Haus des Kannibalen

Über zehn Jahre sind vergangen, seit Armin Meiwes einen Menschen getötet, zerstückelt und teilweise gegessen hat. Das Haus des „Kannibalen von Rotenburg“ hat dadurch traurige Berühmtheit erlangt. Noch heute lockt es viele Schaulustige in den kleinen idyllischen Ort bei Rotenburg.

Beinahe täglich halten Autofahrer am Ortseingang und zücken Kameras. Die Schaulustigen wollen ein Foto vom Haus des Kannibalen. „Vor ein paar Wochen war eine Gruppe aus England hier und hat gefilmt“, sagt ein Anwohner. Die Anwohner haben sich mit der Situation arrangiert. Ein böses Wort verliert niemand über Meiwes. Die Anwohner beschreiben ihn als zurückhaltend, aber zuvorkommend.

Im Interview sagt Meiwes, dass er nicht mehr in den Ort zurückkehren werde. „Wegen uns könnte er nach der Haft zurückkommen“, sagt ein Nachbar. Allerdings ist das Haus von Meiwes nicht mehr bewohnbar. Vor vier Jahren hat es gebrannt und die Lehmdecken des Fachwerkhauses seien teilweise eingestürzt. Unter den Anwohnern ist die Geschichte des Kannibalen nur noch selten Gesprächsthema. Es sei denn, die Polizei hält wieder einmal vor dem Haus von Meiwes. „Da wird oft eingebrochen“, sagt eine Anwohnerin.

Ein weiteres Problem sei der Müll, den die Schaulustigen in dem verwilderten Garten zurücklassen. „Erst vor Kurzem haben Nachbarn ihn eingesammelt“, sagt eine Anwohnerin. Eine andere hat den Eindruck, dass ein Besuch des Kannibalen-Hauses für die Studenten der Rotenburger Landesfachhochschule fester Bestandteil des Semesterbeginns ist.

Verständnis für die Tat von Meiwes haben die Wüstefelder nicht. „Was er gemacht hat, ist einfach nur verrückt“, sagt eine junge Frau. Allerdings habe das Opfer sein Schicksal selbst gewählt. „Er hat sich ja niemanden von der Straße geholt.“

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