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, da\u00df ich hing   am windigen Baum<br \/>\nNeun lange N\u00e4chte,<br \/>\nVom Sper verwundet,   dem Odhin geweiht,<br \/>\nMir selber ich selbst,<br \/>\nAm Ast des Baums,   dem man nicht ansehn kann<br \/>\nAus welcher Wurzel er spro\u00df.<\/p>\n<p>Sie boten mir   nicht Brot noch Meth;<br \/>\nDa neigt\u2019 ich mich nieder<br \/>\nAuf Runen sinnend,   lernte sie seufzend:<br \/>\nEndlich fiel ich zur Erde.<\/p>\n<p>Hauptlieder neun   lernt ich von dem weisen Sohn<br \/>\nB\u00f6lthorns, des Vaters Bestlas,<br \/>\nUnd trank einen Trunk des theuern Meths<br \/>\nAus Odhr\u00f6rir gesch\u00f6pft.57<\/p>\n<p>Zu gedeihen begann ich   und begann zu denken,<br \/>\nWuchs und f\u00fchlte mich wohl.<br \/>\nWort aus dem Wort   verlieh mir das Wort,<br \/>\nWerk aus dem Werk   verlieh mir das Werk.<\/p>\n<p>Runen wirst du finden   und Rathst\u00e4be,<br \/>\nSehr starke St\u00e4be,<br \/>\nSehr m\u00e4chtige St\u00e4be.<br \/>\nErzredner ersann sie,   G\u00f6tter schufen sie,<br \/>\nSie ritzte der hehrste der Herscher.<\/p>\n<p>Odhin den Asen,   den Alfen Dain,<br \/>\nDwalin den Zwergen,<br \/>\nAlswidr aber den Riesen;   einige schnitt ich selbst.<\/p>\n<p>Weist du zu ritzen?   weist du zu errathen?<br \/>\nWeist du zu finden?   weist zu erforschen?<br \/>\nWeist du zu bitten?   weist Opfer zu bieten?<br \/>\nWeist du wie man senden,   weist wie man tilgen soll?<\/p>\n<p>Be\u00dfer nicht gebetet   als zu viel geboten:<br \/>\nDie Gabe will st\u00e4ts Vergeltung.<br \/>\nBe\u00dfer nichts gesendet   als zu viel getilgt;<br \/>\nSo ritzt\u2019 es Thundr   zur Richtschnur den V\u00f6lkern.<br \/>\nDahin entwich er,   von wannen er ausging.<\/p>\n<p>Lieder kenn ich, die kann   die K\u00f6nigin nicht<br \/>\nUnd keines Menschen Kind.<br \/>\nH\u00fclfe verhei\u00dft mir eins,   denn helfen mag es<br \/>\nIn Streiten und Zwisten   und in allen Sorgen.<\/p>\n<p>Ein andres wei\u00df ich,   des Alle bed\u00fcrfen,<br \/>\nDie heilkundig hei\u00dfen.<\/p>\n<p>Ein drittes wei\u00df ich,   des ich bedarf<br \/>\nMeine Feinde zu fe\u00dfeln.<br \/>\nDie Spitze stumpf ich   dem Widersacher;<br \/>\nMich verwunden nicht Waffen noch Listen.<\/p>\n<p>Ein viertes wei\u00df ich,   wenn der Feind mir schl\u00e4gt<br \/>\nIn Bande die Bogen der Glieder,<br \/>\nSo bald ich es singe   so bin ich ledig,<br \/>\nVon den F\u00fc\u00dfen f\u00e4llt mir die Fe\u00dfel,<br \/>\nDer Haft von den H\u00e4nden.<\/p>\n<p>Ein f\u00fcnftes kann ich:   fliegt ein Pfeil gef\u00e4hrdend<br \/>\n\u00dcbers Heer daher,<br \/>\nWie hurtig er fliege,   ich mag ihn hemmen,<br \/>\nErschau ich ihn nur mit der Sehe.<\/p>\n<p>Ein sechstes kann ich,   so Wer mich versehrt<br \/>\nMit harter Wurzel des Holzes:<br \/>\nDen Andern allein,   der mir es anthut,<br \/>\nVerzehrt der Zauber, Ich bleibe frei.<\/p>\n<p>Ein siebentes wei\u00df ich,   wenn hoch der Saal steht<br \/>\n\u00dcber den Leuten in Lohe,<br \/>\nWie breit sie schon brenne,   Ich berge sie noch:<br \/>\nDen Zauber wei\u00df ich zu zaubern.<\/p>\n<p>Ein achtes wei\u00df ich,   das allen w\u00e4re<br \/>\nN\u00fctzlich und n\u00f6thig:<br \/>\nWo unter Helden   Hader entbrennt,<br \/>\nDa mag ich schnell ihn schlichten.<\/p>\n<p>Ein neuntes wei\u00df ich,   wenn Noth mir ist<br \/>\nVor der Flut das Fahrzeug zu bergen,<br \/>\nSo wend ich den Wind   von den Wogen ab<br \/>\nUnd beschwichtge rings die See.<\/p>\n<p>Ein zehntes kann ich,   wenn Zaunreiterinnen<br \/>\nDurch die L\u00fcfte lenken,<br \/>\nSo wirk ich so,   da\u00df sie wirre zerst\u00e4uben<br \/>\nUnd als Gespenster schwinden.<\/p>\n<p>Ein eilftes kann ich,   wenn ich zum Angriff soll<br \/>\nDie treuen Freunde f\u00fchren,<br \/>\nIn den Schild fing ichs,   so ziehn sie siegreich<br \/>\nHeil in den Kampf,   heil aus dem Kampf,<br \/>\nBleiben heil wohin sie ziehn.<\/p>\n<p>Ein zw\u00f6lftes kann ich,   wo am Zweige h\u00e4ngt<br \/>\nVom Strang erstickt ein Todter,<br \/>\nWie ich ritze   das Runenzeichen,<br \/>\nSo kommt der Mann und spricht mit mir.<\/p>\n<p>Ein dreizehntes kann ich,   soll ich ein Degenkind[WS 7]<br \/>\nIn die Taufe tauchen,<br \/>\nSo mag er nicht fallen   im Volksgefecht,<br \/>\nKein Schwert mag ihn versehren.<\/p>\n<p>Ein vierzehntes kann ich,   soll ich dem Volke<br \/>\nDer G\u00f6tter Namen nennen,<br \/>\nAsen und Alfen   kenn ich allzumal;<br \/>\nWenige sind so weise.<\/p>\n<p>Ein funfzehntes kann ich,   das Volkr\u00f6rir der Zwerg<br \/>\nVor Dellings Schwelle sang:<br \/>\nDen Asen St\u00e4rke,   den Alfen Gedeihn,<br \/>\nHohe Weisheit dem Hroptatyr.<\/p>\n<p>Ein sechzehntes kann ich,   will ich sch\u00f6ner Maid<br \/>\nIn Lieb und Lust mich freuen,<br \/>\nDen Willen wandl ich   der Wei\u00dfarmigen,<br \/>\nDa\u00df ganz ihr Sinn sich mir gesellt.<\/p>\n<p>Ein siebzehntes kann ich,   da\u00df schwerlich wieder<br \/>\nDie holde Maid mich meidet.<br \/>\nDieser Lieder,   magst du, Loddfafnir,<br \/>\nLange ledig bleiben.<br \/>\nDoch wohl dir, weist du sie,<br \/>\nHeil dir, beh\u00e4ltst du sie,<br \/>\nSelig, singst du sie!<\/p>\n<p>Ein achtzehntes wei\u00df ich,   das ich aber nicht singe<br \/>\nVor Maid noch Mannesweibe<br \/>\nAls allein vor ihr,   die mich umarmt,<br \/>\nOder sei es, meiner Schwester.<br \/>\nBe\u00dfer ist   was Einer nur wei\u00df;<br \/>\nSo frommt das Lied mir lange.<\/p>\n<p>Des Hohen Lied ist gesungen<br \/>\nIn des Hohen Halle,<br \/>\nDen Erdens\u00f6hnen noth,   unn\u00fctz den Riesens\u00f6hnen.<br \/>\nWohl ihm, der es kann,   wohl ihm, der es kennt,<br \/>\nLange lebt, der es erlernt,<br \/>\nHeil Allen, die es h\u00f6ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ausg\u00e4nge halber bevor du 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